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EU: Frontalangriff auf Wirtschaftsprüfer

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EU plant Frontalangriff auf Wirtschaftsprüfer

27.09.2011, 16:00 Uhr | Financial Times Deutschland

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier  (Quelle: dpa)

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier (Quelle: dpa)

Das große Geschäft machen sie mittlerweile in der Unternehmensberatung. Die EU fürchtet, dass die Marktführer um PwC und KPMG nicht mehr unabhängig in ihren Urteilen sind - und will das Geschäftsmodell der Großen der Branche zerschlagen.

Die EU-Kommission will die Dominanz der großen Wirtschaftsprüfer mit radikalen neuen Regeln für die Branche brechen. Nach Informationen der "Financial Times" (FT) macht sich die Brüsseler Behörde für eine Zerschlagung der Unternehmen stark: Den vier Marktführern Deloitte, PwC, Ernst & Young sowie KPMG soll künftig verboten sein, auch Unternehmensberatung anzubieten. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag will Binnenmarktkommissar Michel Barnier im November vorlegen.

Kaum Wachstum im Kerngeschäft

Die Pläne sind ein Frontalangriff auf das Geschäftsmodell der Wirtschaftsprüfer. Seit Jahren erreichen die Unternehmen in ihrem Kerngeschäft kaum noch Wachstum. Hier sind Kunden immer stärker darum bemüht, die Kosten zu senken. Dagegen boomt das Beratungsgeschäft. Für die Prüffirmen ist es wegen hoher Gewinnmargen auch deutlich profitabler. Alle großen Wirtschaftsprüfer bieten daher auch Unternehmensberatung an. Mit Hochdruck versuchen sie, noch stärker in das Revier großer Beratungsfirmen wie McKinsey oder Boston Consulting vorzudringen.

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Barniers Vorhaben ist eine Reaktion auf Bilanzskandale wie die Affäre um den US-Energiekonzern Enron. Nach dessen Kollaps war dem Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen vorgeworfen worden, trotz Zweifeln an Enrons Bilanzierungspraktiken nicht aktiv geworden zu sein. Aus Sicht der EU-Kommission soll die Trennung der Prüfaufgaben vom Beratungsgeschäft sicherstellen, dass die Wirtschaftsprüfer in ihrem Urteil unabhängig sind - und sich nicht von einem lukrativen Beratungsmandat beeinflussen lassen.

Beratung soll aufgeteilt werden

Nach dem Willen der Kommission sollen Konzerne mit einer Bilanz von mehr als einer Milliarde Euro zudem dazu gezwungen werden, zwei Prüfer für eine gemeinsame Wirtschaftsprüfung zu engagieren. Mindestens einer soll dabei von einem kleineren Unternehmen kommen, das nicht zu den vier Marktführern gehört. Schließlich soll es den Wirtschaftsprüfern untersagt werden, mehr als neun Jahre bei einem großen Unternehmen zu arbeiten. Manche großen multinationalen Konzerne beschäftigen seit über 100 Jahren dieselbe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

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Prüfqualität beeinträchtigt?

"Wirtschaftsprüfer spielen auf den Finanzmärkten eine zentrale Rolle", sagte Barnier der FT. "Die Akteure an den Märkten müssen ihnen vertrauen können." Allerdings gebe es Schwächen in der Branche, die von der momentanen Krise offengelegt worden seien. Seine Vorschläge hätten das Ziel, "belastbare und komplett unabhängige Wirtschaftsprüfung im größeren Kontext eines besser funktionierenden Binnenmarkts für Prüfdienstleistungen sicherzustellen."

Die Pläne der EU-Kommission müssen noch von den Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament abgesegnet werden. Wegen der Radikalität der Vorschläge muss sich Barnier allerdings auf harten Widerstand einstellen. Sein Gesetzespaket ist erheblich weitreichender, als die Branche es erwartet hatte.

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Roland-Berger-Übernahme gescheitert

Allein in Deutschland beschäftigen die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammen knapp 30.000 Mitarbeiter und erreichen einen Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte sich die US-Gesellschaft Deloitte um einen Kauf von Roland Berger bemüht, um ihr Beratungsgeschäft auszubauen. Schließlich scheiterten die Amerikaner aber am Widerstand der Roland-Berger-Partner.

Viele Industriestaaten erwägen derzeit, ihren Wirtschaftsprüfern strengere Regeln vorzuschreiben - etwa eine Zwangsrotation. Ein Deloitte-Sprecher kritisierte, die von Barnier vorgeschlagenen Maßnahmen würden "die Qualität der Wirtschaftsprüfung beeinträchtigen". Auch drohten für die Konzerne höhere Kosten. Kleinere Prüffirmen wie BDO und Grant Thomson fordern dagegen seit Längerem mehr Regulierung.


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Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (4)

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Thema: "EU: Frontalangriff auf Wirtschaftsprüfer"

56st schrieb: am 27. September 2011 um 13:58:41
(8) (0) es wird zeit
es wird langsam zeit die konzentration auf dem markt entgegen zu wirken. Warum haben wir eigentliche eine kartellbehörde ?
Unabhängig und sachlich sind sie schon längst nicht mehr. Rendit müssen sie erwirtschaften.Sie machen diener vor den großkunden ! Sie nehmen politischen einfluß Lobbyarbeit gehört auch zu ihrem geschäft. Auch wieder fast alle in den USA beheimatet. Das scheiß angelsächsische system uns aufgezwängt ! Unsere Top-manager sind zu hörig und schalten ihr eigenes hirn nicht ein !!!
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bob schrieb: am 27. September 2011 um 13:37:14
(5) (4) wirtschaftsprüfer
das sind die größten pfeifen, diese herren, ehe sie die bücher prüfen, fressen und saufen sie sich die hucke voll auf
kosten der betroffenen firmen, dann hauen sie ihre stempel auf den abschlußbericht und sonnen sich im glanz ihrer halbbildung , erworben lediglich auf fachhochschulen und dem so und so vielten bildungsweg...
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JA schrieb: am 27. September 2011 um 11:11:41
(8) (1) Prüfung
Das ist längst überfällig. Ich erinnere nur an die Holzmannpleite.

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