Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Wirtschaft > Energie >

E.ON soll Strompreise manipuliert haben

...

E.ON soll Preise manipuliert haben

06.03.2009, 11:06 Uhr | Spiegel Online

E.ON - Verdacht auf Preismanipulation (Quelle: imago) E.ON - Verdacht auf Preismanipulation (Quelle: imago)Die EU hat das Wettbewerbsverfahren gegen E.ON abgeschlossen - mit einer vergleichweise milden Auflage. Doch in der Begründung finden sich massive Verdächtigungen. Der Konzern hat möglicherweise jahrelang den Strompreis in Deutschland manipuliert - jetzt könnte sogar ein Ermittlungsverfahren drohen. #

E.ON, RWE und Vattenfall - Die größten Energiekonzerne Europas
Video - Der intelligente Stromzähler

Wettbewerbsverfahren still und leise beendet

Kein öffentlicher Auftritt, keine Erklärung, keine Pressemitteilung. Still und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Brüsseler EU-Kommission vor wenigen Tagen eines ihrer wohl spektakulärsten Wettbewerbsverfahren beendet. Der dem Stromkonzern E.ON auferlegte Verkauf seines deutschen Höchstspannungsnetzes und die gleichzeitige Veräußerung von Kraftwerkskapazitäten in einer Größenordnung von 5000 Megawatt, teilte die Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union am 13. Februar mit, "reiche aus, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen." Für ein weiteres "Tätigwerden der Kommission" bestehe damit "kein Anlass mehr".

 

Widerspruch zu Erkenntnissen der Ermittler

Eine nüchterne Erklärung und eine für E.ON eher milde Auflage - die im Widerspruch zu den Erkenntnissen und Beurteilungen steht, die die Wettbewerbshüter in dem seit mehreren Jahren laufenden Verfahren gesammelt haben. Das zumindest geht aus den ebenfalls veröffentlichten vorläufigen Beurteilungen hervor, die der Kommissionsentscheidung zugrunde liegen. Danach nämlich könnte E.ON seine "beherrschende Stellung" auf dem deutschen Strommarkt "missbräuchlich ausgenutzt" haben, um einen Anstieg der Strompreise zum "Nachteil der Verbraucher zu bewirken" - und das vermutlich über mehrere Jahre hinweg.

"Gezielte Strategie" um Preise zu treiben

So liegen der Kommission ganz offenbar Indizien vor, nach denen E.ON zwischen "2002 und 2007 und insbesondere in den Jahren 2003 und 2004" einen erheblichen Teil seiner gewaltigen Kraftwerkskapazität zurückgehalten hat, um auf diesem Wege den Strompreis in Deutschland zu manipulieren. Mit einer ganz "gezielten Strategie", so die Kommission in ihrer Beurteilung, könnten die Preise an der Leipziger Strombörse EEX nach oben getrieben worden sein.

Erkenntnisse zum Umfang der Manipulationen

Auch über den Umfang der möglichen Manipulation haben die Wettbewerbshüter offenbar ganz konkrete Erkenntnisse: Es bestehe "Grund zur Annahme", so die vorläufige Beurteilung der Kommission, dass zwischen "2002 und 2007 verfügbare Erzeugungskapazität über Hunderte von Stunden, das heißt wiederholt und andauernd über mehrere Jahre zurückgehalten worden sein könnte." Außerdem bestehe Grund zu der Annahme, E.ON habe mögliche Wettbewerber in Deutschland am Markteintritt gehindert. Damit sei auch fallenden Strompreisen ein Riegel vorgeschoben worden.

Praktiken der Stromversorger schon länger bekannt

Die spektakulären Feststellungen der Kommission sind nicht neu. Bereits im November des Jahres 2007 enthüllte der "Spiegel" die unglaublichen Praktiken der großen Stromversorger in Deutschland. Grundlage war damals eine Art schriftliche Zusammenfassung der Beweisstücke, die das Bundeskartellamt und die EU-Kommission bei zahlreichen Hausdurchsuchen in den Zentralen der Stromunternehmen im Jahr 2006 sichergestellt hatte. Schon damals zeichnete sich ein erschreckendes Bild. Denn die ausgewerteten rund 60.000 Seiten Papier boten eine Fülle von Indizien dafür, dass

  • sich Manager der großen Energieversorger in geheimen Runden über Jahre hinweg getroffen haben,
  • bei diesen Treffen sensible Geschäftsgeheimnisse und das Vorgehen auf unterschiedlichsten Märkten besprochen wurden,
  • zumindest E.ON versucht hat, den Marktpreis für Strom an der Leipziger Strombörse EEX maßgeblich zu beeinflussen.

EU-Kommission kennt die Vorwürfe

Auch der EU-Kommission lagen diese Papiere vor. Und zumindest in Bezug auf Marktführer E.ON kommt EU-Wettbewerbshüterin Neelie Kroes zu ähnlichen Ergebnissen wie die deutschen Kartellwächter. Doch die notwendigen Konsequenzen wie ein angedrohtes milliardenschweres Bußgeld oder eine wirklich ernsthafte Entflechtung des deutschen Energiemarktes zieht die Kommission nicht. Wohl auch deswegen, wollen Experten wissen, weil der Lobbydruck aus der Energieindustrie in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen haben soll.

Kritiker über Ausgang des Verfahrens enttäuscht

Für Kritiker des bestehenden Systems, wie den auf Energierecht spezialisierten Anwalt Peter Becker, der zusammen mit Kollegen die "Zeitschrift für Neues Energierecht" (ZNER) herausgibt, ist der Ausgang des Verfahrens eine herbe Enttäuschung. Seit langem schon fordern sie eine strengere Regulierung des deutschen Energiemarktes und eine konsequente Preisaufsicht. Mit den jüngsten Feststellungen der EU-Kommission und der deutschen Kartellbehörden gehen sie jetzt sogar einen entscheidenden Schritt weiter.

