
06.10.2011, 15:26 Uhr | Spiegel Online
Wie sieht die Zukunft des Euros aus? (Quelle: imago)
Deutsche Politiker und Ökonomen überbieten sich mit Gruselszenarien zur Zukunft der Währungsunion. Viele rechnen damit, dass es zur ganz großen Katastrophe kommt und der Euro explodiert. Doch das ist unrealistisch. Wahrscheinlich kommt der Tod unseres Geldes langsam und leise.
Es ist viel vom Scheitern die Rede in diesen Wochen. "Scheitert der Euro, scheitert Europa", fürchtet Kanzlerin Angela Merkel. "Wenn der Euro scheitert, haben wir Deutsche den allergrößten Nachteil", glaubt Finanzminister Wolfgang Schäuble. "Man muss den Deutschen sagen, was ein Scheitern des Euro an politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Folgen mit sich bringt. Dieser Prozess wäre nicht mehr beherrschbar", unkt Ex-Außenminister Joschka Fischer.
Aber woran werden wir erkennen, dass das Projekt Währungsunion am Ende ist? Was bedeutet ein Scheitern des Euro eigentlich? Ist unser Geld womöglich längst gescheitert? Viele deutsche Ökonomen sagen zwei Szenarien des Scheiterns voraus.
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Im ersten Szenario bleibt der Euro eine harte Währung, und es gibt keine umfangreichen Transferzahlungen zwischen den Euro-Staaten. In den kommenden Jahren verlassen einige Länder mit Wettbewerbsproblemen und hohen Schulden die Währungsunion, um zu schwächeren nationalen Währungen zurückzukehren. Der Euro bröckelt von den Rändern her. Am Ende bleibt ein harter Kern zurück - bestehend aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Luxemburg und wenigen anderen Staaten.
Das zweite Szenario führt zu einem ähnlichen Ergebnis, allerdings steigen die Deutschen (und andere) aus, weil der Euro sich zur Weichwährung und die Euro-Zone sich zur Transferunion entwickeln. Das wiederum gilt in Ländern mit früheren Hartwährungen wie der Bundesrepublik als so unpopulär, dass sie irgendwann ihr eigenes, solides Geld zurückwollen.
Was beiden Szenarien gemein ist: Es sind die Interessenkonflikte und die rationalen Entscheidungen der Nationalstaaten, die die Spaltung vorantreiben. Aber ist das realistisch? Wohl kaum.
Dass die Währungsunion in einer sorgfältig vorbereiteten, bewussten politischen Entscheidung der beteiligten Regierungen beendet wird, erscheint politisch und technisch unmöglich. Allein schon, weil sich der Plan nicht geheim halten ließe und entsprechend brutale Reaktionen der Märkte provozierte, die alle Planbarkeit beseitigen würden.
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Vielleicht, so unkte jüngst ein Brüsseler Insider, werde die Währungsunion eines frühen Morgens einen Erschöpfungstod erleiden: Wenn wieder mal über die Auszahlung der nächsten Tranche an ein Krisenland entschieden werden müsse und die chronisch überarbeiteten Beamten in Ministerien, Notenbanken und der EU-Kommission einfach nicht mehr könnten - und bis zur Öffnung der Börsen keine Lösung mehr fänden. Dann würde ein panischer Kapitalentzug das chaotische Ende des Euro einläuten. Ein plötzlich auftretender Ermüdungsbruch, verursacht durch die permanente Überforderung der Euro-Statik.
In jedem Fall würde eine Aufspaltung des Euro in eine chaotische Phase münden - in einen Prozess, der "nicht mehr beherrschbar" wäre, wie Joschka Fischer sagt. Politiker werden mit allen Mitteln versuchen, eine solche Situation zu vermeiden. Wenn der Euro scheitert, dann in einem anderen Sinne: Weil er die Ansprüche der Europäer selbst verfehlt.
