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Energieversorgung: Strompreis seit 2000 um 50 Prozent gestiegen

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Strompreis seit 2000 um 50 Prozent gestiegen

28.12.2007, 13:03 Uhr | dpa / AFP / bab

Steckdose und Glühbirne (Foto: dpa) Steckdose und Glühbirne (Foto: dpa) Mit dem Strom ist das so eine Sache. Er ist teuer, soviel steht fest, und die Schuldigen für diesen Umstand sind schnell ausgemacht: die großen Stromkonzerne, die Verbraucher mit ihren ständigen Preiserhöhungen langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben. Soweit zumindest der bekannte Teil der Rechnung, denn einen großen Anteil an den explodierenden Kosten hat der Staat, was sich die Politik nun in einer selbst in Auftrag gegebenen Studie noch einmal hat ausführlich bestätigen lassen.

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Staatsanteil bei 40 Prozent
Laut den Ergebnissen einer Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen, die der „Welt“ vorliegt, sind die Preise für Haushaltsstrom zwischen 2000 und 2006 in Deutschland um 50 Prozent gestiegen. Elektrizität für Industrie und Gewerbe wurde sogar bis zu 77 Prozent teurer. Als weiteres Ergebnis zieht Autor Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes jedoch das Fazit, dass die Strompreise heute noch unter dem Niveau von 1998 liegen würden, wenn sich Steuern und staatliche Abgaben auf den Strompreis inzwischen nicht auf mehr als 40 Prozent erhöht und damit mehr als verdoppelt hätten. Im Durchschnitt zahlen Privatkunden in Deutschland 21,03 Cent pro Kilowattstunde und liegen damit europaweit im oberen Drittel.



Position der Versorger gestärkt
Die Ergebnisse der Studie stärken die Position der Elektrizitätswirtschaft, die seit langem den hohen Staatsanteil als einen der wesentlichen Faktoren für den hohen Strompreis kritisiert. Bereits im August dieses Jahres hat der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW, vorm. VDEW) eine Modellrechnung veröffentlicht, in der alle Abgaben aufgeschlüsselt sind. Demnach entfallen von monatlich 60,20 Euro für einen Stromverbrauch von rund 3500kw/h pro Jahr insgesamt 9,16 Euro auf die Mehrwertsteuer, 5,97 Euro auf die Stromsteuer, sowie 3,70 Euro auf Kraftwärmekopplungs- (KWK) und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dazu kommen noch einmal 5,20 Konzessionsabgaben, die Versorger an Städte und Gemeinden abführen müssen. Alle Posten zusammen belasten Verbraucher laut BDEW im Jahr 2007 mit 13,4 Milliarden Euro gegenüber 2,3 Milliarden Euro im Jahr 1998.

Mehr zu den Themen Konzessionsabgabe, EEG und KWK erfahren Sie mit einem Doppelklick auf den jeweiligen Begriff 

Höhn: "Auf Kosten der Verbraucher Kasse gemacht“
Den Zahlen entgegen hält die Politik seit Jahren die steigenden Profite der Energieversorger. Seit 2002 konnten die vier Großen der Branche – E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall – laut den Ergebnissen der Studie ihre jährlichen Gewinne vor Steuern um insgesamt zwölf Milliarden Euro erhöhen. Ein Ergebnis, das die Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn zu deutlicher Kritik nutzt: "Da wurde auf Kosten der Verbraucher richtig Kasse gemacht", sagte sie der "Welt". Höhne kritisierte zudem, dass die großen Energieversorger, aber auch die kommunalen Stadtwerke derzeit jährlich allein 20 bis 22 Milliarden Euro Netznutzungsentgelte einnehmen, aber nur drei Milliarden Euro in den Ausbau der Netze investieren.

Glos droht mit Kartellamt
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, diese Preissteigerungen seien «nur teilweise» zu rechtfertigen. Glos sagte zudem, wenn die Strompreise stiegen und die großen Energieversorger gleichzeitig Rekordgewinne einführen, "sorgt das für berechtigten Unmut bei vielen Verbrauchern". Die Verbraucher müssten vor "unangemessenen Energiepreisen" geschützt werden. Dies sei durch eine Gesetzesänderung möglich, die der Bundestag im November beschlossen habe. Das Gesetz erlaubt seither dem Bundeskartellamt, die Preise der Stromanbieter zu prüfen und notfalls zu senken. Konkurrenten der großen Energieversorger rief Glos auf, neue Kraftwerke zu bauen: "Wir brauchen neue Kraftwerke, vor allem von neuen Anbietern. Das fördert den Wettbewerb."

Milliardengewinne, Milliardeninvestitionen
Auf wenig Verständnis stößt solche Kritik bei den Versorgern, die in ihren Geschäftsberichten neben Milliardengewinnen auch regelmäßig Milliardeninvestitionen ausweisen. Zumindest auf dem Papier. Laut Plan will allein RWE bis zum Jahr 2012 bis zu 25 Milliarden Euro in den Ausbau des Strom- und Gasnetzes investieren, von denen alleine 2,2 Milliarden in das neue Steinkohlekraftwerk bei Grevenbroich fließen. Ähnlich sieht es beim Konkurrent  E.ON aus, der gerade für 1,2 Milliarden Euro den weltweit größten Monoblock für Steinkohle aus dem Boden stampft. Fürwahr nicht sehr klimafreundlich, doch E.ON macht nicht nur mit dem Prestige-Projekt in Datteln Schlagzeilen, sondern auch mit den Plänen für ein hochmodernes Gezeitenkraftwerk, das im Rahmen eines 4,4 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramms für Erneuerbare Energien gebaut werden soll. Investiert wird also, wenn auch nicht zwingend in den von den Grünen kritisierten Bereichen. Die Gewinne der beiden Versorger betrugen im Jahr 2006 laut Geschäftsbericht 3,85 (RWE) und 5,1 (E.ON) Milliarden Euro.

Investitionen bleiben Streitpunkt
Zusammengerechnet beträgt die Summe der angekündigten Investition der Energiebranche bis zum, Jahr 2020 sagenhafte 80 Milliarden Euro, allerdings zweifeln Fachleute an der Nachhaltigkeit der Ankündigungen. Die Bundesnetzagentur warnte Mitte des Jahres vor einer zu knappen Stromversorgung und verwies konkret auf fehlende Kraftwerksbauten. Noch deutlicher wurde der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Nach Ansicht von Energie-Experte Holger Krawinkel sind die realen Investitionen der Strombranche von früher vier Milliarden Euro pro Jahr auf mittlerweile nur noch zwei Milliarden Euro pro Jahr gesunken. In welchem Umfang die Konzerne ihren Ankündigungen auch wirklich neue Projekte folgen lassen, müssen die Geschäftsberichte der kommenden Jahre zeigen. Und genau hier will Grünen-Fraktionschefin Höhn ansetzen. Um mehr Transparenz zu schaffen, sollen Konzerne nach den Vorstellungen der Politikerin zukünftig nicht nur das Gesamtergebnis ausweisen, sondern die Gewinne und Investitionen in den einzelnen Sparten


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Quelle: t-online.de

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