18.02.2010, 13:19 Uhr | APD, oca, bab
Das Einkommen der vieler Bürger ist während der letzten 20 Jahre gesunken. Das geht aus dem "Stern"-Einkommens-Check hervor. Dessen Fazit: rechnet man die Inflationsrate in die Entwicklung von Löhnen und Gehälter mit ein, bekamen viele Bundesbürger 2008 deutlich weniger Brutto als noch 1990. Inflationsbereinigt verdienten Ärzte binnen 18 Jahren unterm Strich 50 Prozent weniger, können sich trotz der Halbierung ihrer Einnahmen jedoch immer noch über den Spitzenplatz im Einkommensranking freuen. Über deutlich mehr Geld können sich Grafiker und Designer freuen. Ihr Einkommen stieg laut "Stern" um 85 Prozent.
Das Hamburger Institut Statista untersuchte für den "Stern" die 100 gängigsten Berufe in Deutschland. Basis war der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern, Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 im Vergleich mit dem Jahr 2008. Eingerechnet wurde auch die Inflation, die im Vergleichszeitraum laut Bericht insgesamt 47 Prozent betrug. Während Ärzte trotz der Einbußen ihren Spitzenplatz behaupten konnten, gab es auf den nachfolgenden Rängen einige Veränderungen. So schoben sich bis 2008 Verwaltungsfachleute (höherer Dienst) auf den zweiten Platz der Topverdiener, 1990 standen sie noch auf Platz zehn. Geschäftsführer sind jetzt auf dem dritten Rang (vorher zwei). Für Unternehmensberater ging es einen Platz abwärts auf die Vier. Ebenfalls einen Rang hinuntergerutscht sind Anwälte auf Platz fünf.
Einen großen Sprung nach oben gelang Maklern: 2008 sind sie Sechster, 1990 nahmen sie in dem Ranking noch den Platz 29 ein. Hochschullehrer sind jetzt die Nummer sieben unter den Topverdienern (13), Bauingenieure auf Platz acht (15) und Architekten auf Rang neun (24). Maschinenbauingenieure dagegen sackten von Platz acht auf Zehn. Die Untersuchung der Gehälter basiert auf dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP), das zum Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gehört. Das SOEP befragt seit 1984 jedes Jahr mehr als 20.000 Personen in Deutschland, unter anderem zu den Einkommensverhältnissen. Herangezogen wurden zudem Untersuchungen zur Entwicklung der Tarifverträge und Daten des Statistischen Bundesamtes.
Die Untersuchung habe einige bemerkenswerte Trends ans Tageslicht befördert, schrieb der "Stern" weiter: "Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst konnten ihre Einkommen deutlich steigern - auch nach Abzug der Preissteigerung." Selbstständige hätten alle anderen Berufsgruppen überflügelt. Dennoch gebe es unter den Freiberuflern große Unterschiede, wie Claus Schäfer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dem Magazin sagte: "Etablierte Kanzleien verdienen sehr gut, während sich manche Berufseinsteiger mit Nebenjobs über Wasser halten - tagsüber Anwalt, abends Taxifahrer."
Ein weiterer Trend zeige sich auch mit Blick auf die Hierarchie, hieß es weiter: Angestellte mit Führungsaufgaben hätten ihre Gehälter deutlich steigern können, ihr Bruttoeinkommen sei inflationsbereinigt um 18 Prozent gestiegen. Und schließlich sei festzustellen, dass ältere Arbeitnehmer ihr Einkommen deutlich steigern und den Kaufkraftverlust der letzten Jahre mehr als ausgleichen konnten. Jüngeren Beschäftigten sei das nicht in dem Maße gelungen.
Untersucht wurden auch Sonderzahlungen, also etwa Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Immer weniger Arbeitnehmer erhalten laut "Stern" noch eine solche Zusatzleistung. "Dafür greifen die Arbeitgeber öfter zum Instrument der Gewinnbeteiligung." Die Folge: Wirtschaftet das Unternehmen gut, gibt es auch mehr Geld. In Krisenzeiten indes fällt die Prämie mager aus - oder sogar komplett weg. Die vollständige Übersicht aller Berufe und Gehälter findet sich der aktuellen Ausgabe des "Stern" (02/2010).
Quelle: t-online.de , dapd
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