Schadenersatz für Stromkunden?

Möglicherweise, so Becker in einem in der ZNER veröffentlichten Beitrag, handele es sich sogar um einen strafrechtlich relevanten Vorgang, der weitreichende Schadenersatzansprüche von Stromkunden in Deutschland nach sich ziehen könnte. Unterstützung für seine Argumentation erhält Becker von dem Strafrechtler Matthias Jahn, der sich in einem wissenschaftlichen Beitrag für die ZNER mit genau dieser Problematik auseinandersetzt.

Hinweise würden für Strafverfahren reichen

Für E.ON und andere Stromversorger ist das Ergebnis erschütternd. Zusammen mit den Kenntnissen deutscher Kartellbehörden, so Jahn, könnten die jüngsten Feststellungen der EU-Kommission "den Anfangsverdacht des Vorliegens von Straftaten durch besonders marktträchtige EEX-Akteure wie E.ON begründen." Das bedeutet konkret, dass die jetzt bereits vorliegenden Hinweise für eine Staatsanwaltschaft ausreichen könnten, ein Ermittlungsverfahren gegen E.ON einzuleiten. Neben dem "Straftatbestand des Börsenbetruges", so Jahn, können auch diverse Verstöße "gegen das Wertpapierhandelsgesetz" vorliegen.

E.ON weist Vorwürfe zurück

Ob eine Staatsanwaltschaft die Steilvorlage des Strafrechtlers aufnimmt und ein Ermittlungsverfahren gegen E.ON einleitet, ist derzeit noch offen. Bei E.ON zumindest gibt man sich gelassen. Dort weist man alle Vorwürfe weit von sich. Dass ein einzelner Konzern die Strompreisbildung an einer Börse manipuliert haben soll, heißt es dort, sei "geradezu absurd."

Kann ein einzelnes Unternehmen die Börse manipulieren?

Nachweislich habe sich der Strompreis in ganz Europa relativ einheitlich entwickelt. Außerdem seien an der Leipziger Strombörse mehr als hundert Teilnehmer aktiv, unter denen der Strompreis in einem transparenten Verfahren gebildet werde. Auch die Börse selber hatte bei ähnlichen Vorwürfen in der Vergangenheit schon alle Möglichkeiten einer Preismanipulation zurückgewiesen. Man unterliege, heißt es dort, einer unabhängigen Aufsicht, die den gesamten Prozess der Preisbildung kontrolliere.

Mehr Themen:
Verivox - Strompreistreiber nutzen fehlenden Wettbewerb aus
Umfrage - Deutsche setzen auf Erneuerbare Energien
Engpass - Energieagentur erwartet neue Ölkrise
Energiepreise - Strom wird teurer
Subventionen - China fördert Energiesparlampen
Quecksilber - Gift in Energiesparlampen


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"E.ON soll Strompreise manipuliert haben" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "E.ON soll Strompreise manipuliert haben" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "E.ON soll Strompreise manipuliert haben"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Premium-Freizeitmode
BRAX - Premium-Mode vom Passformspezialisten

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special

Einkaufswelt
Gabor bei Siemes.de
Gabor-Schuhe bei siemes.de

Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten

Einkaufswelt
Fußball-EM 2012
Perfekt ausgestatten für die Fußball-EM 2012 mit GINGAR.de

Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

THW Simulator 2012
THW Simulator 2012 (Quelle: rondomedia)

Fahrzeuge bergen, Brücken bauen und mehr. Jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Skandalspiel: Hertha hat irren Plan
Die Hertha-Mitglieder sollen über eine weiter Klage entscheiden. (Quelle: imago)

So soll es nach dem Urteil weitergehen. mehr

Magdalena Brzeska gewinnt "Let's Dance"
Magdalena Brezeska gewinnt "Let's Dance". (Quelle: dpa)

Rebecca Mir ist wieder nur Zweite. mehr


Anzeigen

Anzeige
Wirtschaft
Anleger verklagen Facebook und Banken

Verpatzter Börsenstart ist der Grund für die Sammelklage. zum Video

Einkaufswelt
Restposten-Verkauf
Sensation des Tages: Mode, Technik und vieles mehr zu sensationellen Tiefstpreisen bei neckermann.de

Lagerräumung mit bis zu 80% Rabatt. bei neckermann.de

Strom-Rechner
Tarifvergleich Strom
Strom-Rechner (kWh/Jahr)

Anzeige
Girokonto für 0,- Euro
 (Quelle: norisbank)

Das kostenlose Top-Girokonto der norisbank. Jetzt informieren

Anzeige
Silber-Sonderangebot
Silbermünzen: 25 x Silber Unze Maple Leaf zum Sonderspreis. (Quelle: ophirum.de)

Exklusiv für Nutzer von t-online.de. zum Angebot

Anzeige

Anzeige
iPad gewinnen
 (Quelle: fxDirekt Bank)

Am Börsenspiel teilnehmen und gewinnen. Jetzt mitmachen

Gas-Rechner
Tarifvergleich Gas
Gas-Rechner (kWh/Jahr)

Verbrauch
Energie-Quiz

Testen Sie ihr Wissen zu Erneuerbaren Energien. Energie-Quiz

Börsen-Gezwitscher
Börsenradar auf Twitter

Das Börsenradar-Team zwitschert auch auf Twitter. Folgen Sie uns!

Geld-Newsletter
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Aktuelle Wirtschafts- Themen täglich ins Postfach. mehr

Anzeige
Urlaub in Madeira
Pauschalreisen bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4*-Hotel mit AI, sowie Hin- und Rückflug ab 568,- Euro/P.


Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige