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Experten-Treffen: Fondsmanager fordern die EZB

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Experten-Treffen: Fondsmanager fordern die EZB

23.12.2011, 15:41 Uhr | t-online.de - mmr

Peter E. Huber, Jens Ehrhardt, Eckhard Sauren, Christoph Bruns und Klaus Kaldemorgen - v.l. (Foto: Sauren)

Peter E. Huber, Jens Ehrhardt, Eckhard Sauren, Christoph Bruns und Klaus Kaldemorgen - v.l. (Foto: Sauren)

Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren präsentierte anlässlich des 20jährigen Jubiläums seiner Fonds-Firma ein echtes Highlight: Vier Fondsmanager-Legenden, die den Investmentmarkt in den vergangenen 20 Jahren mit geprägt haben, diskutierten vor rund 250 geladenen Gästen aktuelle Entwicklungen sowie langfristige Trends. Die Schuldenkrise stand im Mittelpunkt, für deren Bereinigung hatten die Herren jedoch nur Forderungen an die EZB parat. Die Wirtschaftsredaktion von t-online.de war beim Fondsmanager-Gipfel vor Ort und fasst die Ergebnisse im folgenden kurz zusammen. Wer die gut 90-minütige Podiumsdiskussion nachträglich in voller Länge erleben möchte, kann das jetzt noch per Videostream in einer Aufzeichnung.

Keine Patentlösung

Das gab es in dieser Konstellation noch nie: Klaus Kaldemorgen, Christoph Bruns, Peter E. Huber und Jens Ehrhardt trafen sich erstmals gemeinsam zum Podiumsgespräch auf einer Bühne. Unter der Moderation von Eckhard Sauren diskutierten die vier Konkurrenten – allesamt Manager von weltweit anlegenden Aktienfonds – über die aktuelle Entwicklungen an den Märkten und wie die Zukunft aussehen könnte. Wer allerdings Rezepte zur Lösung der Schuldenproblematik erwartete, wurde enttäuscht. Keiner der Fonds-Größen hatte eine Patentlösung parat, drei von ihnen plädierten fast hilflos für den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank EZB.

Wahl zwischen Pest und Cholera

DWS-Manager Kaldemorgen verglich die Alternativen zur Eindämmung der Schuldenkrise mit der Wahl zwischen Pest und Cholera. "Entweder die EZB kauft die Schulden auf oder die Staaten zahlen die Schulden nicht zurück", prognostizierte Kaldemorgen. Die Folgen: In den nächsten zehn Jahren weniger Wachstum und höhere Inflation.

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Guter Vorschlag des Sachverständigenrates

Huber erwiderte, dass eine Schuldenkrise nicht durch immer mehr Schulden gelöst werden könne. Er verwies auf einen Vorschlag des Sachverständigenrates: "Für bestimmte Teile der Verschuldung solle eine Gesamthaftung eintreten, bei der alle haften, damit sich alle refinanzieren können", so Huber. Das würde zwar in Deutschland die Zinsen erhöhen, "was wir aber am ehesten verkraften könnten". Damit ließe sich zumindest eine Beruhigung an den Märkten erreichen.

Jahrelang niedrige Zinsen?

Jens Ehrhardt sah "quantitative Easing wohl als einzige Lösung". Gemeint hat er damit, dass die EZB (nach dem Beispiel der Bank of Japan vor gut zehn Jahren) die Leitzinsen rasch auf Null senkt und auch nach Jahren ohne Wirtschaftswachstum nicht nur den Leitzinssatz bei Null hält, sondern die Banken mit Zentralbank-Reserven förmlich zuschüttet. Dazu sollen im Markt Staatsanleihen gekauft und in die Bilanz genommen werden.

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Bruns empfiehlt Aktien

Loys-Manager Christoph Bruns versuchte zu beruhigen. "Solange uns die USA nicht um die Ohren fliegen, bleibt die Euroland-Krise in Grenzen", sagte der ehemalige Lenker von Union Investment. Den privaten Sparern empfahl er statt Festgeld Unternehmensbeteiligungen (also Aktien) und in kleinerem Maßstab Gold.

Aktien kaufen - aber erst später

Auch Peter E. Huber glaubt an Aktien. "Ich kaufe Aktien in der Rezession", schränkte aber gleichzeitig den aktuellen Kaufzeitpunkt ein. "Wir steuern ja auf eine Rezession zu." Will heißen: Ausgewählte Aktien sind als Investment in der Krise gut, doch ein günstigerer Zeitpunkt steht noch bevor. Für Huber sind auch erstklassige Unternehmensanleihen eine geeignete Alternative, Geld zu parken. "Kurze Restlaufzeiten von ein bis zwei Jahren sind sicher", so der Chef-Volkswirt bei der Vermögensverwaltung Starcapital. Und sie böten recht sichere Renditen von acht bis neun Prozent. Für Ehrhardt sind zudem kurzlaufende Bundesanleihen ein Investment wert.

Goldpreis schon zu stark gestiegen?

Dem relativen Einklang der Experten in Bezug auf Aktien und Bundesanleihen stand eine gewisse Uneinigkeit zum Gold gegenüber. Für Huber, Kaldemorgen und Bruns ist der Goldpreis in den vergangenen Jahren schon zu stark gestiegen. Nur Ehrhardt glaubt wegen jüngst gemachter Erfahrungen in Asien an weitere Preissteigerungen. Während eines Vortrags in Hongkong outeten sich nur wenige der dort anwesenden tausend Fondsmanager als Gold-Käufer.

Globale Wirtschaftskrise?

Die Antworten der Fondsexperten auf Fragen aus dem Publikum machten vielen Zuhörern ein wenig bange. Klaus Kaldemorgen prophezeite, dass in Europa das Chaos ausbrechen werde, wenn der Euro scheitert und die alten Währungen wieder eingeführt werden. Mit Blick auf die allgemeine Krisenlage in der Welt glaubt Bruns nicht, dass wir es mit der "Mutter aller Krisen" zu tun bekommen. Ehrhardt sieht jedoch die schwerste Krise in seiner Laufbahn (seit 1968) kommen. Und Huber sagte: "Etwas unbestimmt Großes kommt auf uns zu." Kaldemorgen machte jedoch auch Mut: "Wenn das Finanzsystem am Ende ist, wird sich eine gute Wirtschaft wieder aufrappeln. Ich bin optimistisch, dass wir's schaffen."

Wer den Sauren Fondsmanager-Gipfel nachträglich noch anschauen möchte, findet einen entsprechenden Link hier: Aufzeichnung


Quelle: t-online.de , mmr

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