
20.12.2011, 16:30 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Flucht großer Banken aus den Anleihen der Euroraum-Randstaaten droht die Schuldenkrise noch zu verschärfen. BNP Paribas, Commerzbank und andere europäische Geldhäuser stoßen seit einiger Zeit Staatsanleihen aus den EU-Krisenstaaten mit Verlust ab, um ihre Risiken zu minimieren.
BNP Paribas, die größte französische Bank, verbuchte in den vergangenen vier Monaten durch die Reduzierung ihrer Bestände an europäischen Bonds einen Verlust von 812 Millionen Euro. Die Commerzbank nahm Verluste hin, als sie in diesem Jahr ihre Positionen an griechischen, irischen, italienischen, portugiesischen und spanischen Anleihen um 22 Prozent auf 13 Milliarden Euro verringerte.
Die Kreditinstitute trennen sich von den Papieren südeuropäischer Länder, da die Anleger Banken mit größeren Positionen abstrafen und die Aufsichtsbehörden höhere Reserven zur Abpufferung von möglichen Verlusten fordern. Damit erschweren sie die Bemühungen um die Euro-Rettung.
Die europäische Bankenaufsicht EBA verlangt, dass die Institute ihr Eigenkapital um 106 Milliarden Euro aufstocken, nachdem sie ihre Staatsanleihen auf den Marktwert abgeschrieben haben. Der Trend könnte den Anstrengungen der EU-Regierungschefs entgegenlaufen, die Fremdkapitalkosten für Länder wie Griechenland und Italien zu drücken - und zu größeren Abschreibungen und Kapitallücken führen.
"Die europäischen Aufsichtsbehörden und Regierungschefs schießen sich selbst ins Knie, weil eine große Investorengruppe für Staatsanleihen aus dem Markt genommen wird", sagt Otto Dichtl, Kreditanalyst bei Knight Capital. "Die Abwärtsspirale wird weitergehen, bis die Politik eine Lösung zur Stützung der Staaten findet."
Europäische Banken außerhalb Griechenlands haben die Kreditvergabe an den öffentlichen Sektor des Landes zum 30. Juni auf 37 Milliarden Dollar reduziert, verglichen mit 52 Milliarden Dollar Ende 2010. Das geht aus den jüngsten Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor. Die Darlehen europäischer Geldhäuser an den öffentlichen Sektor in Irland, Portugal und Spanien sind der BIZ zufolge ebenfalls zurückgegangen.
Jetzt mit dem Verivox-Stromrechner Anbieter vergleichen, wechseln und Geld sparen!
Strompreisvergleich
Die britische Bank Barclays reduzierte ihre Bestände an Staatsanleihen von Spanien, Italien, Portugal, Irland und Griechenland nach eigenen Angaben innerhalb von drei Monaten um 31 Prozent reduziert. Die Royal Bank of Scotland gab am 4. November bekannt, dass sie die Papiere dieser Länder und ihrer Kommunen von 4,6 Milliarden Pfund am Jahresende auf 1,1 Milliarden Pfund zurückgefahren habe.
Der Kurs von griechischen Anleihen ist seit Juli um 42 Prozent gesunken, italienische Papiere haben acht Prozent und portugiesische Bonds fünf Prozent nachgegeben. Die Renditen von italienischen Staatsanleihen kletterten zuletzt auf ein Euro-Ära-Rekordhoch.
Sie suchen einen neuen Job? Finden Sie den passenden Job aus fast 60.000 Stellenangeboten. Jobsuche starten
Die EU-Regierungschefs verlangen, dass die Banken neues Kapital beschaffen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, nachdem sie einem Schuldenschnitt von 50 Prozent bei griechischen Papieren zugestimmt haben.
Die geforderten Kapitalerhöhungen "werden eine Reihe von ernsten Problemen hervorrufen", warnte der in Washington ansässige Verband IIF, der über 450 Finanzinstitute vertritt. "Der Marktwert der Anleihen der am stärksten unter Druck stehenden Länder dürfte weiter fallen, da die Banken Staatsanleihen abstoßen", heißt es in dem Brief, der vom geschäftsführenden Direktor Charles Dallara unterzeichnet ist. "Das läuft gegen das Ziel, Staatsanleihen in Europa zu stabilisieren und zu stützen."
Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz machte in einer Telefonkonferenz die Aufsichtsbehörden für die Verschlimmerung der Situation veranwortlich, da sie in den Stresstests Marktwertabschreibungen aufgenommen haben. Daraufhin haben die Banken Staatsanleihen abgestoßen.
