Kartellamt gibt Weg für Fusion von Plus und Netto frei
25.07.2008, 11:35 Uhr | AFP / T-Online
Einkaufswagen von Plus (Foto: dpa)Nach langem Zögern hat das Bundeskartellamt nun doch die Fusion der Discounter Plus und Netto erlaubt. Allerdings erteilte die Wettbewerbsbehörde die Genehmigung nur unter Auflagen: Der Plus-Mutterkonzern Tengelmann muss knapp 400 der insgesamt 2900 Plus-Märkte in Deutschland verkaufen. Die Muttergesellschaft von Netto, Edeka, begrüßte die Entscheidung des Kartellamts.
"Mit dieser Entscheidung setzt das Bundeskartellamt ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel", sagte Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer. Unter den von den Wettbewerbshütern formulierten Bedingungen dürfen Plus und Netto zur Nummer drei am Discountermarkt hinter den Konkurrenten Aldi und Lidl fusionieren.
Konzentration im Einzelhandel
Mit Blick auf die sechsmonatige kartellrechtliche Prüfung erinnerte Heitzer daran, dass in den vergangenen Jahren eine verstärkte Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu beobachten gewesen sei. So habe es 1999 noch acht große Handelsketten in Deutschland gegeben, die über einen Marktanteil von 70 Prozent verfügten. Heute teilten sich fünf sogenannte Vollsortimenter und Discounter 90 Prozent des Marktes. Dabei sei Edeka Marktführer und Tengelmann die Nummer fünf.
Edeka zu mächtig
Heitzer betonte, auf vielen regionalen Märkten in Deutschland halte Edeka bereits heute hohe Marktanteile und hätte infolge des Zusammenschlusses weitere Anteile hinzugewonnen. Die Marktführerschaft von Edeka sei "heute schon ein Flächenproblem". Zudem wolle Edeka mit Plus einen Anbieter mit einem vergleichbaren Vertriebskonzept übernehmen. Die Tengelmann-Tochter und insbesondere Netto seien zwar Discounter, aber mit einem hohen Anteil an Markenartikeln. "Sie setzen sich mit ihren Vertriebskonzepten von Aldi ab und verfolgen für einen Teil ihres Sortiments eher eine Hochpreisstrategie."
Unterbrecher 70-Tage
Starke Marktstellung im hochpreisigen Bereich
"Entscheidend ist die Verstärkung der Marktstellung von Edeka bei den Herstellermarken, also im eher hochpreisigen Bereich des Lebensmitteleinzelhandels", unterstrich der Kartellamts-Präsident. Nach seinen Angaben traten Edeka und Tengelmann im Mai mit einem sogenannten Zusagenangebot an das Kartellamt heran, um eine Untersagung der Fusion zu vermeiden. Die daraufhin ausgehandelten Zusagen sehen demnach vor, dass die knapp 400 der zurzeit insgesamt 2900 Plus-Märkte an einen, höchstens aber drei Erwerber veräußert werden.
Kartellamt untersagt Einkaufskooperation
Die geplante Beschaffungskooperation zwischen Edeka und Tengelmann für das Kaiser's-Geschäft hielten das Kartellamt dagegen nicht für genehmigungsfähig. "Die Beschaffungskonditionen im Lebensmitteleinzelhandel bestimmen wesentlich die Marktposition eines Unternehmens auf den Absatzmärkten", betonte Heitzer. Tengelmann werde sich einen anderen Partner für eine Beschaffungskooperation suchen. "Edeka kommt dafür nicht in Frage", sagte Heitzer. Auf diese Weise werde Edeka «"eine Nachfragemacht gegenüber den Lebensmittelproduzenten nur geringfügig ausbauen", betonte der Kartellamt-Präsident.
Hängepartie vorbei
Edeka zeigte sich erfreut über den Abschluss der kartellrechtlichen Prüfung. "Dies ist ein guter Tag für die Verbraucher und die Plus-Mitarbeiter, denn die Hängepartie ist endlich beendet und wir können unseren klaren Kurs fortsetzen", erklärte Edeka-Chef Markus Mosa. Die Edeka-Tochtergesellschaft Netto Marken-Discount werde alle 25.000 Mitarbeiter von Plus übernehmen und bis 2010 weitere 2500 neue Arbeitsplätze schaffen.
Tengelmann begrüßt Entscheidung des Kartellamts
Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub erklärte, das Unternehmen sei im Sinne seiner Mitarbeiter "froh, dass das Bundeskartellamt nach inzwischen mehr als sechs Monaten seine Entscheidung getroffen hat". Die Anzahl der zu verkaufenden Plus-Filialen sei "höher ausgefallen als erwartet". "Gespräche mit dem Ziel der wettbewerbs- und vor allem arbeitsplatzerhaltenden Veräußerung der Filialen haben wir bereits aufgenommen", betonte Haub. "Wir sind zuversichtlich, diese Bedingung innerhalb der vorgesehenen Zeit von sechs Monaten erfüllen zu können."