Was vom Netto übrig bleibt, hängt von Bundesland und Lebensumständen ab (Foto: imago)Glücklich kann sich schätzen, wer als kinderloses Paar in Bayern lebt - es hat einer Studie zufolge am meisten vom Nettogehalt. Was wirklich vom Netto übrig bleibt, weicht je nach Bundesland und Lebensumständen teilweise gravierend voneinander ab. Das geht aus einer Studie zur Einkommenssituation der privaten Haushalte in Deutschland hervor. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen erstellte sie im Auftrag des Finanzdienstleisters AWD.
Überblick: Wo wie viel vom Netto übrig bleibt (Quelle: RWI/AWD)
Weniger als die Hälfte des Nettoeinkommens bleibt übrig
Durchschnittlich fließen den Haushalten in Deutschland monatlich 3471 Euro an Einkünften und Transferzahlungen zu. Davon bleiben nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben 2706 Euro netto. Davon zog das Institut nun die "nicht vermeidbaren Ausgaben" wie Miete, Möbel und Lebensmittel ab. Das Ergebnis: Den Haushalten bleiben im Durchschnitt noch 1345 Euro übrig, also weniger als die Hälfte des Nettoeinkommens.
Alleinerziehende trifft es am härtesten
Alleinerziehende in Thüringen sind der Studie zufolge besonders knapp bei Kasse: Nach dem Abzug der lebensnotwendigen Ausgaben wie Strom und Heizung bleiben ihnen im Durchschnitt 12,4 Prozent oder 197 Euro vom Nettoeinkommen zur freien Verfügung. Auch im bundesweiten Durchschnitt haben die Alleinerziehenden das Nachsehen: Sie haben nach Abzug aller Ausgaben nur noch 31 Prozent ihres Nettolohns - das sind 578 Euro - in der Tasche. Grafik: Netto-Einkommen nach Haushaltstyp (Quelle: RWI/AWD)
Paare ohne Nachwuchs können mehr als die Hälfte ausgeben
Auf der Sonnenseite stehen dagegen bundesweit Paare ohne Nachwuchs: Sie haben nach Steuern, Abgaben und unvermeidbaren Kosten wie Miete und Energie am meisten Geld übrig. Die lebensnotwendigen Ausgaben schlügen bei ihnen nur mit 46,8 Prozent zu Buche. Also bleiben ihnen rund 53 Prozent zum Ausgeben.
Den Bayern bleibt am meisten
Die Studie bestätigt die bereits bekannten Gefälle zwischen West und Ost sowie Süd und Nord: Den bayerischen Haushalten bleibt durchschnittlich 1631 Euro. Paaren, die ohne Kind in Bayern leben, können sogar knapp 58 Prozent vom Nettolohn ausgeben. Die Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern bilden mit 869 Euro das Schlusslicht im Vergleich der Bundesländer.
"Nicht auf Politik verlassen"
Nach den Worten des früheren Chefs der Wirtschaftsweisen und heutigen AWD-Chefökonomen Bert Rürup sollten sich die Haushalte nicht auf die Politik verlassen, um auf Dauer mehr vom Bruttoeinkommen zu haben: Spielräume gebe es zum Beispiel bei der Wahl von Versicherungen, des Telefonanbieters oder des Energieversorgers. Diese Optimierungsmöglichkeiten seien jedoch für Haushalte mit besonders knappem Nettoeinkommen begrenzt, räumte er ein.