"Es ist etwas seltsam, wenn die Aufsichtsbehörden die ganze Debatte anheizen, indem sie in die andere Richtung gehen und am Markt mehr Angebot schaffen", sagte Strutz. "Wenn die Bestände auf den Marktwert korrigiert werden müssen, werden alle Banken ihre Staatsanleihe-Positionen reduzieren, weil man - implizit oder explizit - mehr Kapital dafür braucht." Zwar wolle die Commerzbank keine Panikverkäufe, sei aber bereit, einen geringen Verlust hinzunehmen, um Kapital über Bond-Verkäufe freizusetzen.
Devisen-Handel beim Testsieger, Cash Back und keine Ordergebühren!
Jetzt sichern
BNP Paribas hat die Staatsanleihen in ihrem Bankenbuch um 23 Prozent auf 81,5 Milliarden Euro verringert. Die italienischen Bonds seien "vollständig am Markt verkauft worden" und nicht an die Europäische Zentralbank, sagte der Vorstandsvorsitzende Baudouin Prot. "Wir haben unser Engagement bei Staatsanleihen stark zurückgefahren und dabei Verluste erlitten."
"Man kann der BNP oder den anderen europäischen Banken nicht vorwerfen, dass sie Staatspapiere abstoßen", erläuterte Christophe Nijdam, Bankanalyst bei AlphaValue. "Der europäische Rettungsfonds hat nicht genügend finanzielle Schlagkraft, wir haben den Hilfsfonds noch nicht ausgestattet, um umfangreiche Verkäufe am Sekundärmarkt vorzunehmen. Die Banken wollen nicht abwarten, was bei Italien oder Spanien passiert."
Zwar sei es schwer festzustellen, wer die Bonds kaufe, sagte Dichtl von Knight Capital. Aber neben der EZB kaufen wohl Hedge Fonds oder auf notleidende Aktiva spezialisierte Investoren einige griechische Staatsanleihen. Italienische Papiere werden noch von Vermögensverwaltern oder Pensionsfonds erworben.
Von den in Umlauf befindlichen griechischen Bonds in Höhe von 355 Milliarden Euro werden etwa 127 Milliarden Euro von der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds und der EZB gehalten, schätzt die Analysegruppe Open Europe. Etwa 90 Milliarden Euro befinden sich in den Händen der europäischen Banken und etwa 80 Milliarden Euro bei ausländischen Nicht-Banken wie Hedge Fonds und Versicherungen.
In der Vergangenheit hatten heimische Banken in Ländern wie Griechenland und Irland "die Lücke gefüllt", wenn die ausländische Nachfrage nach den Staatsanleihen ihres Heimatlandes nachgelassen habe, berichtet Alberto Gallo, Leiter europäische Kreditstrategie bei RBS.
"Die Frage ist, wie die Verknüpfung zwischen den Banken und den Staaten gelöst werden kann", sagte Gallo. "Wenn man es macht, besteht die Gefahr eines beschleunigten Abbaus von Verbindlichkeiten. Wenn man es nicht macht, hat man ein Bankensystem, das sehr stark mit Staatsanleihen korreliert ist und sehr empfindlich auf Schocks reagiert."
Quelle: Financial Times Deutschland
Logiker schrieb:
am 3. Februar 2012 um 16:36:55
(0)
(0)
Anleihekäufer
Es wurde obern d. Frage gestellt,wer d.toxischen Staatspapiere den Banken weitunter Nennwert abkauft. Für mich ist klar,dass
1 großer Teil davon über Strohmänner in d. Besitz d. Ratingagenturen wandert,die zuvor .d Staaten abgestuft u. deren Anleihen entwertet haben.Nach 1 Pietätsfrist sehen
diese selbsternannten Finanzaufseher bei d. Staaten wieder Licht am Ende des Tunnel u.werten wieder auf m.d.Folge, dass sie d. billig erworbenen Papier nunmehr teuer wieder verkaufen bzw. einlösen können.
mehr
Kommentar melden
Kritik schrieb:
am 20. November 2011 um 18:44:15
(0)
(0)
Banken verschärfen Krise durch A-Käufe
Es sit unfassbar, wie ein Schröder, Steinbrück, große Teile der SPD, Grüne usw. für den Aufkauf
von Anleihen durch die EZB sind. Wider besseren Wissens und gegen den deutschen STeuerzahler.
mehr
Kommentar melden
Antonio di Grappa schrieb:
am 10. November 2011 um 14:07:32
(1)
(0)
Staatsanleihen
Solange es möglich ist, riskante Anleihen an die EZB zu verkaufen, haftet der Steuerzahler. Auch Abschreibungen verringern
die Steuerlast der Banken und geht zu lasten der Allgemeinheit. Zusätzlich werden die Gebühren für verschiedene Dienstleistungen und Kredite erhöht. Bezahlt wird immer vom Kunden, das ist so und bleibt so. Banken sind wie Salzsäure, sie fressen sich überall durch. Gehe mal einen Grappa trinken, ciao.
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Staats- und Regierungschefs be- kräftigen ihre Solidarität. zum Video