vom Thu Oct 22 12:21:27 CEST 2009 | aktualisiert am Thu Oct 29 09:54:54 CET 2009 | Financial Times Deutschland
Der Energieausweis dokumentiert die Energieeffizienz von Gebäuden (Foto: imago) Gleich zweimal wurde in diesem Jahr ein Energiepass eingeführt. Doch Kritiker bemängeln: In dem Ausweis fehlen wichtige Informationen. #
Gut ein halbes Jahr nach Einführung des Energieausweises lag für fast 60 Prozent der vermieteten Wohngebäude ein solches Dokument vor. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur Dena unter Vermietern von Wohngebäuden. Die Agentur hatte den Prototyp für einen bundesweit einheitlichen Energieausweis entwickelt und getestet.
Seit Januar 2009 ist das Dokument für Wohngebäude Pflicht, ob neu gebaut oder als bereits bestehende Immobilie, die verkauft oder vermietet werden soll. Zur Jahresmitte wurde diese Pflicht auf öffentliche Gebäude ausgedehnt. Nach Dena-Erkenntnissen besitzen inzwischen 25 Prozent einen Energieausweis. "Mehr Transparenz beim Energieverbrauch in Gebäuden und wichtige Impulse für Investitionen in Modernisierung", das verspricht sich Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler von dem Projekt.
"Weil die meisten Wohngebäude vor irgendwelchen Wärmeschutzverordnungen gebaut wurden, lässt sich in fast jedem dieser Gebäude rund 60 Prozent an Energie einsparen", so Martin Kutschka. Die meiste Wärme gehe durch die Außendämmung, das Dach und Fenster verloren, weiß der Vorsitzende vom Deutschen Energieberater-Netzwerk.
Der Verein ist ein Zusammenschluss von knapp 600 Architekten, Ingenieuren und Technikern. Sie bieten Beratungs- und Planungsleistungen zum energiesparenden Bauen und Modernisieren an. "Den erhofften Modernisierungseffekt hat der Energieausweis nicht gebracht, denn er sagt nichts aus über Einsparpotenziale und auch nichts über die notwendigen Kosten dafür", kritisiert Kutschka.
Im Wesentlichen stehe im Energieausweis nur ein Wert: die Energiekennzahl. Und die berechnet sich aus dem Energieverbrauch in Kilowatt durch die beheizbare Wohnfläche. "Der Ausweis hat mit der Realität nichts zu tun, weil er weder Dach noch Heizung oder andere Möglichkeiten der Energieeinsparung berücksichtigt", so Kutschka. Wenn der Ausweis mit Umweltgesetzen verknüpft wäre, dann würde das Dokument Sinn machen, und es wäre nicht nur bunt bedrucktes Papier.
Der Farbverlauf von "grün" bis "rot" im Ausweis soll auf den ersten Blick zeigen, ob es sich bei dem Gebäude um einen Energiefresser oder ein energieeffizientes Gebäude handelt. Den Ausweis gibt es in zwei Varianten: den verbrauchs- und den bedarfsorientierten. Grundlage für den Verbrauchsausweis sind die Heizkostenabrechungen der vergangenen drei Jahre, das Ergebnis ist deshalb vom individuellen Verhalten der Bewohner abhängig.
Dem Bedarfsausweis liegt eine technische Analyse des Gebäudes zugrunde. Dazu wird der Zustand von Dach, Wänden, Fenster und Heizung unter die Lupe genommen. Ob jemand viel oder wenig heizt, spielt in dieser Variante keine Rolle. Beide Ausweise enthalten Empfehlungen für Sanierungsmaßnahmen, mit denen der Energiebedarf des Gebäudes gesenkt werden kann.
Doch hier fehlt nach Meinung von Kutschka eben die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: Was kostet die Sanierung, was bringt sie am Ende wirklich? "Energieausweise gibt es in unterschiedlicher Qualität", mahnt die Dena. Je genauer die Datenerfassung sei, umso präziser ist schließlich die Einschätzung des energetischen Zustands im Ausweis. "Es ist ein ganz großes Problem, dass ganz viele unterschiedliche Gruppen einen Energieausweis ausstellen dürfen, vom Architekten bis hin zum Schornsteinfeger", sagt Kutschka.
Financial Times Deutschland
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