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Ursprünglich sollte der Euro den Wohlstand mehren, den Zusammenhalt der Europäer stärken und dem Kontinent insgesamt ein größeres Gewicht in der Welt verschaffen. Das waren die Ziele der Währungsväter. Nach diesen Maßstäben steckt der Euro derzeit in einer tiefen Krise: Das Wachstum in der ersten Phase der Währungsunion wurde durch steigende Schulden und große Ungleichgewichte erkauft. Das rächt sich jetzt. Die Öffnung und kulturelle Annäherung der frühen Jahre schlägt in der Krise wieder in jene Ressentiments um ("Faule Südeuropäer" versus "Spar-Nazis"), die doch längst überwunden sein sollten.
Und was das größere Gewicht in der Welt angeht, so manifestiert es sich derzeit vor allem darin, dass die Regierungen rund um den Globus - von Washington bis Peking - vor der Euro-Krise Angst haben. Um nicht missverstanden zu werden: Die ökonomischen und politischen Probleme wären lösbar - durch einen großen Schritt hin zu einer tieferen europäischen Integration. Aber ein großer Sprung nach vorn in Richtung "Vereinigte Staaten von Euro-Land" ist derzeit ebenso wenig in Sicht wie ein Ende des europäischen Einigungsprojekts.
Der Staat braucht Geld vom Bürger, doch das Inventar der Ämter ist völlig veraltet. Sogar in Müllsäcken werden Steuererklärungen aufbewahrt.
Statt in einem großen Knall zu enden, droht die Währungsunion deshalb in quälende Agonie zu verfallen. Es wäre ein leises Scheitern: eine langsame Erosion der Regeln, ein Auseinanderleben der Nationen, eine Korrosion der Institutionen.
Dafür gibt es Vorbilder, etwa die Welthandelsorganisation WTO. Bereits vor ein paar Jahren drohte ein Aus der Doha-Runde, bei der es darum geht, den weltweiten Handel weiter zu liberalisieren. Die Entwicklungsländer fordern von den entwickelten Staaten, die Agrarsubventionen zu reduzieren. Die Industriestaaten wiederum wollen, dass die Importzölle für ihre Produkte in der Dritten Welt gesenkt werden.
Auf die Frage, woran man ein tatsächliches Scheitern der Verhandlungen erkennen könne, lachte WTO-Chef Pascal Lamy zunächst, überlegte dann kurz und antwortete: "Diplomaten sind zwar sehr gut darin, Dinge schönzureden. Aber sie können die Leute nicht zum Narren halten." Das war vor vier Jahren. Seither haben die Verhandlungen zwar keine sichtbaren Fortschritte mehr gebracht. Aber niemand hat sie für gescheitert erklärt.
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Quelle: Spiegel Online
Klaus schrieb:
am 6. Oktober 2011 um 20:06:24
(437)
(10)
Euro Kriese:Langes Siechtum in der europäischen Schuldenkriese
Ich war anfangs für den Euro.Mann hatte uns jazugesichert,daß jedes Land
für sich
allein verantwortlich ist und eine 3% Schuldenbegrenzung festgelegt.Das ist nun alles nicht mehr wahr.Deshalb fordere ich,die dafür verantwortlchen Politiker für
diesen Betrug zur Rechenschaft zu ziehen.
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Monopoli schrieb:
am 6. Oktober 2011 um 20:06:00
(443)
(19)
Euro sollte Profit mehren
aber nicht den Wohlstand der deutschen Bürger. Nach der Einführung wurden die Preise 1:1 umgesetzt.Sämtliche
Konsumgüter kosten schlicht das Doppelte. Früher konnte man mit 3000 DM ganz gut leben, was sind heute 1500 Euro wert? Den Euro habe ich von Anfang an als Monopoligeld empfunden.
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Hausjeep schrieb:
am 6. Oktober 2011 um 20:02:52
(503)
(19)
Der Euro scheitert nicht, er ist schon längst gescheitert
Gleich bei der Einführung dieser Pleitewährung wurde alles um das Doppelte
teurer und jetzt, weil zahlen wir auch noch hunderte von Milliarden für die
Länder, die es als erste erwischt hat. Deutschland wird mit anderen Ländern ebenso ins Tal der Tränen folgen. Wenn diese neunmalklugen Politiker selbst vom schlimmsten ausgehen, warum ziehen sie nicht konsequent die Reißleine und führen wieder die ehemals sicherste Währung der Welt ein. Die DM !
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