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Engpass bei Zulieferer von Audi und Porsche

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Engpass bei Zulieferer von Audi und Porsche

15.06.2010, 07:47 Uhr | Financial Times Deutschland

Harman Becker ist einer der größten deutschen Zulieferer (Foto: dpa)

Harman Becker ist einer der größten deutschen Zulieferer (Foto: dpa)

Der Audiosystemhersteller Harman Becker kämpft mit Lieferproblemen. Zu den betroffenen Kunden gehören die Autobauer Audi und Porsche. Sprecher der beiden Autohersteller bestätigten entsprechende Informationen.

Einen Stillstand in der Fertigung konnten die Unternehmen jedoch abwenden. Harman Becker rüstet vor allem teure Autos mit hochwertigen Radios und Audiosystemen aus. Eine Ursache der Lieferprobleme ist der Mangel an Mikrochips, die oft zu spät in den Fabriken eintreffen. Beschäftigte von Harman Becker machen aber auch den durch die US-Mutter diktierten Sparkurs für den Missstand verantwortlich. So seien die Vorlaufzeiten in der Produktion gekürzt worden, Engpässe könnten kaum mehr abgefedert werden. "Der Betrieb läuft auf des Messers Schneide", heißt es in Arbeitnehmerkreisen.

Panamera und Cayenne betroffen

Bei den für Audi produzierten Geräten wurden die Displays knapp. Die kleinen Bildschirme sind Bestandteil von Systemen, die der Ingolstädter Autokonzern von Harman Becker bezieht. Bei Porsche  war das Werk Leipzig betroffen, wo die Modelle Panamera und Cayenne vom Band laufen. "Wir konnten das Thema gemeinsam mit Harman Becker lösen", sagte ein Porsche-Sprecher.

Einer der größten Autozulieferer

Harman Becker gehört mit einem Umsatz von rund 2 Milliarden Euro zu den großen deutschen Autozulieferern. Wichtigste Kunden sind BMW , Volkswagen , Audi und Daimler. Sie allein bringen dem Unternehmen rund 40 Prozent des Geschäfts. Zu den bekannten Marken des Zulieferers zählen außer Becker auch Harman Kardon, Infinity und JBL. Das heutige Unternehmen ist aus der Nobelfirma Becker mit Sitz im badischen Karlsbad hervorgegangen. Die Firma belieferte nach dem Krieg vor allem Mercedes mit exklusiven Radios. Als Becker vor 15 Jahren vor dem Aus stand, kaufte der US-Konzern Harman den Betrieb und verschaffte sich so ein Standbein in der Autozulieferbranche.

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Becker führt Schattendasein

Das neue Unternehmen spielte zunächst Traumrenditen ein. Die Tochter wirft seit Jahren zwei Drittel des Konzernumsatzes ab. Die beiden anderen Sparten des US-Mutterkonzerns bieten Hifi- und Videoanlagen für den Privatgebrauch an sowie Lautsprecher und IT-Bedarf für professionelle Anwender. In der Öffentlichkeit führt die Marke Becker heute allerdings ein Schattendasein. Grund: Die Autohersteller bauen Radios inzwischen unter eigenem Namen ein. Entsprechend stiefmütterlich geht Harman mit der Traditionsmarke um. Der Name erscheint nur noch auf einer Reihe mobiler Navigationsgeräte. Diesen Bereich verkaufte Harman im Januar jedoch an den Landkartenanbieter Falk.

Kosten sollen sinken

Eine neue Ära brach auch für Becker an, als sich Firmenpatriarch Sidney Harman mit über 90 Jahren aus der Konzernspitze des US-Unternehmens zurückzog. Ihm folgte vor zwei Jahren Dinesh Paliwal. Der 52-jährige Manager landete im Zuge einer gescheiterten Übernahme durch den Investor KKR auf dem Chefsessel von Harman. Paliwals Ziel ist die Rückkehr zu Renditen in zweistelliger Höhe. Bis 2011 sollen deshalb die jährlichen Kosten um 400 Millionen Euro sinken. Um das zu erreichen, verlegt Paliwal Teile der Produktion von Deutschland nach Ungarn und China. Bis Ende des Jahres sollen von ehemals 3800 Stellen in Deutschland 950 weggefallen sein.

Becker verspricht dauerhafte Präsenz

Immer mehr Becker-Technik wird in Asien entwickelt, was die deutschen Autobauer besorgt: Die Ingenieure wünschen sich Ansprechpartner in der Nähe. Ein Harman-Sprecher besänftigte: "Wir werden auf jeden Fall weiterhin eine starke Präsenz vor Ort haben."

Der Umbau des Unternehmens verläuft holprig

Der Umbau des Unternehmens verläuft allerdings holprig. "Die Stimmung ist im Keller", so ein Ingenieur. Dazu trägt bei, dass Konzernchef Paliwal seinen Mitarbeitern eine Rosskur verordnet hat und gleichzeitig laut US-Zeitschrift Forbes zu den bestbezahlten US-Unternehmensbossen zählt. Ein deutscher Manager fürchtet als Folge des Sparkurses weitere Engpässe in der Produktion. Der Harman-Sprecher räumte Schwierigkeiten ein, wies aber einen Zusammenhang mit dem Konzernumbau zurück.

Becker-Firmenchef musste gehen

Erst im April musste Becker-Firmenchef Klaus Blickle gehen. Er habe sich mit Paliwal wegen des Sparkurses überworfen, heißt es. Der US-Manager muss rasch Erfolge vorweisen: Als er im April ein unerwartet niedriges Renditeziel setzte, rutschte der Harman-Aktienkurs um 20 Prozent ab. Seitdem hat sich die Aktie nicht wieder erholt.


Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (7)

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Thema: "Engpass bei Zulieferer von Audi und Porsche"

Dr, Dampf schrieb: am 15. Juni 2010 um 00:23:39
(0) (0) outsourcen
Outsourcen ist das Motto und Kosten senken, Dieses hier aufgezeigte Denken kann man abkürzen, Kunden-Outsourcing!! Liebe Audi
und Porsches, kommt Ihr Euch schon outgesourct vor?? soll ich das Autofahren geniessen oder die Musik? Passt eigentlich der Preis für so einen Konzertsaal in die heutige Zeit? Der Satz heisst doch wohl: Ich fahre mit dem Auto zum Konzert.
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tierfuss schrieb: am 14. Juni 2010 um 17:41:38
(0) (0) kaputt sparen
Dort, wo die Produktion teuer ist, ist leider(?) auch der Markt für Spitzenprodukte. Verlagert ruhig alles in
Billiglohnländer, dann wird sich am Ende keiner mehr Hochpreisige Ware leisten können oder wollen. Und was macht ihr dann mit der Produktion? Woher kommen dann die Managergehälter? Schon mal daran gedacht? Wohl kaum, noch gibt es ja genug auszubeuten....
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Johann Schmidt schrieb: am 14. Juni 2010 um 16:29:46
(0) (0) Becker Rundfunkgeräte
Heute hohe Rendite; Rendite-Bonus, Abschiedsbonus und lebenslange Firmenrente sichern. In drei Jahre bin ich weg. Was
interessiert mich fremde Menschen? Freie Marktwirtschaft, Kapitalismus, Globalisierung: die deutsche Regierung und die SPD und Grüne sind auch dafür. Wo ist das Problem?
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