16.11.2010, 13:16 Uhr | Financial Times Deutschland
Dubai: Ein modernes Emirat (Foto: Reuters)Ein Jahr nach dem Finanzcrash in Dubai müssen sich die Gläubiger des Emirats erneut auf Zahlungsausfälle einer Staatsholding gefasst machen. Im Gespräch mit der "Financial Times" deutete ein hoher Berater des Herrscherhauses die mögliche Restrukturierung der auf rund zwölf Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro) geschätzten Schulden der Dubai Holding an.
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Diesmal ist die Problematik überschaubarer
Zwar seien die Probleme dieses Konglomerats überschaubarer als vor einem Jahr bei der Fastpleite des mit fast 30 Milliarden Dollar überschuldeten Staatskonzerns Dubai World, sagte Mohammed Al Schaibani. Allerdings müssten auch diesmal die Gläubiger "etwas beisteuern". Dubais Regierung habe der Holding bereits zwei Milliarden Dollar frisches Kapital bereitgestellt.
Abu Dhabi rettet Dubai
Al Schaibani gehört als einer von nur drei Managern dem von Emir Mohammed Bin Raschid Al Maktum eingesetzten Komitee zur Restrukturierung der Schulden von Dubai World an. Der Mischkonzern war im November 2009 beinahe kollabiert; anschließend konnte Dubai nur mit einer Finanzspritze des Nachbarn Abu Dhabi in Milliardenhöhe gerettet werden.
Kredit von der Citibank
Die Dubai Holding war am Wochenende in die Schlagzeilen geraten. Grund hierfür sind Zahlungsschwierigkeiten ihrer Tochterfirma Dubai Group. Der Finanzdienstleister hat bereits ein Gläubigerkomitee zur Restrukturierung einberufen. Zudem soll die Dubai Group zwei ausstehende Zahlungen in dreistelliger Dollar-Millionenhöhe nicht geleistet haben, wie aus Finanzkreisen verlautete. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge geht es um eine Rückzahlung auf einen Kredit von mehr als 330 Millionen Dollar unter Federführung der Citibank. Im anderen Fall sei die Dubai Group eine Gewinnzahlung schuldig geblieben.
Milliarden im Feuer
Al Schaibani lobte im "Financial Times"-Interview dennoch Dubais Gläubiger und ihre Rolle in der bisherigen Umschuldung: "Diese Leute haben uns sehr unterstützt", sagte der 46-Jährige. "Ohne die Hilfe der Banken und der Gläubiger hätten wir nicht das erreichen können, was wir erreicht haben." Sein mit 110 Milliarden Dollar verschuldetes Emirat sei auf einem guten Weg. Im nächsten Jahr muss Dubai mehr als 18 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten refinanzieren.
Die Anleger werden nervös
Unter Anlegern wächst seit Tagen die Angst vor einem neuen Zahlungsausfall. Die Prämien der Kreditausfallversicherungen (CDS) für Staatsanleihen klettern seit Tagen. Am Montag standen mit 436 Basispunkten rund 50 Basispunkte höher als vor zwei Wochen. CDS auf Dubai Holding notierten bei 920 Basispunkten. Es kostete also 920.000 Dollar im Jahr, Anleihen des Konzerns über 10 Millionen Dollar zu versichern.
CDS schießen in die Höhe
Am Freitag war die Absicherung gegen den Ausfall von Staatsanleihen des Emirats auf ein Zweimonatshoch gestiegen. Die entsprechenden CDS schossen laut Zahlen des Datendienstleisters Markit um 30 auf 440 Basispunkte in die Höhe.
Die Dubai Group hatte sich nicht zu den Berichten über Zahlungsausfälle geäußert. Sie teilte lediglich mit, mit einem eigens eingerichteten Ausschuss der Kreditgeber über ihre Zahlungsverpflichtungen zu sprechen, und kündigte an, weiter ihre Schulden zu zahlen.
Dubai hat sich übernommen
Das Emirat wurde von der Weltwirtschaftskrise schwer getroffen, denn mit ihr stoppte der Immobilienboom am Golf jäh. Vor einem Jahr hatte bereits der staatliche Mischkonzern Dubai World die Finanzmärkte mit der Mitteilung schockiert, er könne Schulden in Höhe von 23,5 Milliarden Dollar nicht zurückzahlen. In die roten Zahlen geriet Dubai World vor allem wegen der Probleme der dazugehörigen Immobilienfirma Nakheel, die vor alllem für die Entwicklung der sogenannten Palmeninseln bekannt ist. Diese künstliche Inselgruppe wurde von Dubai als achtes Weltwunder angepriesen.