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DWS-Fondsmanager: 'Wirklich irrational ist der Markt derzeit nicht'

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DWS-Fondsmanager: "Wirklich irrational ist der Markt derzeit nicht"

09.08.2011, 11:05 Uhr | dpa-afx

Die weltweiten Aktienmärkte befinden sich seit Tagen in einem Abwärtsstrudel. Zuletzt sorgte die Ratingagentur Standard & Poor (S&P) für Unsicherheit, da sie ihre Ankündigung vom Juli wahrmachte und die Bonität der USA abstufte. "Das war jetzt zuletzt noch das i-Tüpfelchen für den ohnehin verunsicherten Markt", sagte Fondsmanager Tim Albrecht von DWS Investments im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik eine angemessene Lösung für die aktuellen Probleme findet sieht er bei 50 Prozent. Das wäre eine Voraussetzung für eine Erholung an den Börsen. Einstiegskurse sieht er trotz des drastischen Kursverfalls in den vergangenen Tagen noch nicht. Dafür seien die Risiken zu hoch.

Frage: Herr Albrecht, weltweit sind die Aktienmärkte angeschlagen. Seit etwa zwei Wochen kann dieser Abwärtstrend beobachtet werden. Der DAX hat mindestens seit 1993 nicht so viele Handelstage in Folge Verluste verzeichnet. Können Sie den derzeitigen Ausverkauf nachvollziehen?

Albrecht: Was man erst einmal festhalten muss: Es gibt zwei große Themenkomplexe, die für die aktuelle Unsicherheit sorgen: Das ist auf der einen Seite die Schuldendebatte in den USA sowie jetzt zuletzt der Schritt S&Ps. Auf der anderen Seite haben wir seit Monaten die Schuldenkrise im Euroraum. S&P hatte die Bonitätsabstufung der USA ja mehr oder weniger bereits im Juli angekündigt. Von dem Zeitpunkt an hatte die Nervosität der Märkte auch spürbar zugenommen. Die tatsächliche Abstufung kam also nicht wirklich überraschend. Beim zweiten Themenkomplex Euroraum-Schuldenkrise haben viele Marktteilnehmer nicht damit gerechnet, dass sich die Probleme so schnell verstärken. Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Marktreaktion keineswegs irrational, sondern nur Ausdruck der deutlichen Unsicherheit.

Die Lage bleibt angespannt

Frage: Wie könnte es ab jetzt weitergehen? Haben Sie bereits mögliche Szenarien durchgespielt?

Albrecht: Derzeit bauen wir ein Risiko von etwa 20 Prozent für eine europäische Rezession ein. Etwa 20 bis 30 Prozent sollte man der Möglichkeit einräumen, dass sich die Lage nur halb eindämmen lässt, die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer aber aus bleibt. Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent gehen wir davon aus, dass eine gestandenere Lösung gefunden wird und sich die Märkte erholen können. Dennoch: kurzfristig bleibt die Lage sehr angeschlagen.

Frage: Und wie positionieren Sie in diesem Umfeld Ihre Fonds?

Albrecht: Wir haben zyklische und Nebenwerte zurückgefahren. Gerade am deutschen Markt gibt es keine wirklich ansprechenden defensiven Werte. Zudem habe ich in meinem Portfolio noch einmal die vorhandenen Unternehmen auf ihre Strategie hin angeschaut. Solche, deren Modell in schwierigen Zeiten nicht wirklich überlebensfähig erschien, habe ich abgestoßen. Aktuell setze ich auf die taktische Chance einer Gegenbewegung.

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Einstiegskurse: Risiken sind noch zu hoch

Frage: Würden Sie sagen, dass man schon wieder von Einstiegskursen sprechen kann?

Albrecht: Um schon wieder von Einstiegskursen zu sprechen, sind die Risiken noch zu hoch. Ich würde eher sagen, wir sind in einer Haltephase. Denn die anhaltend hohe Unsicherheit birgt nach wie vor deutliche Risiken.


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Quelle: dpa-AFX

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