Kein Aufschwung in der Eurozone?Die weltweite Rezession hat die europäische Wirtschaft weiter fest im Griff. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet erst von Mitte 2010 an wieder positive Wachstumsraten im Euro-Raum. Immerhin, die Verbraucher können in den kommenden Monaten weiter mit sinkenden Preisen rechnen. #
In den kommenden Monaten wird sich die Wirtschaftstätigkeit laut EZB weiter negativ entwickeln. Allerdings dürfte der Abschwung im weiteren Verlauf des Jahres weitaus weniger schwach ausfallen, als dies noch im "extrem schwachen" ersten Quartal der Fall war. Zu diesem Ergebnis kommen die europäischen Währungshüter in ihrem neuesten Monatsbericht für den Juni.
IfW erwartet geringes Wachstum 2010
Mit ihren Prognosen liegt die EZB auf einer Linie mit der Bundesbank und Wirtschaftsforschungsinstituten wie dem Institut für Weltwirtschaft (IfW). Auch die Wirtschaftsforscher gehen von einem Anhalten der Rezession aus. Aber auch das IfW geht davon aus, dass die Konjunktur 2010 wieder anzieht. Für das kommende Jahr erwartet das IfW "einen sehr moderaten Anstieg" um 0,4 Prozent. Bisher hatte das Institut für 2010 einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet.
EZB mahnt Haushaltskonsolidierung an
Ein großes Problem für die Wirtschaft und Haushalte stellen für Forscher die enormen Staatsschulden infolge der teueren Konjunkturpakete dar. Einmal mehr mahnten die Währungshüter die Regierungen, die Verschuldung sobald wie möglich zurückzufahren. Die meisten Euroländer würden in diesem und im kommenden Jahr Defizitquoten oberhalb des Referenzwertes von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausweisen, schrieb die EZB. Um das Vertrauen in die öffentlichen Finanzen zu gewährleisten, seien "ehrgeizige und glaubwürdige Anpassungsanstrengungen" erforderlich. Das rasche Erreichen einer soliden Haushaltslage sei Voraussetzung, die Belastungen aus der Bevölkerungsalterung und die Risiken aus der Stützung des Finanzsektors bewältigen zu können.
Weitere niedrige Inflationsraten
Nach der Inflationsrate von 0 Prozent im Mai erwarten die Währungshüter für die kommenden Monate vorübergehend negative Teuerungsraten, bis sich der Trend zum Jahresende wieder umkehre. Wesentlicher Grund seien Basiseffekte der teils extrem hohen Rohstoffpreise aus dem Vorjahr. Aus geldpolitischer Sicht seien die kurzfristigen Bewegungen aber nicht relevant. Die Inflationserwartungen seien weiterhin fest auf einem Niveau verankert, das im Einklang mit dem Stabilitätsziel der EZB stehe. Danach soll die Preissteigerung mittelfristig unter, aber nahe an zwei Prozent liegen.