EU-Kommission in Brüssel (Foto: imago)Die EU hat wegen der Finanzmarktkrise die Bilanzierungsregeln für Banken geändert. Die Reform wurde in einem Eilverfahren von Kommission, Mitgliedstaaten und Parlament beschlossen, wie die EU-Kommission mitteilte. Den Banken soll dadurch rechtzeitig vor den Bilanzberichten für das dritte Quartal die buchmäßige Abschreibung wertlos gewordener Aktiva erspart werden.
Die neuen Regeln wirken dem Problem entgegen, dass Banken ihre Aktiva stets zum aktuellen Börsenwert verbuchen müssen. Für die Zeit, in der die Aktiva nicht gehandelt werden können, da der Markt zusammengebrochen ist, sollen sie künftig nicht zu ihrem aktuellen Wert bilanziert werden müssen. Denn der Börsenwert liegt in vielen Fällen dramatisch unter dem Einkaufswert, und die Bilanzen der Banken drohen so in Schieflage zu geraten oder sind es bereits.
Prinzipien gelockert
Angesichts der dramatischen Bankenkrise haben Banken in der Europäischen Union ab sofort mehr Spielraum für die Bilanzierung von Wertpapieren. In einem Eilverfahren setzten EU-Kommission und Europaparlament am Mittwoch in Brüssel einen entsprechenden Vorschlag des Londoner Expertengremiums IASB (International Accounting Standards Board) um, wie es aus Parlamentskreisen hieß. Das IASB ist für die Festlegung verbindlicher Bilanzierungsstandards verantwortlich. Bislang müssen Banken ihre Wertpapiere regelmäßig nach den jeweiligen Börsenkursen neu bewerten ("mark-to-market"-Prinzip oder "fair-market"-Regel).
Vermeidung von Verlusten
Dieses aus den USA stammende Prinzip spielt in der aktuellen Finanzkrise eine wichtige Rolle und wurde deshalb auch dort jüngst gelockert. Es zwingt zu hohen Abschreibungen oder Wertberichtigungen, obwohl Vermögenswerte womöglich nur vorübergehend drastisch an Wert verloren haben. Geldhäuser sollen jetzt auch in Europa in Krisenzeiten bestimmt Wertpapiere, etwa faule Kredite, in ihren Büchern nicht mehr in jedem Fall zu Ramschpreisen regelmäßig neu bewerten und damit hohe Belastungen oder gar Verluste ausweisen müssen.
Neue Regeln in der Kritik
Kritik an den gelockerten Bilanzierungsregeln kam vom Wirtschaftsinformationsdienst D&B Deutschland. Dessen Geschäftsführer Thomas Dold sagte, es bestehe erneut die Gefahr, Risiken in den Bilanzen zu verschleiern. Schon aus Gründen der Vergleichbarkeit sei es geboten, weiter nach dem Marktwertansatz zu bilanzieren. Die Politiker sollten Offenheit und Transparenz bei den Bilanzen und die korrekte Ausweisung des Eigenkapitals lieber fördern als sie aufzuweichen.