Sprit: Teures Tröpfchen (Foto: ddp) Die EU-Kommission will etwas gegen die drastisch gestiegenen Öl- und Spritpreise tun. Dazu kündigte sie am Mittwoch ein Maßnahmenpaket an, über das auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag kommender Woche beraten werden soll. Die EU-Staaten müssten den "am stärksten betroffenen Bevölkerungsschichten" helfen, ließ Kommissionspräsident José Manuel Barroso unterdessen erklären. Der Benzinpreis in Deutschland erreichte einen neuen historischen Höchststand. Und auch die Lufthansa erhöhte zum dritten Mal in diesem Jahr den Treibstoffzuschlag auf ihre Flugtickets.
Laut ADAC mussten die Autofahrer am Dienstag im Schnitt 1,528 Euro für einen Liter Super bezahlen. Das waren 2,5 Cent mehr als in der vergangenen Woche. Auch Diesel wurde teurer, allerdings nur um 0,6 Cent, und kostete damit im Schnitt 1,494 Euro. Damit hat sich der Preisabstand zwischen den beiden Sorten wieder vergrößert. Im Mai war Diesel zeitweise teurer gewesen als Super.
Lufthansa erhöht Treibstoffzuschlag
Angesichts des hohen Ölpreises kosten Lufthansa-Tickets mit den neuen Kerosinzuschlägen bei Flügen innerhalb Europas ab Montag drei Euro mehr, Langstreckenflüge verteuern sich um zehn Euro. Damit zahlen Lufthansa-Kunden auf Kurz- und Mittelstreckenflügen ab kommender Woche einen Treibstoffzuschlag von insgesamt 24 Euro, bei Interkontinentalverbindungen beträgt er dann 92 Euro für die einfache Flugstrecke. Zuletzt hatte die Lufthansa die Treibstoffzuschläge Mitte Mai erhöht. Seit der Einführung haben sich die Gebühren etwa verzwölffacht.
Energie so teuer wie seit fast 40 Jahren nicht mehr
Nach Angaben der EU-Kommission sind die Heiz- und Kraftstoffpreise in den vergangenen Monaten auf den höchsten Stand seit Ende der 70er Jahre gestiegen. Zwischen April 2007 und April 2008 legten die Preise für Brennstoffe wie Heizöl in der EU demnach um mehr als 35 Prozent zu, die für Sprit stiegen um fast 13 Prozent. Am stärksten betroffen davon sind nach Angaben der Kommission Fischerei, Landwirtschaft und Verkehr sowie die Chemie- und Autoindustrie.
EU will Alternativen fördern
In erster Linie drängt die Kommission die EU-Staaten nun zu einer vollständigen Umsetzung des Energie- und Klimapakets vom Januar, mit dem erneuerbare Energien gefördert und der Biotreibstoff-Anteil am Sprit deutlich erhöht werden soll. EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel verteidigte die umstrittenen Subventionen für Biokraftstoffe: Diese würden zum Sündenbock für hohe Lebensmittelpreise gemacht. "Wenn wir aber auf Biokraftstoffe verzichten, werden wir das große Ziel, die CO2-Emission innerhalb der EU bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, sicherlich verfehlen", sagte sie der "Zeit".
Unterbrecher 70-Tage
Anreize zum Energiesparen
Darüber hinaus will die Brüsseler Behörde im Herbst einen Bericht über mögliche steuerliche Anreize zum Energiesparen vorlegen. Umstritten ist ein Vorschlag Frankreichs und Großbritanniens für ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Öko-Produkte, den Deutschland ablehnt. Außerdem will die Kommission eine Analyse zu den Roh- und Mineralölmärkten vorlegen.
Öl-Kartell beschuldigt Spekulanten
Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kündigte an, am kommenden Treffen des Ölkartells mit Abnehmerländern sollten die Staatschefs der OPEC-Staaten teilnehmen. Thema des Treffens soll der hohe Ölpreis sein, für den nach nach Ansicht von OPEC-Generalsekretär Abdallah el Badri allerdings nicht die geringe Fördermenge verantwortlich ist. Schuld seien daran vielmehr Spekulanten, sagte Badri. Nach Angaben des Ölkonzerns BP ist die Ölfördermenge im vergangenen Jahr allerdings zum ersten Mal seit 2002 gesunken - wenn auch nur um 0,2 Prozent, wie es im jährlichen Energiebericht des Konzerns heißt.