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Einzelhandel: Noch mehr Fälle von Mitarbeiter-Bespitzelung

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Noch mehr Fälle von Mitarbeiter-Bespitzelung

16.04.2008, 18:11 Uhr | dpa-AFX / AFP / T-Online

Nicht nur Lidl überwachte Mitarbeiter (Foto: dpa) Nicht nur Lidl überwachte Mitarbeiter (Foto: dpa) Die gesetzeswidrige Überwachung von Mitarbeitern im Einzelhandel ist nach einem "Stern"-Bericht bei fast allen Handelsketten an der Tagesordnung. Das Magazin schreibt in der neuen Ausgabe unter Berufung auf 150 ihm vorliegende Protokolle, auch in Filialen der Discounter Penny, Netto und Norma sowie Rewe, Tegut, Hagebau oder Famila seien Mitarbeiter bespitzelt worden. Der Fall Lidl sei nur ein Beispiel von vielen. Der "Stern" hatte zuvor die Bespitzelungs-Fälle bei Lidl aufgedeckt und später auch von ähnlichen Praktiken bei Edeka und Plus berichtet.

Nach dem Lidl-Skandal - Welche Überwachung ist erlaubt?
Porträt - Lidl-Chef Dieter Schwarz

Liebeskummer, Scheidungen, Alkoholprobleme
Die Protokolle zeigten, dass die Detektive permanent gegen Gesetze verstoßen haben. Das heimliche Ausspähen von Mitarbeitern sei nur bei begründetem Verdacht einer Straftat erlaubt, schreibt der "Stern". Die Protokolle bewiesen aber, dass wahllos bespitzelt worden sei: "Private Beziehungen, Liebeskummer, Scheidungen, Alkoholprobleme, Krankheiten, arbeitslose Verwandte - für alles interessieren sich die Detektive." Das Magazin zitiert ausführlich aus den neuen Protokollen, so etwa über eine Penny-Markt-Mitarbeiterin: "Frau Z. ist mit allen Wassern gewaschen, was aus ihrer zurückliegenden Tätigkeit zu schließen ist. Frau Z. war Sekretärin beim KGB."

Bespitzelung - Beispiele aus den Spitzelprotokollen
Lidl-Skandal - Auszüge der Lidl-Protokolle

Rewe räumt Bespitzelung ein
Die Einzelhandelsunternehmen hätten in den meisten Fällen die Überwachung ihrer Mitarbeiter auf Anfrage nicht abgestritten, berichtet der "Stern". Die Handelsgruppe Rewe hat eine Überwachung von Mitarbeitern durch übereifrige Detektive in Filialen von Penny und Rewe eingeräumt. Detekteien, die zur Bekämpfung des Ladendiebstahls beauftragt wurden, seien in den Jahren 2003 bis 2005 bei ihrer Arbeit in die Privatsphäre von Mitarbeitern eingedrungen, sagte Sprecher Wolfram Schmuck . Es seien Protokolle angefertigt worden, in denen sich auch sehr private Anmerkungen zu Mitarbeitern befunden hätten. In welchen Filialen und in welchem Ausmaß dies geschah, sei noch nicht klar. Der Lebensmittel-Einzelhändler Edeka dagegen bestritt Vorwürfe, Beschäftigte in den Pausenräumen seiner Filialen überwacht zu haben.



Diebstahl-Überwachung wird es weiter geben
Der Kölner Handelsriese habe "nicht erst heute" eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um bei diesen Vorgängen Licht ins Dunkel zu bringen, betonte der Sprecher auf Anfrage. "Es gibt solche Fälle, aber das darf sich nicht wiederholen." Die Überwachung sei "aus der Region heraus gemacht", und nicht zentral von der Kölner Gruppe gesteuert worden. Es sei es ein mühsamer Prozess, nun in der Fläche herauszubekommen, wo es möglicherweise zu einem gesetzeswidrigen Vorgehen kam. Diebstahl-Überwachung werde es weiter geben. Das Unternehmen werde aber keine "gezielte Ausspitzelung" oder Verstöße gegen den Datenschutz zulassen und dagegen rigoros vorgehen

Bespitzelung ohne Auftrag?
Unterdessen sei nach Einschätzung des Branchenverbands HDE die Bespitzelung von Mitarbeitern im Einzelhandel vielfach von den Detekteien eigenmächtig und ohne Auftrag vorgenommen worden. "Es ist daher wenig überzeugend, wenn jetzt Protokolle von Detekteien herangeführt werden, die dafür keinen Auftrag hatten", sagte Sprecher Hubertus Pellengahr. Er reagierte damit auf einen Bericht des Magazins "Stern", wonach die gesetzeswidrige Überwachung von Mitarbeitern im Handel an der Tagesordnung ist.

Verband fordert Entwicklung von Standards
Dem HDE sei kein Fall bekannt, in dem diese Mitarbeiter-Informationen von den betroffenen Unternehmen genutzt wurden, sagte Pellengahr. Der Verband fordert die Entwicklung von Standards. Dabei sollte genau präzisiert werden, was Detekteien erkunden dürfen und was nicht.

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Quelle: t-online.de

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