29.11.2010, 09:56 Uhr | FTD, Daniela Schröder
Der Teebeutel: Seit 100 Jahren in den Tassen. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Ein Amerikaner erfand vor rund 100 Jahren den Tee im Papiersäckchen. Doch der Siegeszug des Teebeutels wurde erst möglich durch das Genie eines deutschen Schlossers: Er erfand die Maschine mit der wegweisenden Falttechnik dazu.
New York 1908. Der Teeimporteur Thomas Sullivan bekommt Kisten mit neuen Sorten geliefert. Dieses Mal hat er eine Idee, wie er eine Menge Geld sparen kann. Statt seine Teeproben in Blechdosen an die Kunden zu senden, verschickt er sie in kleinen Seidenbeuteln. So spart er am Tee, an der Packung, am Porto und hat zufällig eine wegweisende Erfindung gemacht. Wenige Tage später erhält er begeisterte Briefe. Grandiose Idee, schwärmen die Kunden: Jetzt lässt sich der Tee auch ohne Abseihen und Umfüllen zubereiten - man braucht nur die Beutel ins heiße Wasser zu hängen.
In Deutschland bleibt die amerikanische Zufallserfindung nicht unbemerkt. Die Mitarbeiter des Dresdner Unternehmens Teekanne verfeinern das Konzept: Sie füllen den Tee in Mullsäckchen und verschließen sie anschließend mit einem Faden, der sich an der Kanne oder der Tasse befestigen lässt. "Tee-Pompadour" werden die Beutel genannt, weil sie aussehen wie die feinen Handtaschen der Rokoko-Damen.
Als Deutschlands Soldaten kurz darauf in den Ersten Weltkrieg ziehen, erhält Teekanne einen Großauftrag: Mit gemahlenem Tee und der passenden Portion Zucker gefüllt wird der handgefertigte Mullbeutel fester Teil der Marschverpflegung. Doch der Geschmack kann sich in dem Säckchen nicht richtig entfalten. Mit Ende des Krieges stellt Teekanne deshalb die Produktion ein. In den USA dagegen wird der Portionstee immer beliebter, dort stecken die Teeblätter mittlerweile in Beuteln aus Filterpapier. Angespornt von den Erfolgsmeldungen aus dem Ausland entschließt sich Teekanne, die Produktion wieder aufzunehmen. Allerdings verwendet die Firma wieder Mullbeutel, abgefüllt per Hand. Von Innovation keine Spur.
Da tritt 1924 ein junger Schlosser in das Unternehmen ein, Adolf Rambold. Zunächst kümmert er sich um die Produktion und baut die weltweit erste Teebeutel-Packmaschine, pro Minute schafft sie 35 Mullsäckchen. Rambold aber will mehr, er will den perfekten Teebeutel schaffen. Das Mullgewebe hinterlässt einen Beigeschmack, und seine Fasern saugen Aromastoffe aus dem Getränk. Rambold testet durchlöchertes Zellophanpapier, dann füllt er den Tee in Pergamentbeutel. Auch die Maschine für den Papierbeutel konstruiert er selbst.
Als "Teefix" werden die Papierbeutel ein Hit. Fortan baut die Firma auch Packmaschinen für Tee, Perforiergeräte und Stanzautomaten. 1937 gründet Teekanne sogar eine eigene Maschinenfabrik. Doch die Kunden sind nicht restlos zufrieden, sie beschweren sich über Klebstoffgeschmack im Tee. Also entwickelt Rambold eine raffinierte Falttechnik, bei der das Papier nur mit einer winzigen Metallklammer geheftet wird. Außerdem soll der Teebeutel künftig aus zwei Kammern bestehen, weil das Wasser den Tee dann von vier Seiten umspült, erkennt Rambold; das feine Aroma kann sich voll entfalten.
Als der Zweite Weltkrieg beginnt, sind seine Pläne für die neue Maschine fertig. Um den perfekten Teebeutel verkaufen zu können, fehlt Teekanne jedoch das Entscheidende: das passende Papier. Wieder kommt die Lösung aus den USA: ein Spezialfilterpapier, das allein durch Falten hält. 1949 präsentiert Teekanne dem Fachpublikum die Packmaschine "Constanta" - das Zeitalter des Doppelkammerteebeutels beginnt.
Quelle: Financial Times Deutschland
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