Vor allem in Kleinstädten kämpfen Kaufhäuser ums Überleben (Foto: imago)Deutschlands Warenhäusern droht nach der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor eine Schließungswelle: Zwei Drittel der rund 200 Karstadt- und Kaufhof-Warenhäuser werden einer Studie des Handelsexperten Jörg Funder zufolge in den kommenden fünf Jahren schließen müssen. Vor allem Städten mit weniger als 200.000 Einwohnern droht der Verlust der Kaufhäuser.
"60 bis maximal 70 Warenhäuser in 45 Städten werden überleben", sagte der Professor am Institut für Internationales Handels- und Distributionsmanagement an der Fachhochschule Worms der "Wirtschaftswoche". Auf einer Prüfliste stünden 19 der 126 Karstadt Sport- und Warenhäuser, erklärte Schulz.
Doppelstandorte in kleinen Städten haben keine Chancen
Funder sieht dem Magazin zufolge lediglich in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern noch Chancen, dass sich Warenhäuser gegen Spezialisten und Billiganbieter behaupten können. Vor allem Doppelstandorte in kleineren Städten wie Hanau oder Gießen hätten auf Dauer keine Chance. Funder hat bis 2008 selbst für mehrere Handelsunternehmen, darunter Arcandor, gearbeitet.
Auch bei Kaufhof droht Warenhaussterben
Der Handelsexperte sieht mittelfristig kaum Perspektiven für die Karstadt-Häuser in kleineren Städten wie Flensburg, Neumünster, Wismar, Norderstedt, Iserlohn, Gütersloh, Goslar, Dessau, Bamberg, Bayreuth, Landshut, Rosenheim oder Memmingen. Stark betroffen seien zudem zahlreiche hessische Filialen mit Marburg, Gießen, Fulda oder Limburg. Auch bei Kaufhof erwartet der Handelsexperte ein Filialsterben in kleineren Städten. Langfristig stark gefährdet sind seiner Ansicht nach etwa Kleve, Wesel, Brühl, Euskirchen, Siegburg, Aschaffenburg, Schweinfurt, Coburg, Landau, Speyer und Bad Kreuznach.
Arcandor und Kaufhof weisen Studienergebnisse zurück
Arcandor und Kaufhof äußerten sich skeptisch zu den Ergebnissen der Studie. "Grau ist alle Theorie", kommentierte Thomas Schulz, Sprecher von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, den Bericht in der "Wirtschaftswoche". "Galeria Kaufhof und die Metro AG sind absolut davon überzeugt, dass ein gut gemanagtes Warenhaus, das sein Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, in Deutschland langfristig eine Zukunft hat", sagte eine Sprecherin der Galeria Kaufhof GmbH. Es gebe viele Studien mit völlig unterschiedlichen Aussagen zum Warenhaus. Das Warenhaus-Konzept behalte seine Rolle im deutschen Einzelhandel.