12.08.2010, 08:43 Uhr | dpa
Oft werden Praktikanten unentgeltlich angestellt (Foto: imago)
Angesichts der wachsenden Zahl von Praktikanten will das Europaparlament der Ausbeutung von Jugendlichen durch kostenlose Praktika einen Riegel vorschieben. In einer Resolution forderten die Parlamentarier die EU-Kommission und den Ministerrat dazu auf, eine Europäische Qualitätscharta mit Mindestanforderungen für Praktika zu schaffen - darunter ein Grundgehalt zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten des Praktikanten und eine zeitliche Begrenzung.
Die Kommission prüfe derzeit das Ansinnen, das bereits im Juli gestellt worden sei, sagte ein Sprecher in Brüssel. Die Gestaltung der Arbeits- und Sozialpolitik behalten sich die EU-Mitgliedsstaaten weitgehend vor. Die EU hat somit in der Regel keine direkte Kompetenz, sondern kann nur Anstöße geben. Der Antrag des Parlaments verpflichtet die Kommission nicht zum Handeln.
"Ziel ist es, Bildungswert zu sichern und Ausbeutung zu vermeiden", heißt es in der Resolution des Europaparlaments. In der Krise ersetzten viele Arbeitgeber reale Arbeitsplätze durch Praktika. Nach einer Studie des Bundesarbeitsministeriums arbeitet rund die Hälfte aller Praktikanten in Deutschland unentgeltlich.
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Die deutsche Wirtschaft lehnt neue Regeln ab. "Ein zwingendes Salär zu fordern, würde die Kosten unangemessen erhöhen und das Angebot an Praktikumsstellen reduzieren", teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) auf Anfrage mit. Einzelfälle, in denen Praktikanten nicht fair behandelt würden, dürften "kein Anlass sein, das sinnvolle Instrument Praktika so überzuregulieren, dass die Unternehmen keine Praktika mehr anbieten". Zudem schreibe das Berufsbildungsgesetz eine Vergütung für bestimmte Personen vor, die eingestellt würden, um berufliche Fertigkeiten zu erwerben.
Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist skeptisch. "Praktika sind in erster Linie Lernverhältnisse. Eine generelle Vergütungspflicht würde dazu führen, dass Unternehmen viele sinnvolle Praktika nicht mehr anbieten würden", sagte DIHK-Bildungsexperte Kevin Heidenreich auf Anfrage. Richtig sei, den Missbrauch von Praktika zu unterbinden.
Auch innerhalb des Europaparlaments ist der Vorstoß umstritten. Die Resolution geht auf einen Entwurf der dänischen Abgeordneten Emilie Turunen (Grüne) - mit 26 Jahren die jüngste EU-Parlamentarierin - zurück. Die FDP reagierte bereits ablehnend. "Unbezahlte Praktika ganz zu verbieten, ist eine völlig überzogene Schlussfolgerung", schreibt Nadja Hirsch, sozialpolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament, auf ihrer Internet-Seite.
Quelle: dpa
noname schrieb:
am 12. August 2010 um 08:57:14
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praktika
Ich finde es am härtesten, dass unsere Regierung (Auswärtige Amt) ausschließlich unbezahlte Praktikas anbieten. Gerade die, die
zahlen könnten zahlen nichts und es ist oft die einzige Möglichkeit ein kleines "Sprungbrett" zu bekommen.
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Manni schrieb:
am 12. August 2010 um 06:58:32
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Richtig so!
Endlich mal wieder ein sinnvolles Gesetz von ganz oben! Das Praktikanten und Praktikantinnen ausgenutzt werden habe ich bisher in
jedem Betrieb erlebt - da wird diesen schon mal die Post in die Hand gedrückt oder andere Arbeiten, wobei Unternehmen ganz bewusst Lohnkosten einsparen wollen. Und wenn der Praktikant nicht mehr da ist, so steht schon der nächste bereit! Seltenst wurde ein Praktikum wirklich zur beruflichen orientierung Angeboten. Genug Praktika wird es jedoch weiterhin geben!
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Hardy schrieb:
am 11. August 2010 um 22:05:30
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moderner Sklavenmarkt?
Der BDA hat mit seiner Aussage "... und das Angebot an Praktikumsstellen reduzieren" recht. Sollten Praktika bezahlt
werden müssen, braucht man nämlich keine Praktikanten mehr, sondern könnte endlich wieder feste Mitarbeiter einstellen, die auch endlich wieder davon ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten, statt von einem nichtbezahlten Praktikum ins nächste vertröstet zu werden. Danke BDA, gut erkannt ...
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