Erster europäischer Konzern begibt Renminbi-Anleihe
28.03.2011, 16:06 Uhr | Financial Times Deutschland
Eingang von Unilever (Foto: imago)Als erstes europäisches Unternehmen hat Unilever eine Anleihe in Renminbi begeben. Der niederländisch-britische Konsumgüterhersteller brachte in Hongkong Schuldtitel im Wert von 300 Millionen Yuan (32 Millionen Euro) auf den Markt. Im vergangenen Jahr hatten mit McDonalds und Caterpillar erstmals zwei Unternehmen aus den USA Dim-Sum-Anleihen emittiert.
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Unilever nimmt China ins Visier
Unilever will mit der Anleihe den Ausbau seiner Aktivitäten in China finanzieren. Bislang hinkt der Hersteller von Pflegeprodukten und Lebensmitteln auf diesem wichtigen Markt dem US-Konkurrenten Procter & Gamble hinterher.
Peking will den Yuan stärken
Aber auch für die chinesische Regierung ist die Emission von Bedeutung: Peking bemüht sich um eine Internationalisierung des Renminbi, um die Vormachtstellung des Dollar zu brechen. Die nach chinesischen Leckerbissen benannten Dim-Sum-Anleihen sind ein Element dieser Strategie.
Außerhalb von Hongkong gibt es für ausländische Investoren aber nur wenig Möglichkeiten, sich mit Renminbi einzudecken. Zudem kontrolliert Peking die Wechselkurse zu anderen Währungen. Auf diese Weise soll die chinesische Devise vor Spekulanten geschützt werden. Peking will vor allem eine schnelle Aufwertung des Renminbi verhindern, weil sie chinesische Produkte auf dem Weltmarkt verteuern und den Erfolg der chinesischen Exportwirtschaft gefährden würde.
Abhängigkeit vom Dollar wird Peking lästig
Gleichzeitig hat China aber großes Interesse daran, seine Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Da internationale Handelsgeschäfte bislang vorwiegend in der US-Währung abgewickelt werden und die chinesischen Exporteure diese Einnahmen in Renminbi zurücktauschen, hat die Zentralbank in Peking riesige Mengen an Dollar (siehe EURUSD) aufgehäuft.
Ein Großteil der insgesamt 2850 Milliarden Dollar schweren Devisenreserve des Landes ist zudem in US-Staatsanleihen angelegt: Ende Dezember 2010 hielt die People's Bank of China (PBOC) nach Schätzung des Finanzministeriums in Washington Treasuries im Umfang von 1160 Milliarden Dollar. Der Wert der chinesischen Devisenreserve ist damit stark von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig.
Um diesem Dilemma zu entgehen, flexibilisiert Peking seit dem vergangenen Jahr seine Währungspolitik. Die auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise eingeführte Bindung des Renminbi an den Dollar wurde im Juni vergangenen Jahres wieder gelockert, seither sind Wechselkursschwankungen innerhalb einer engen Bandbreite zugelassen. Für die chinesische Zentralbank hat das den Vorteil, dass sie nicht mehr ganz so viele Dollar aufkaufen muss, um den Kurs stabil zu halten (siehe auch EURCNY).
Außerdem dürfen seit Juni 67.000 chinesische Unternehmen grenzüberschreitende Handelsgeschäfte in Renminbi abwickeln. Diese Erlaubnis soll noch in diesem Jahr auf die gesamte Wirtschaft ausgeweitet werden. In den vergangenen zwei Jahren schloss Peking zusätzlich Abkommen mit acht ausländischen Zentralbanken, damit diese ihre heimischen Firmen mit Renminbi versorgen können.
Swap-Geschäfte mit dem Ausland
Die Notenbanken in Argentinien, Weißrussland, Hongkong, Island, Indonesien, Malaysia, Singapur und Südkorea können im Austausch gegen ihre eigenen Währungen insgesamt 800 Milliarden Yuan (86 Milliarden Euro) erhalten, um sie an Unternehmen weiterzureichen.
Auch der Markt mit in Renminbi notierten Wertpapieren in Hongkong gewinnt an Bedeutung. Nach Einschätzung der britischen Bank HSBC wird das Volumen der dort begebenen Dim-Sum-Anleihen in diesem Jahr zwischen 120 und 150 Milliarden Yuan erreichen.