Erzeugerpreise fallen so stark wie seit 1987 nicht mehr
22.05.2009, 12:44 Uhr | oca
Die Erzeugerpreise sind im April deutlich stärker als erwartet gesunken (Quelle: imago)Deutlich geringere Kosten für Energie- und Produktionsgüter wie Stahl, Bauelemente und Futtermittel haben die Erzeugerpreise im April so stark sinken lassen wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete, lagen die Preise um 2,7 Prozent niedriger als im April 2008. Einen stärkeren Preisrückgang habe es letztmalig im Juni 1987 mit minus drei Prozent gegeben. Die Index der Erzeugerpreise gilt als ein Frühindikator für die künftige Entwicklung der Lebenshaltungskosten in Deutschland. Im März waren die Erzeugerpreise erstmals seit fünf Jahren wieder rückläufig gewesen, und zwar um 0,5 Prozent im Jahresvergleich. Gegenüber März 2009 sank der Index nun um 1,4 Prozent.
Den höchsten Einfluss auf die Jahresveränderungsrate hatten den Statistikern zufolge die "Vorleistungsgüter", deren Preise gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent zurückgingen. Dabei handelt es sich um solche Güter, die im Produktionsprozess verbraucht, verarbeitet oder umgewandelt werden. Als Beispiele nannte die Behörde etwa Walzstahl mit einem Rückgang von 25,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Rückgang bei Getreidemehl und Futtermittel
Ähnliche Preiseinbrüche gab es bei Nicht-Eisen-Metallen (minus 21,9 Prozent). Auch Getreidemehl war mit einem Rückgang von 30,5 Prozent deutlich billiger als im April 2008, Futtermittel für Nutztiere lagen um 21,3 Prozent unter Vorjahresniveau. Dagegen waren Düngemittel um 24,4 Prozent teurer als im April 2008.
Seit langem wieder rückläufige Energie-Erzeugerpreise
Rückläufige Preise verzeichnete das Statistikamt zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahren für Energie. Diese lagen erstmals seit Oktober 2007 wieder unter dem Niveau des Vorjahres (minus 4,4 Prozent). Einen stärkeren Preisrückgang gab es zuletzt im September 2002 mit einem Minus von 6,3 Prozent. Gegenüber dem Vormonat sanken die Energiepreise um durchschnittlich 4 Prozent, obwohl die Preise für Mineralölerzeugnisse im April 2009 wieder stiegen (plus 4 Prozent gegenüber März 2009). Mineralölprodukte waren jedoch noch deutlich billiger als im April 2008 (minus 23 Prozent).
Preisrückgang bei Erdgas besonders stark
Während die Preise für Erdgas im März 2009 noch um 30 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen hatten, waren sie im April nur noch 2,7 Prozent höher als im April 2008. Gegenüber März 2009 hatte Erdgas im Durchschnitt mit 15,9 Prozent einen besonders hohen Preisrückgang zu verzeichnen. Dies ist die höchste monatliche Veränderungsrate seit Oktober 1986. Ursache hierfür sind in erster Linie die seit Herbst 2008 deutlich gefallenen Ölpreise.
Hoher Anteil der Energiekosten
Die Preise für Strom ohne Berücksichtigung der Netznutzungsentgelte lagen im April 2009 insgesamt um 2,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau, stiegen aber gegenüber März 2009 um 2,4 Prozent. Während die Preise für die Abgabe an regionale Stromverteiler um neun Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen, mussten Haushalte 5,6 Prozent mehr bezahlen als im April 2008.
Milch und Milcherzeugnisse mit Minus 13,3 Prozent
Die Preise für Verbrauchsgüter sanken gegenüber April 2008 um durchschnittlich 1,1 Prozent. Nahrungsmittel waren bei den Erzeugern insgesamt um 3,1 Prozent billiger als im Vorjahr. Besonders starke Rückgänge waren im Vorjahresvergleich für Milch und Milcherzeugnisse zu verzeichnen (minus 13,3 Prozent). Die Preise für Teigwaren stiegen hingegen im Jahresvergleich um 7,5 Prozent). Fleisch war um 1,8 Prozent teurer als im Vorjahr, Backwaren um 2,8 Prozent.