
27.01.2012, 10:24 Uhr | Financial Times Deutschland
Kurz vor dem Monatsende zeichnet sich ab, dass die schuldengeplagten Euro-Staaten den ersten wichtigen Test des neuen Jahres am Kapitalmarkt mit Bravour bestanden haben. Viele Regierungen können sich zu deutlich geringeren Zinsen Geld leihen als noch in den letzten Wochen 2011, was ihre Haushaltslage deutlich entspannt. Allein am Donnerstag borgte sich Italiens Regierung problemlos 4,5 Milliarden Euro.
Der Grund für die Erholung ist für die meisten Beobachter eindeutig. "Viele Banken dürften das Geld, das sie sich bei der EZB geliehen haben, in Staatsanleihen angelegt haben", sagte Jürgen Michels, Europachefvolkswirt bei der Citigroup. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am 22. Dezember den Bankhäusern fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre verliehen. Die Währungshüter gaben als Ziel aus, damit die Verspannungen am Interbankenmarkt zu lindern, wo viele Institute aus den südlichen Krisenländern kurzfristig kein Geld mehr von anderen Banken bekommen. Auch sollte damit verhindert werden, dass die Geldhäuser ihre Kreditvergabe an die Industrie einschränken.
Doch viele Regierungen hatten gehofft, dass die Liquiditätsspritze auch ihnen zugutekommt. Diese Wette scheint nun aufzugehen. "Haben viele Anleger die Wirkung der EZB-Milliarden zunächst unterschätzt, setzen viele mittlerweile fast zu euphorisch große Hoffnungen darauf, dass sie die Krise lösen könnten", sagte Michels. So kommt die Euphorie und die Kauffreude der Banken den Euro-Ländern entgegen. Das ist umso wichtiger, als ihnen im Februar erneut kritische Momente bevorstehen. Allein Spanien und Italien müssen zusammen 70 Milliarden Euro an alten Anleihen tilgen und dafür mehr neue Staatsanleihen begeben als noch im jetzt zu Ende gehenden Monat.
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Italiens Regierung verkaufte am Donnerstag zweijährige Staatsanleihen für 4,5 Milliarden Euro. Sie musste den Investoren dafür nur 3,8 Prozent Rendite bieten. Das ist der geringste Zins für Anleihen dieser Laufzeit seit August vergangenen Jahres. Noch Ende Dezember hatte die Verzinsung bei 4,9 Prozent gelegen.
Bei einer Auktion von Anleihen mit Laufzeit bis September 2014 sammelte der Mittelmeerstaat weitere 500 Millionen Euro ein. Zeitweise sank die Rendite italienischer Anleihen zehnjähriger Laufzeit erstmals seit eineinhalb Monaten unter sechs Prozent.
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Am Montag will Italien die gute Stimmung ausnutzen und mit fünf- sowie zehnjährigen Papieren an den Kapitalmarkt kommen. Die Auktionen sollen mit weiteren Langläufern insgesamt bis zu acht Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Regierungschef Mario Monti versucht derzeit, mit Reformen und Einsparungen das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Das könnte freilich die Wirtschaftskrise verschärfen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt voraus, dass Italiens Wirtschaftskraft 2012 um 2,2 Prozent schrumpft.
Selbst Irland, das bei der Aufnahme neuer Mittel auf Hilfen der Euro-Staaten angewiesen ist, konnte einen Erfolg am Anleihemarkt vermelden. Das Land testete am Mittwoch, ob es 2013 wie angestrebt an den internationalen Kapitalmarkt zurückkehren kann. Dublin bot seinen Gläubigern an, 2014 fällige Papiere in neue zu tauschen, die die Regierung erst 2015 tilgen muss. Die Investoren tauschten rund 30 Prozent. Für die irische Schuldenagentur war es die größte Maßnahme, seit das Land seine Anleiheauktionen 2010 eingestellt hatte. Irlands Ministerpräsident Enda Kenny sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Der Anleiheumtausch kann als ein Vertrauenssignal gewertet werden." Er wisse aber um den weiten Weg, den sein Land noch vor sich habe.
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Und selbst für Ungarn, das nicht der Euro-Zone angehört, sanken die Kosten der Schuldenaufnahmen deutlich, nachdem das Land zum Jahreswechsel noch fast zehn Prozent Zinsen hatte zahlen müssen. Budapest hat Zoff mit der EU wegen eines Gesetzes, das Anfang 2012 in Kraft getreten war und die Unabhängigkeit der Notenbank beschneidet. Das Land ist aber dringend auf Hilfen des IWF angewiesen, die Verhandlung darüber stocken wegen des Streits mit der EU.
Am Donnerstag gab es nun einen Lichtblick: Für Anleihen verschiedener Laufzeiten musste Ungarn im Schnitt nur noch 8,6 Prozent zahlen nach 9,4 Prozent Anfang Dezember.
Wie fragil die Lage gleichwohl noch immer ist, zeigte sich am Donnerstag in Portugal. Laut Medienberichten musste die EZB am Markt eingreifen und portugiesische Staatsanleihen kaufen, um deren Zinsen zu drücken. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Anleihen war zuvor mit 15,1 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen, später sank sie wieder leicht.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Killerlausi schrieb:
am 31. Januar 2012 um 21:01:37
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aus der SZ kopiert: pervers...
Die Rechnung geht so: Eine Bank zahlt für den EZB-Kredit ein Prozent an Zinsen. Sie nimmt das Geld und kauft
eine italienische Staatsanleihe. Die wirft derzeit rund sechs Prozent ab. "Das ist geschenktes Geld, die Banken können allein an dem ersten EZB-Kredit in Höhe von 490 Milliarden Kredit rund 50 Milliarden Euro verdienen", sagt Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer der Assenagon Credit Management. Der renommierte Finanzprofi beobachtet an den Märkten, dass Banken mit dem billigen Not
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Kalkulator Euro schrieb:
am 29. Januar 2012 um 09:27:58
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Thema: "Europas Krisenstaaten borgen sich billiges Geld
Sich billiges Geld borgen, heißt aber auch das Geld zurück zu zahlen.
Wie soll
das gehen wenn für die Rückzahlung kein Geld vorhanden? Weiter Schulden machen? Oder?
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blinker schrieb:
am 27. Januar 2012 um 21:04:48
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Krisenstaaten
Klar kommt Euphorie auf, daß man sich wieder mit billigen Geld eindecken kann. Dieses Geld wird schnell in irgendwelche
dubiosen Kanäle verschwinden und die Staaatsverschuldung wird sich noch weiter erhöhen.
Der ganze Eurofluss ist derzeit nur auf auf das schnelle Geld aus, denn im Verlustfall wird der Euroschutzschirm schon einspringen. Die Krisenländer haben schnell gelernt und wissen, worauf es ankommt, auf abschöpfen ohne Rückzahlung.
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