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Mongolei plant erste Dollar-Anleihe überhaupt
09.02.2010, 19:03 Uhr | Financial Times Deutschland
Haupttempel "Magjid Janraisig" in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. (Foto: imago)Die Mongolei plant ihre erste Emission von Dollar-Anleihen. Gegen Ende des Jahres wolle das Land bis zu 1,2 Milliarden US-Dollar (siehe EURUSD) bei internationalen Investoren einsammeln, sagte Finanzminister Sangajav Bayartsogt der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Papiere sollten Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren haben und könnten Zinsen von acht bis elf Prozent abwerfen, sagte er.
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Schwellenländer sind beliebt
Damit wagt sich ein weiteres Schwellenland an den Kreditmarkt. Anleihen aus diesen Staaten sind bei Investoren zunehmend beliebt, weil sie vergleichsweise hohe Renditen bieten. Sie profitieren außerdem davon, dass Anleger Papiere aus Industriestaaten wie Griechenland oder Großbritannien aufgrund der wachsenden Verschuldung immer skeptischer betrachten. In den vergangenen Wochen hatten bereits Indonesien und die Philippinen erfolgreich in Dollar denominierte Anleihen begeben.
Mongolei will ihre Rohstoffschätze fördern
Die Mongolei will das frische Geld in den Ausbau der Infrastruktur stecken und so die Ausbeutung der enormen Rohstoffreserven des Landes anschieben. Die Vorkommen an Kohle und Metallen gehören zu den größten noch nicht erschlossenen der Welt. Ziel der Regierung ist es, den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern. Derzeit leben rund ein Drittel der Menschen dort unter der Armutsgrenze, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liegt bei knapp 2000 Dollar und damit niedriger als etwa in Kasachstan.
Gespräche mit 20 Banken laufen
Laut Bayartsogt spricht die Regierung derzeit mit rund zwanzig internationalen Investmentbanken über die Platzierung der Anleihen. "Diese erste Emission wird die Referenz für die Mongolei, daher müssen wir uns gut vorbereiten", sagte er. Bayartsogt sprach sich für die Ausgabe von Dollar-Anleihen aus, die Angebote von japanischen Banken für in Yen denominierte Papiere seien aber auch attraktiv.
"Speculative Grade" für Mongolei
Das angestrebte Zinsniveau würde deutlich über den sechs Prozent liegen, die Indonesien in diesem Jahr angeboten hat - obwohl beide die gleiche Bonitätsnote haben. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bewertet die Mongolei mit BB-, der drittbesten Note im sogenannten Speculative Grade, der auf ein höheres Risiko hindeutet.
Noch steht der IWF im Weg
Die Papiere können erst begeben werden, wenn im Oktober Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) auslaufen, die die Aufnahme von Staatsschulden begrenzen. Der IWF stützt die Mongolei mit einer Kreditfazilität von fast 170 Millionen Dollar.
Von der Krise gebeutelt
Das Land wurde von der globalen Krise hart getroffen. Vor allem der Einbruch des Kupfer-Preises im vergangenen Jahr machte der Mongolei zu schaffen. Hinzu kommen Probleme im Bankensystem. Die kaum beaufsichtigten Institute des Landes reichten jahrelang große Mengen an Krediten aus, die Verschuldung des privaten Sektors kletterte nach Schätzungen von S&P auf rund 50 Prozent des BIP. Mit der Krise wachsen die Risiken für die Banken - und die Staatsfinanzen. Eine Bank brach bereits 2008 zusammen.
Riesige Rohstoffprojekte
Nun will die Mongolei die bisher oft schleppend verlaufende Ausbeutung der Rohstoffvorkommen vorantreiben. Ausländische Investitionen von 25 Milliarden Dollar will das Land dazu über die kommenden fünf Jahre anlocken. Nach langem Ringen schloss die Regierung im vergangenen Oktober ein Abkommen mit den Minenkonzernen Rio Tinto und Ivanhoe Mines für das Gold- und Kupferprojekt Oyu Tolgoi, das 2013 starten soll. Es könnte laut Präsident Tsakhiagiin Elbegdorj Einnahmen von bis zu 50 Milliarden Dollar generieren. Bei dem ebenfalls enormen Kohleprojekt Tavan Tolgoi ist die Regierung allerdings noch nicht soweit. Sie hofft, einen internationalen Minenkonzern gewinnen zu können. Dieser soll allerdings keine Anteile erwerben dürfen. Die Regierung blies die geplante Auktion ab. So wolle sie sicherzustellen, dass die Bevölkerung von dem Projekt profitiere, hieß es. Tavan Tolgoi gilt als das größte noch unberührte Kokskohlevorkommen der Welt.
Quelle: Financial Times Deutschland