
21.02.2011, 08:34 Uhr | Financial Times Deutschland
Bild aus besseren Tagen: Hertie in Gronau 2007 (Foto imago) (Quelle: imago)
Für die ehemaligen Filialen der Warenhauskette finden sich keine Käufer. Sie gammeln vor sich hin - und sind ein Mahnmal der Branche.
"Willkommen! Ihr Genuss-Reich in Barmbek." Es riecht nach Erbrochenem, Reste davon hängen an der Fassade. Werbespruch und Wirklichkeit wirken wie eine Persiflage. Es ist fiese Realität: Noch immer prangt das Schild an der Treppe zum Untergeschoss, wo einst die Feinkostabteilung des Warenhauses Hertie frische Lebensmittel anbot. Doch Einkaufen können Passanten in dem Hamburger Stadtteil dort schon lange nicht mehr - so wie an vielen ehemaligen Hertie-Standorten. Auch für den Inhaber der Hertie-Immobilien ist das längst kein Genuss mehr.
Rund eineinhalb Jahre nach Schließung der letzten Hertie-Häuser zeigt sich, dass die Vermarktung der Immobilien nicht der erhoffte Selbstläufer ist. Seit August 2008 läuft der Verkauf bereits, doch noch immer stehen 39 von 64 Häusern leer. Dabei hatte der Eigentümer Mercatoria Acquisitions BV (MABV), der zu dem britischen Finanzinvestor Dawnay Day gehört, während des Insolvenzverfahrens versprochen, dass es eine große Zahl möglicher Investoren für die Immobilien gebe und man Hertie ruhig schließen könne. Nun zerfallen mehr als die Hälfte der ehemaligen Kaufhäuser in den Innenstädten von Gelsenkirchen, Görlitz oder Tuttlingen.
Der Vermarkter der Immobilien, BNP Paribas Real Estate in Berlin, will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich das auf absehbare Zeit noch ändert. Die Standorte seien in besten Lagen und in weiteren zwei Jahren könnten alle ehemaligen Hertie-Standorte verkauft sein, sagt Christoph Meyer, Leiter Retail-Investment des Immobilienberaters. Immerhin: Für den ein oder anderen Standort gibt es Interessenten. Ein paar Topstandorte gebe es noch und an denen seien sie auch interessiert, heißt es etwa bei einem Betreiber von Einkaufszentren, der namentlich nicht genannt werden will.
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Für den großen Rest wird es aber schwierig. Kenner der Immobilien- und Einzelhandelsbranche sehen einen Teil wegen ihrer Lage und Beschaffenheit als unverkäuflich an. "Es gibt einen Bodensatz, bei dem es sehr schwierig wird, ihn jemals zu verkaufen oder zu vermieten", sagt André Stark vom Immobilienmakler Lührmann. Der Vermittler hat sich auf Toplagen der Innenstädte spezialisiert.
Die ehemaligen Hertie-Standorte spielen für ihn nicht in dieser Liga. "Gerade in der Provinz wird es sehr schwierig. Es gibt ein geringes Kundenpotenzial", sagt Stark. Und Käufer gibt es nur, wo es auch potenzielle Mieter geben kann. "Große Ketten gehen entweder erst gar nicht in die kleineren Städte oder sind in der Regel schon längst dort", führt Stark aus. Branchenkenner schätzen die Zahl der unverkäuflichen Häuser auf 20 bis 25.
Ein finanzielles Desaster zeichnet sich für die Eigner der Immobilien ab. Gekauft hatte die MABV-Mutter Dawnay Day die Hertie-Häuser vom ehemaligen Arcandor-Konzern im Sommer 2005 nach damaligen Medienberichten für 500 Millionen Euro. Der Kaufpreis mit dem die Immobilien in den Büchern stehen, können die Eigentümer aber kaum wieder reinholen.
"Die hohen Buchwerte der Immobilien und die angesichts der Objektgegebenheiten vielerorts erforderlichen umfangreichen Investitionen bedingen ein ausgesprochen ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis", sagt Nina Hangebruch von der Hafencity Universität Hamburg, die über Entwicklungspotenziale ehemaliger Warenhausstandorte promoviert. Und da nur sehr wenige Häuser zumindest Zwischenmieter in Form von Sonderpostenmärkten aufweisen, bleiben auch Mietzahlungen aus. Zuvor konnte schon Hertie seit Mai 2008 keine Mieten mehr an MABV zahlen.
Bei den verkauften Häusern zumindest stimme der Erlös, berichtet Meyer vom Immobilienvermarkter BNP Paribas. Der erzielte Durchschnittspreis lag mit 809 Euro pro Quadratmeter Mietfläche zwar zwölf Prozent unter der Forderung der Verkäufer. Das sei jedoch ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis, heißt es bei BNP Paribas. Das räumt auch Jörg Ritter vom BNP-Mitbewerber Jones Lang LaSalle ein. "Die Standorte sind alle nicht die profitabelsten. Es ist schwierig, damit auf den Markt zu kommen", so Ritter. "Wenn die übrigen Häuser bis jetzt noch nicht veräußert sind, gibt es wohl zu dem geforderten Preis schlicht und ergreifend keine Nachfrage." Dabei werden diese Standorte mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 680 Euro bereits rund 30 Prozent günstiger angeboten als die bisher schon verkauften.
