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Endress + Hauser: Was den Erfolg des schwäbischen Weltmarktführers ausmacht

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Schwäbischer Weltmarktführer: Was den Erfolg ausmacht

16.12.2010, 09:46 Uhr | FTD, Michael Sudahl

Während der Krise wurde bei Endress+Hauser in die Entwicklung investiert. (Foto: Endress+Hauser)

Während der Krise wurde bei Endress+Hauser in die Entwicklung investiert. (Foto: Endress+Hauser) (Quelle: Hersteller)

Was haben der Swimmingpool im Weißen Haus, eine Kupfermine in Chile und eine Brauerei in Basel gemeinsam? Sowohl im Baderaum des US-Präsidenten als auch im Bergbau und in der Bierproduktion steckt moderne Messtechnologie von Endress + Hauser Conducta.

Moderne Messtechnik aus Schwaben

Ganz in der Nähe von Stuttgart hat Endress + Hauser (E+H) Conducta die Zentrale. Das Unternehmen, das zur Schweizer E+H-Gruppe gehört, hat sich aufs Messen und Analysieren von Flüssigkeiten spezialisiert. Die Sensoren aus Schwaben liefern Messstellen weltweit die Daten, mit denen sich pH-Werte, Leitfähigkeit, Sauerstoff- oder Chlorgehalt, Trübungen und chemische Inhaltsstoffe exakt messen und nachweisen lassen. Wichtig ist das beispielsweise in der Lebensmittelindustrie.

Auf Genauigkeit kommt es an

Bierbrauer reinigen regelmäßig die Leitungen zu Maischpfanne und Läuterbottich, in denen das noch nicht fertige Bier fließt. Kleben in den Rohren Hopfenreste oder Spuren von Reinigungsmitteln, ist das frische Bier zwar nicht ungenießbar, aber verunreinigt. Ein späterer Verkauf somit verboten. Feststellen, ob alles in Ordnung ist, kann man, indem die elektrische Leitfähigkeit der Rohrinhalte gemessen wird. Verändert sich diese nur minimal, sind die Leitungen dreckig.

Brauereien und Kläranlagen: Strenge Kontrollen für alle

Mindestens so streng wie Brauereien den Gerstensaft überwachen, kontrollieren Kommunen die Kläranlagen. Dort stehen Kunststoffschränke mit computergesteuerten Probeentnahmesystemen. Diese überwachen das Trinkwasser und melden, wenn Parameter über- oder unterschritten werden. Ähnliche Messstellen finden sich in Schwimmbädern, dort prüfen sie den Chlorgehalt. Oder im Bergbau, wo Kumpel zum Abbau von Erzen mit Chemikalien hantieren. Auch hier werden Flüssigkeiten kontrolliert. Messtechniker prüfen, ob Mischverhältnisse stimmen oder die Metalle verunreinigt sind.

Endress+Hauser produzierte auch in der Krise weiter

Weil die Gesundheit von Menschen davon abhängt, ob Lebensmittel, Wasser und Chemieprodukte sauber sind oder exakt verarbeitet werden, sind die Auftragsbücher von E+H Conducta gut gefüllt. Nicht einmal die Wirtschaftskrise konnte Geschäftsführer Manfred Jagiella und seine 600 Mitarbeiter erschüttern. Als der Umsatz leicht zurückging, der Chef spricht von weniger als zehn Prozent, arbeitete keiner kurz. Entlassungen gab es ebenso wenig. Stattdessen verlagerte Jagiella freie Kapazitäten in Forschung und Entwicklung.

Investition in Forschung und Entwicklung

Überhaupt steht der 51 Jahre alte promovierte Ingenieur seit seinem Antritt vor dreieinhalb Jahren für eine verstärkte Innovationskraft. Mehr als 500 Patente, 40 davon allein im vorigen Jahr, meldete die Firma an. Auch der MX Award, den E+H Conducta in der Kategorie Produktinnovation erhalten hat, belegt, mit welchem Nachdruck die Schwaben an ihren Ideen schmieden. Der Preis würdigt, dass das Messtechnikunternehmen Sensoren und Transmitter entwickelt hat, mit denen unterschiedlichste Flüssigkeiten auf verschiedenste Werte analysiert werden können. Preiswürdig fanden die Juroren zudem, dass E+H Conducta nicht einfach ins Blaue hinein entwickelt, sondern die Anforderungen der Kunden über einen Beirat bündelt, der dann wiederum an der Produktentwicklung beteiligt wird.

