07.04.2011, 10:46 Uhr | dpa, ciw
Erfindermesse Genf 2011: Martin Ecker mit seinem Tragfix. (Foto: Erfindermesse Genf)
Tragehilfen für offene Säcke, Rettungswesten gegen Herzstillstand oder ein Einer-Tandem: Auf der Erfindermesse in Genf präsentieren Tüftler aus 45 Ländern ihre Geistesblitze. Auch deutsche Erfinder sind darunter. Wir stellen Ihnen einige der Innovationen - hilfreich, skurril bis ziemlich schräg - in unserer Foto-Show vor.
Eigentlich ist Martin Ecker Handwerker, etwas von Daniel Düsentrieb steckt aber offensichtlich auch in ihm. Denn er ist der Vater von „Ecker´s Tragfix“ - einer Verschluss-, Trage- und Lagerhilfe für geöffnete Säcke, die er sich sogar patentieren ließ. Mit Tragfix lassen sich bereits geöffnete Säcke geschickt wieder verschließen und transportieren.
Ganz neu ist seine Erfindung allerdings nicht. Immerhin brachte ihm seine Idee den Bundespreis 2008 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk ein. In Genf ist Ecker aber dennoch dabei, um seine Erfindung unter die Leute zu bringen - auch, wenn es sie mittlerweile für Handwerker und andere, die Säcke schleppen müssen, im Baumarkt zu kaufen gibt.
Wolfgang Oestreich aus Köln ist noch nicht so weit. Seine mit seinem Partner entwickelte Rettungsweste ist so speziell, dass der promovierte Mediziner die Hilfe von Forschungsinstituten oder Firmen sucht, um sie serienreif zu machen. Immerhin geht es um etwa 100.000 Menschenleben im Jahr, die in Deutschland zu beklagen sind, weil ein plötzlicher Herztod eintritt. "Wir könnten viele dieser Leben retten, wenn sich unser Produkt durchsetzt", davon ist Oestreich überzeugt.
Denn viele Menschen tragen implantierte Schockgeber, Defibrillatoren, die elektrische Schläge abgeben, um das gefährliche Kammerflimmern zu beenden. Die Weste überwacht mit ihren Modulen das Kreislauf- und Herzverhalten eines Risikopatienten ohne Transplantation. "Sie gibt über Überwachungsmodule einen Alarm, wenn etwas nicht stimmt", preist Oestreich das Produkt an. Es meldet sich beim Notarzt, bietet eine Ortung des Patienten über GPS und es soll sogar in der Lage sein, eine Herzmassage vorzunehmen.
Damit kann, erklärt Oestreich, das bei einem plötzlichen Herzstillstand nur etwa sechs Minuten betragende Zeitfenster für eine Rettung auf bis zu 25 Minuten ausgedehnt werden - lange genug, damit der Notarzt eingreifen kann. Oestreich hofft, dass er die Weste später für etwa 10.000 bis 12.000 Euro anbieten kann. Die Implantate der Defibrillatoren liegen bei bis zu 25.000 Euro.
Einer ganz anderen Problematik widmet sich der Franzose Laurent Helewa: Unterwegs ein dringendes Bedürfnis erledigen - aber kein Toilettenhäuschen ins Sicht. Wer kennt das nicht? Helewa hat für solche Situationen das "Carebag Toilet Kit" erfunden: Ein faltbares, wiederverwendbares Karton-System, das als Toilettensitz dient. Darin befindet sich eine Tüte, die die Ausscheidungen in Gelpads auffängt, auch Toilettenpapier und Hygienetücher gibt es dazu.
Ebenfalls unter den Innovationen: das Tandem für Singles. Wer sich von seinem oder seiner Liebsten trennt, findet häufig etwas, was man früher gemeinsam genutzt hat - ein Tandem etwa. Tüftler der Far East University von Taiwan haben das Gefährt so umkonstruiert, dass es ruckzuck in ein Einzelrad umgewandelt werden kann. Da wird der vordere Sitz einfach abmontiert, das so genannte Oberrohr - die obere Verbindungsstange - wird kinderleicht eingefahren, die Pedale wandern ebenfalls nach hinten - und schon kann man alleine radeln.
Erfindungen sollen ja immer das Leben einfacher machen - diese Idee steckt auch hinter der Tüftelei der beiden Schweizerinnen Marie Guerry und Julia Vaucher. Sie haben sich einen Einkaufswagen ausgedacht, der an der Vorderseite herunterklappbar ist und damit einfacher entladen werden kann.
Ein Helfer im Alltag ist außerdem das vibrierende Armband des Spaniers Daniel Uriguen. Es erinnert seinen Träger nicht nur daran, dass er eine wichtige Pille nehmen muss. Diese kommt auch gleich aus einem eingebauten Spender. Der Erfinder verweist ausdrücklich darauf, dass das Armband "geschlechtsneutral" sei: Auch Männer könnten es problemlos tragen.
Quelle: dpa
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