Hertie ist ein besonders tragischer Fall der deutschen Warenhauslandschaft, deren Niedergang schon vielfach proklamiert wurde. Kundenzahlen gehen zurück, Umsätze sinken. Der damalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist die Hertie-Häuser 2005 bei einer seiner Sanierungsrunden losgeworden. Im gleichen Jahr schlug er auch die Warenhauskette Sinn-Leffers und die Billigtextilkette Wehmeyer los. Alle mussten 2008 Insolvenz anmelden. Verkauft hatte Middelhoff auch die verbliebenen Karstadt-Immobilien.
Arcandor hielt den Betrieb aufrecht, zahlte aber fortan hohe Mieten. Schlussendlich trug auch dieses Geschäft nicht, Arcandor ging ebenfalls pleite. Nach einem dramatischen Insolvenzverfahren übernahm der US-Investors Nicolas Berggruen die Karstadt-Häuser im vergangenen Jahr. Details seines Zukunftsplans ist er bislang noch schuldig geblieben. Auch die Zukunft des Wettbewerbers Kaufhof ist offen. Eigentümer Metro hat bereits zwei Anläufe genommen, das Warenhausunternehmen zu verkaufen.
Was passiert, wenn eine Warenhauskette komplett zusammenbricht, lässt sich am Beispiel Hertie sehen. Bei einzelnen der noch leer stehenden Standorte gab es immerhin Interessenten. In Norddeutschland wollte der Flensburger Investor Hansekontor auf einen Schlag neun Häuser mieten. Das traditionelle Warenhauskonzept wollte er erhalten und neue Käuferschichten ansprechen. Doch die Verhandlungen scheiterten an der Finanzierung der 18-Millionen-Euro-Investition. Auch ein zweiter Versuch von der Buxtehuder AVW Immobilien scheiterte bislang. Sie betreibt in Bremerhaven ein Einkaufszentrum. An anderen Orten wie Remscheid oder Peine bewegte sich bislang gar nichts.
Chronik des Niedergangs |
3. August 2005 - KarstadtQuelle (später Arcandor) gibt 74 Filialen an ein Konsortium um den Finanzinvestor Dawnay Day ab. Sie werden unter dem Namen Hertie weitergeführt, der KarstadtQuelle seit dem Kauf des einstigen Konkurrenten gehörte. Mit 5000 Mitarbeitern erzielen die Häuser knapp 700 Millionen Euro Umsatz. |
31. Juli 2008 - Die neue Firma Hertie meldet Insolvenz an. Die Eigentümer beauftragen Atisreal (heute BNP Paribas Real Estate) mit dem Verkauf von 64 Immobilien. |
März 2009 - Die ersten 19 Filialen schließen. Sechs werden verkauft. |
20. Mai 2009 - Die Gläubigerversammlung beschließt das Aus des Warenhausunternehmens. Insolvenzverwalter Biner Bähr macht Dawnay Days überhöhte Mieten dafür verantwortlich. |
15. August 2009 - Die letzten 20 Filialen machen dicht, die letzten 2600 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Bis zu diesem Zeitpunkt vermeldete BNP Paribas weitere vier Verkäufe. |
22. September 2010 - Der Berliner Immobilienvermittler hat Abnehmer für 23 Häuser gefunden. Weitere zwei Häuser folgen später. Damit stehen heute noch immer 39 Häuser zum Verkauf. |
Quelle: Financial Times Deutschland
constantino schrieb:
am 20. Februar 2011 um 19:36:11
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Hertie / Arcandor
es ist schon erstaunlich, in welch kurzer Zeit dieser hochgelobte "Manager" Middelhoff die oben genannten
Firmen in den
Abgrund gemanagt hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft dieser Pfeiffe kräftig
auf die korrupten Finger haut!
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ich nnochmal schrieb:
am 20. Februar 2011 um 19:34:55
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warum herti?
warum macht herti oder die die häuser da verwalten nicht machbares draus billigere mieten wäre doch das beste wer zum geier
bezahlt den 680€?pro quadratmeter?....alleine das haus in barmeb da zahlt nicht mal mehr der letzte obdachlose n cent alleine die reinigungs arbeiten im und am haus würden locker die million erreichen vernümftige miet preise und die werden auch die schrotthäuser los
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dagobert trump schrieb:
am 20. Februar 2011 um 19:33:58
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hertie
logisch, die bruchbuden verfallen weiter und ploetzlich findet sich ein käufer, der den schrott für kleines geld mitnimmt....
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