
01.02.2011, 14:56 Uhr | Spiegel Online
Einige der künstlichen Inseln der "Dubai-World" drohen zu versinken, weil sie brach liegen (Quelle: AFP)
"The World" ist ein Symbol für den Größenwahn der Golfstaaten - Dubai wollte eine künstliche Inselwelt schaffen, Baufirmen türmten im Meer gigantische Sandberge auf. Doch nun droht das Prestigeprojekt in den Fluten zu versinken: Für den Unterhalt der Fahrrinnen ist kein Geld mehr da.
Jedes Kind kennt es vom Sandburgenbau in der Brandung: Wenn nicht immer wieder ausgeschippt wird, ist bald nichts mehr zu sehen von Kanälen, Wällen und Burgen. Auf Dauer gewinnt das Meer. Diese Erfahrung mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik macht derzeit auch "The World", das ehrgeizige Bauprojekt vor der Küste von Dubai: 300 künstlich aufgeschüttete Inseln, die vom Flugzeug aus gesehen in etwa die Form einer Weltkarte haben. "Die Inseln fallen langsam wieder zurück ins Meer", erklärt Richard Wilmot-Smith, Anwalt der Logistikfirma "Penguin Marine". Die Fahrrinnen zwischen den Inseln seien durch Versandung und Erosion bereits unpassierbar geworden.
"Die Welt geht unter", titelte der "Daily Telegraph", und in der lokalen Presse ist eine Debatte über den "Zustand der Welt" ausgebrochen. Nicht die Malediven oder Tuvalu würden als erste von der Landkarte verschwinden, sondern "Nordamerika" und "China", die Kunstkontinente im Persischen Golf. Wobei nicht der Klimawandel für das Versinken des Archipels verantwortlich ist, sondern das Erkalten des Immobilienmarktes in den Emiraten: Die Preise in Dubai sind seit 2009 um bis zu 60 Prozent gefallen. Kaum jemand will mehr in kostspielige Landgewinnung investieren.
Die Baufirma Nakheel, Entwicklerin der Inseln, gehört zum Konglomerat "Dubai World", dessen 25 Milliarden Schulden das ganze Emirat in die Krise brachten. Nakheel hat anderes zu tun, als sich ums Ausbaggern zu kümmern. Der Sprecher von Nakheel, Graham Lovett, bestreitet, dass "The World" tot sei. Sie sei nur "in einem Koma", werde aber eines Tages wieder aufwachen: "Dies ist ein Projekt über zehn Jahre, das sich verlangsamt hat." Ein von der Firma "Penguin Marine" angerufenes Gericht in Dubai hat sich dieser Haltung angeschlossen.
Natürlich geht es um Geld. "Penguin Marine" hat die Rechte erworben am Hinüberschippern von Baumaterialien und später der Versorgung der Inseln. Dafür zahlt die Firma aus Singapur jährlich rund eine Million Dollar. Doch die erhofften Transportaufträge sind ausgeblieben, weil die Bauprojekte größtenteils auf Eis liegen. Penguin hat die Zahlungen eingestellt. Der eigens für "The World" gebaute Versorgungshafen in Port Rashid liegt brach. Das sind fünf Millionen in den Sand gesetzte Dollar.
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"The World" hat schon einige Rückschläge gesehen. Der Eigentümer "Irlands" hat sich umgebracht. Der Käufer von "Großbritannien" sitzt wegen Scheckbetrug für sieben Jahre in Dubai hinter Gittern. Und die Nachricht über das langsame Versinken im Treibsand klingt wie die Erfüllung biblischer Prophezeiungen: "Alles, was auf Erden ist, soll untergehen" (Genesis; 6,17).
Alles geht unter - nur "Germany" nicht. Und die Party-Insel "Montecarlo" und "Schweden" ebenso wenig. Sechs Inseln hat der österreichische Investor Josef Kleindienst für 840 Millionen Dollar gekauft. Er vermarktet sie als "Das Herz Europas", mit Luxusvillen und Security. Eigentlich sollte mit dem Bau der ersten Villen schon im Juni begonnen werden. Tatsächlich sind die Sandhaufen bisher nur mit Bodenrüttlern baubereit gemacht worden. Josef Kleindienst hält das Gerede über den "World"-Untergang für unangebracht: "Wenn eine Insel nicht entwickelt und unterhalten wird, dann setzt die Erosion ein. Das hat nichts mit Sinken zu tun, es ist die Bewegung des Sandes entlang der Inselränder." Eine Insel sei eben nichts Gegebenes, sondern ein ständiges Widerstehen gegen Wind und Wellen. Die Sprecherin der Kleindienst-Gruppe bestätigt allerdings, dass die Fahrrinnen zwischen den Erdteilen von Nakheel nicht mehr ausgebaggert werden.
"Montecarlo" sollte die erste Insel nur für Erwachsene werden, mit Bars, Bikini-Beaches und Nachtclubs. Geplant war, das Eiland am 31. Dezember mit einer spektakulären Silvesterparty einzuweihen, es waren auch schon 800 "Celebrities" gebucht. Aber die Party fiel ins Wasser, "Umständen geschuldet, auf die wir keinen Einfluss haben", so Kleindienst. Bislang ist kein einziges Gebäude gebaut worden. Halb so wild: Silvester kommt ja immer wieder, so verlässlich wie Fluten und Finanzmarktkrisen.
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Quelle: Spiegel Online
Dummbeutel schrieb:
am 26. Januar 2011 um 11:21:48
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Hoffnungslos
Die Entwicklung von Entsalzungs-Anlagen und Nutzung der uns zu Verfügung stehenden Sonnenenergie wäre auf lange Sicht für die
gesamte Menscheit und auch für die Saudies eine echte zukunftsweisende Aternative (gewesen).
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ArmerKnecht schrieb:
am 26. Januar 2011 um 11:09:48
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Dubai Inseln
Habe den Hype um diese Inseln noch nie verstanden. Warum gebe ich viel zu viel Geld aus für Grundstücke und Häuser, von denen
ich genau weiß, dass sie auf absehbare Zeit untergehen? Und dass die Inseln wieder durch die Tide ohne massive Verbauungen weggespült werden - wen kann das denn wirklich überraschen? Mal sehen, ob die West-LB da bereits ein Büro eingerichtet hat.
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Rain schrieb:
am 26. Januar 2011 um 11:05:47
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Auf Sand gebaut
im wahrsten Sinne des Wortes! Aber: Das ist der Anfang, es kommt noch dicker! Der Geldadel zieht ab und die Scheichs
können die Hütten als Kamelställe nutzen.
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