20.09.2011, 19:33 Uhr | dapd, dpa
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das amerikanische und europäische Wirtschaftswachstum bis 2012 deutlich gesenkt. In Deutschland würde sich das Wachstum im kommenden Jahr demnach mehr als halbieren. Grund sind Befürchtungen, dass den Regierungen der große Wurf zur Bewältigung der Schuldenkrise in Europa und Übersee nicht gelingen könnte. Die Weltwirtschaft sei in eine gefährliche neue Phase eingetreten, urteilte der IWF.
Die IWF-Experten rechnen für die Eurozone nur noch mit einem Wachstum von 1,6 Prozent in diesem und 1,1 Prozent im kommenden Jahr, wie aus einem in Washington veröffentlichten Bericht hervorgeht. Im Juni war der Währungsfonds in seiner Einschätzung noch optimistischer gewesen und von einem Wachstum von 2,0 Prozent 2011 beziehungsweise 1,7 Prozent 2012 ausgegangen.
Für Deutschland erwartet der IWF nach einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent 2010 in diesem Jahr 2,7 Prozent und im kommenden Jahr nur noch 1,3 Prozent.
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Die schlechtere Prognose für Europa begründeten die Experten mit der Sorge über eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr für andere europäische Länder.
Die IWF-Herbstprognose für 2011 und 2012 (Quelle: dpa) "Die Angst vor dem Ungewissen ist hoch", sagte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. "Starke Maßnahmen sind dringend vonnöten, um den Ausblick zu verbessern und die Risiken zu verringern."
Was die US-Wirtschaft angeht, fiel die Korrektur nach unten sogar noch deutlicher aus: 2011 sei nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von real 1,5 statt 2,5 Prozent zu rechnen. Für 2012 gehen die Experten von einem realen BIP-Plus von 1,8 statt 2,7 Prozent aus. Die Arbeitslosenquote in den USA liegt seit Ende der Rezession vor zwei Jahren mit Ausnahme von zwei Monaten konstant bei über neun Prozent.
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Finanzkrise und schwaches Wachstum gingen Hand in Hand, erklärten die Experten. Die europäische Schuldenkrise veranlasse Banken zu einer geringeren Kreditvergabe und dem Horten von Bargeldeinlagen. Einbrüche am US-Aktienmarkt während der Sommermonate hätten das Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima belastet. Der Konsum dürfte infolgedessen zurückgehen. Das belaste wiederum das Wachstum und Anleger schichteten von Aktien in sicherere Anlageformen um. In Europa werde es für Länder mit ohnehin schon angespannter Wirtschaftslage angesichts der Wachstumsschwäche noch schwieriger, ihre Schulden in den Griff zu bekommen.
Die Entscheidungsträger in den USA und Europa müssten bei der Haushaltskonsolidierung entschlossener vorgehen, erklärte der IWF. Gerade in Europa gelte es sicherzustellen, dass die Kernkapitalquoten der Banken angesichts der Schuldenkrise ausreichend seien.
Die Probleme der US-Wirtschaft seien langwieriger und beschränkten sich nicht auf hohe Benzinpreise und Folgen für die US-Wirtschaft durch die Krise in Japan. Es würden zu wenig Arbeitsplätze geschaffen und die Gehaltserhöhungen fielen zu gering aus, kritisierten die Experten. Viele Hausbesitzer müssten Hypotheken abbezahlen, die den Wert ihres Eigentums weit überstiegen.
Die von US-Präsident Barack Obama geplanten Steuerkürzungen und Investitionen in die Infrastruktur seien ein dringend benötigter, kurzfristiger Stimulus für die Wirtschaft, die von längerfristigen Maßnahmen zum Defizitabbau begleitet werden müssten, hieß es in dem Bericht. Es komme auf den richtigen Zeitpunkt für Sparmaßnahmen an, sagte Blanchard. Haushaltskürzungen dürften nicht zu drastisch ausfallen, sonst würgten sie das Wachstum ab. Zu zögerlich vorgenommene Einschnitte wirkten sich auf der anderen Seite negativ auf die Glaubwürdigkeit der Regierung aus.
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Das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt wird sich von 5,1 Prozent 2010 auf 4,0 Prozent in diesem und im nächsten Jahr abkühlen. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als in der früheren Prognose. Das Wachstum setze sich zwar fort - "aber nur schwach und holprig".
Motor der Weltkonjunktur seien die Schwellenländer, hieß es in dem Bericht. Insbesondere China werde weiter wachsen, nach 10,3 Prozent im vergangenen Jahr 9,5 Prozent 2011 und 9,0 Prozent 2012. Insgesamt sei die Weltwirtschaft in eine gefährliche neue Phase eingetreten, sagte Blanchard. "Die Erholung hat sich deutlich abgeschwächt."
Diese Einschätzung teilen auch in Deutschland immer mehr Finanzexperten. Sie zeigen sich beim Blick auf die künftige Wirtschaftsentwicklung mittlerweile so pessimistisch wie seit Ende 2008 nicht mehr. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sanken im September um 5,7 Punkte auf minus 43,3 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte. Damit ist dieser wichtige Indikator für die künftige Wirtschaftsentwicklung den siebten Monat in Folge gesunken - auf ein Mehrjahrestief. Bankvolkswirte sehen zwar keinen Hinweis auf eine Rezession in Deutschland, erwarten aber eine spürbare Abschwächung der Konjunktur spätestens zum Jahreswechsel.
Zwei Risiken bereiten den IWF-Experten besondere Sorge: Dass die Schuldenkrise außer Kontrolle gerät und dass die US-Wirtschaft noch weiter abschmiert. Jedes Szenario hätte "schwere Konsequenzen für das globale Wachstum". In der Euro-Zone und in den USA könnte die Wirtschaftsleistung drei Prozentpunkte geringer ausfallen als jetzt vorhergesagt - was für beide die Rezession bedeuten würde.
Quelle: dapd , dpa , t-online.de
Nostra damos schrieb:
am 20. September 2011 um 19:16:03
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Wirtschaftswachstum
Bei diesem Artikel muss die Frage berechtigt sein: Welches Wachstum baucht die BRD um den €-Stabilitätspakt wieder
einzuhalten (Dann zwar immer noch verschuldet aber nur mit 60%)?
Bis 2030 benötigt die BRD ein jährliches Wachstum von 4,5% und natürlich - keine Neuverschuldungen mehr!
Das ist Illusion!
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polo2001 schrieb:
am 20. September 2011 um 19:15:27
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Weltwirtschaft
Ja immer dasselbe, erst viel zu hoch rechnen und dann ständig nach unten anpassen! Bin gespannt wie lange das noch so
geht!
Merkel muss aus ihrem Amt!
mehr
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Egal schrieb:
am 20. September 2011 um 19:14:27
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IWF
Diese so genannten Wirtschaftsexperten. Deren Vorhersagen sind so zuverlässig wie die Bauernregeln beim Wetter. Beim Kaffeesatzlesen und
Glaskugelschauen kommt jede noch so dämliche TV-Astrologon auf das selbe Ergebnis wie diese hoch bezahlten Lackaffen.
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