
27.07.2011, 11:28 Uhr | Financial Times Deutschland
Verbraucher, die Energiesparlampen kaufen, bekommen das gute Öko-Gewissen gratis dazu. Problematisch sind Sparlampen aber, wenn sie kaputt gehen. Nur ein Bruchteil der verbrauchten wird richtig entsorgt.
"Wie viele kaputte Energiesparlampen passen in eine leere Ein-Liter-Milchtüte, die man dann im gelben Sack entsorgt?", fragt ein Forennutzer im Internet. Eine Antwort: "Nicht mehr funktionsfähige mindestens vier, zerklopft viele." Die Sparleuchten so zu entsorgen ist gefährlich und illegal. Sie enthalten giftiges Quecksilber.
Dennoch: Nur zehn Prozent der Energiesparlampen aus privaten Haushalten werden richtig entsorgt, so schätzt die Deutsche Umwelthilfe. Das Problem wächst, weil die Alternativmöglichkeiten schwinden: Stufenweise wird seit 2009 die alte Glühbirne aus dem Handel verbannt - die durfte noch in den Hausmüll. Ab dem 1. September muss auch das gängige 60-Watt-Modell weichen.
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Kompaktleuchtstofflampen, die durch geringen Verbrauch die Umwelt schonen sollen, werden zu kleinen Giftbomben, wenn sie zerbrechen. Außerdem gehen Rohstoffe wie Glas und Metall verloren, wenn sie in den normalen Müll gelangen. Die Umweltfreundlichkeit wird damit untergraben. Doch die korrekte Entsorgung ist in Deutschland kompliziert: Anders als bei Batterien ist der Handel nicht verpflichtet, ausgediente Sparleuchten zurückzunehmen. Und Kommunen müssen den Elektroschott zwar sammeln, die Umsetzung ist aber sehr unterschiedlich. Teilweise müssten Bürger weite Strecken zum Wertstoffhof und "schikanöse Öffnungszeiten" in Kauf nehmen, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe.
Sie fordert, den Handel in die Pflicht zu nehmen. Der aber wehrt sich: Bei der Rücknahme im Geschäft bestehe eine erhöhte Gefährdung von Mitarbeitern und Kunden, sagt ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland, zu leicht könnten die Lampen zerbrechen.
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Einige Geschäfte tun es allerdings freiwillig. Bundesweit organisiert Lightcycle, ein Gemeinschaftsunternehmen von mehr als 80 Leuchtmittelherstellern, Sammlungen im Einzelhandel. Die Zahl der Annahmestellen stieg jüngst von 3100 auf mehr als 5300, weil die Drogeriekette DM jetzt in allen Filialen sammelt.
Bedenken hat die Kette nicht: "Gebrauchte Energiesparlampen und LED-Lampen können im DM-Markt ohne Verpackung in den dafür vorgesehenen Karton wie in einen Eierkarton einsortiert werden", sagt DM-Geschäftsführer Erich Harsch. "Und unsere Mitarbeiter wurden vor Beginn des Projekts über den richtigen Umgang mit den Altlampen informiert."
Dass der Handel überhaupt eine Wahl hat, liegt an einem Schlupfloch: Die EU-Richtlinie zur Entsorgung von Elektrogeräten sieht eigentlich vor, dass Händler für ein Produkt, das sie verkaufen, auch dasselbe Produkt vom Kunden zurücknehmen müssen. "Wenn EU-Länder aber dafür sorgen, dass die Rückgabe für den Verbraucher nicht erschwert wird, müssen die Händler nicht verpflichtet werden", sagt Karl-Heinz Florenz (CDU), Mitglied des Umweltausschusses im Europäischen Parlament.
Und genau diesen Interpretationsspielraum nutzt Deutschland. Christiane Schnepel, Fachgebietsleiterin für Produktverantwortung beim Umweltbundesamt, sagt, dass die Behörde keinen Anlass sah, die Händler zu zwingen. Denn es habe schon "sehr etablierte Erfassungswege gegeben, die wollten wir nicht zerstören".
Doch mit dieser Auslegung könnte bald Schluss sein: Die EU-Richtlinie zur Entsorgung von Elektrokleinstgeräten, zu denen auch die Energiesparlampe zählt, wird überarbeitet. Im Februar stimmte das Europaparlament in erster Lesung mit großer Mehrheit für einen Vorschlag, der keine Ausnahmen mehr erlaubt.
"Die Händler laufen Sturm dagegen, vor allem aus Deutschland und Österreich", sagt Florenz, der Berichterstatter für die Novelle. Dabei hätten andere EU-Länder mit der Verpflichtung sehr positive Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel Norwegen: Dort werde europaweit der meiste Elektroschrott gesammelt, "und die norwegischen Händler sind nicht pleitegegangen".
Quelle: Financial Times Deutschland
Martina Tratz schrieb:
am 27. Juli 2011 um 20:50:13
(5)
(0)
Von der Sparlampe zur Ökosünde
Die Einwände des Handels wegen der Rücknahme halte ich für eine Ausrede.
Der Handel muss dazu
verpflichtet werden, besonders weil sich in der Praxis zeigt, wie wenige Lampen ordnungsgemäß entsorgt werden. Oft ist die nächte Sammelstelle km entfernt, und für viele Senioren oder Leute ohne Autoist es kaum möglich, dorthin zu kommen, zumindest ohne mehrere Euro an Fahrtkosten, was verständlicherweise kaum Jemand einsieht. Die Sparlampen halten absolut nicht, was uns Verbrauchern versprochen wurde!
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Horst schrieb:
am 27. Juli 2011 um 20:47:14
(3)
(1)
Sparlampe
Ich hatte eine defekte Sparlampe und habe die Stadt angerufen, bezüglich Entsorgung.Mir wurde gesagt, ich könne sie vorbei
bringen.
Ich versuchte dem Mitarbeiter klar zu machen, daß dies für mich heisst, früher in der Firma feierabend zu machen ( Öffnungszeiten ) und 15 Km Anfahrt kosten würde.Ich machte den Vorschlag, daß man die Lampe bei mir abholen kann, was abgelehnt wurde.
Daraufhin teilte ich dem Mitarbeiter mit, ich entsorge sie entweder im Hausmüll oder sie wird abgeholt.
im Hausmüll
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HS schrieb:
am 27. Juli 2011 um 20:34:30
(7)
(0)
Energiesparlampen
Hoffentlich zeigt mal jemand die Industrie und Politik wegen Betrugs an. Was der Verbraucher hier für fehlerhafte,
hochgiftige Produkte zu völlig überteuerten Preisen zum Kaufen angeboten bekommt ist unvorstellbar! Und der Handel macht natürlich auch mit. Ohne Not werden seit einiger Zeit auch die 60W Birnen schon nicht mehr verkauft, obwohl diese noch nicht verboten sind. Wir will schon eine Birne für 1 € verkaufen, wenn er auch eine für 6 € verkaufen kann.
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