Kunden an der Entwicklung beteiligen

"Moderne Analysesysteme müssen heute einfach zu kalibrieren sein", erläutert Firmenchef Jagiella: "Darüber hinaus muss es möglich sein, gemessene Informationen an ein Datenmanagementsystem anzubinden." Konkret bedeutet das: Wenn früher ein Sensor gereinigt oder frisch eingestellt werden musste, reisten Serviceteams zum Kunden; stiegen dort zur Messanlage hinauf oder hinab und kümmerten sich ums defekte Bauteil. Durch den Einsatz der neuartigen Sensoren, E+H Conducta nennt sie Memosens, können Anwender inzwischen eigenständig die Sensoren austauschen.

Branchenweit Meilenstein gesetzt

Das ist möglich, weil ein Messumformer, an den sie angeschlossen sind, selbstständig die zugehörige Software lädt. "Mit dieser Plug-and-play-Lösung haben wir branchenweit einen Meilenstein gesetzt", stellt Jagiella fest. Zum einen spart der mühelose Austausch schlicht Wartungskosten, zum anderen ist die Herstellung der Messgeräte dank Plattformtechnologie heute deutlich flexibler. Statt für jeden Messauftrag ein eigenes Gerät zu entwickeln, ist die Hardware der Geräte im Jahr 2010 identisch. Und die individuell aufgespielte Software definiert, was wann wo wie oft gemessen wird.

Produktion in Gerlingen

Produziert werden die intelligenten Messmaschinen im Gerlinger Werk. Dort steckt eine zu 90 Prozent automatisierte Fertigungsstraße exakt nach Kundenauftrag die jeweiligen Messmodule zusammen. Bis zu acht Sensoren liefern an ihren Transmitter Daten und Werte. Verpackt und mit einem Bedienhandbuch in der Landessprache des Bestellers ausgestattet, geht jede Messstation dann auf Reisen. Produzieren auf Lager ist ausgeschlossen.

Absatzmärkte sind Deutschland, China, USA

Wichtigster Absatzmarkt ist Deutschland, gefolgt von China und den USA. Dass die Geschäfte gut laufen, zeigt das Unternehmen. Eine Fertigungshalle mit Entwicklungsabteilung und angegliederten Büros für Verwaltung und Marketing strahlt dank Glasfassade an der Gerlinger Dieselstraße. Kosten: 15 Millionen Euro; allerdings intelligent verbaut. Als Elektrotechniker und Maschinenbauer legt Jagiella Wert auf Nachhaltigkeit. Ein eigenes Blockheizkraftwerk liefert Energie und dient als Notstromaggregat. Das Firmendach ist begrünt. Und unter dem Fundament sorgen vier Betonröhren dafür, dass Erdwärme angesaugte Luft fürs richtige Raumklima vortemperiert.

Pfiffige Suche nach Personal

"Arbeit muss nicht nur erfolgreich sein, sondern auch Spaß machen", sagt der Chef. Um die besten Leute zu finden und schließlich auch zu halten, lässt sich die Personalabteilung einiges einfallen. Weil die Konkurrenz um Fachkräfte mit Porsche im Nachbarort Zuffenhausen und Bosch in Gerlingen direkt vor der Tür sitzt, sendet E+H Conducta schon mal einen pfiffigen Radiospot über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit der Botschaft: Junge Ingenieure gesucht. Oder achtet beim Neubau darauf, dass die Betriebskantine nicht im Keller verschwindet, sondern "als lichtdurchflutetes Filetstück im Gebäude beheimatet" ist, wie es heißt.

Das Kümmern zahlt sich aus

Das Kümmern zahlt sich offensichtlich aus. Als mit den neuartigen Sensoren vor knapp zwei Jahren eine umfangreiche Produktwelle in den Markt geschoben wurde, stand das miteinander Reden im Mittelpunkt. Anfangs wöchentlich und später täglich gab es morgens um sieben Uhr Meetings, berichtet Jagiella. Kollegen aus Produktion, Entwicklung, Produktmanagement und Vertrieb trafen sich mit dem einen Ziel - jeden noch so kleinen Störfaktor auszuschalten. Denn jeder Fehler, der sich in der Entwicklung über die Herstellung bis zum Kunden fortpflanzt, verschlingt Geld. Je früher er erkannt und abgestellt wird, desto besser.

Preisgekrönter Entwicklungsprozess

Dieser Ansicht ist auch die Jury des MX Awards. Weil E+H Conducta einen sogenannten Stage-Gate-Prozess von der Idee bis zur Serienreife und Markteinführung verfolgt, laufen Investitionskosten und Zeitlimits nicht aus dem Ruder. In der Ergebnispräsentation des Awards liest sich das dann so: "In der Produktentwicklung sichert die simultane Entwicklung von Produkt und Prozess sowie die Anwendung der Plattformstrategie eine effiziente Integration neuer Produkte in die bestehenden Abläufe sowie deren Weiterentwicklung." Der US-Präsident, die Bergbaukumpel und die Brauer wissen das sicherlich zu schätzen.


Quelle: Financial Times Deutschland

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