03.11.2011, 16:08 Uhr | dpa, t-online.de - mmr
Paukenschlag unter dem neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi: Der Rat der Europäischem Zentralbank senkte überraschend gleich bei der ersten Sitzung unter Vorsitz des Italieners den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Zwar hatten sich viele Marktteilnehmer eine Zinssenkung gewünscht, weil die Schuldenkrise lodert und die Konjunktur lahmt. Doch die meisten Ökonomen hatten wegen der aktuell hohen Inflation nicht damit gerechnet. Der DAX schoss nach der Zinssenkung auf ein neues Tageshoch bei knapp 6200 Prozent, verbilligte sich später jedoch wieder.
Die Inflation im Euro-Raum liegt mit 3,0 Prozent derzeit weit über dem Zielwert der Währungshüter von knapp unter zwei Prozent. Das spricht eher für höhere Zinsen, die Investitionen und Konsum bremsen. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite. Das erhöht die Investitionsneigung von Unternehmen und die Konsumfreude der Verbraucher - und kann so die Konjunktur ankurbeln. Zugleich befeuern niedrige Zinsen aber die Inflation. Draghi erwartet im kommenden Jahr allerdings sinkende Inflationsrisiken. Die Inflation dürfte in 2012 unter die Marke von 2,0 Prozent sinken.
Der Euroraum bewegt sich laut EZB-Chef zum Jahresende hin auf eine leichte Rezession zu. Draghi begründete diese Einschätzung zum einen mit zuletzt schwachen Fundamentaldaten. Zudem nannte er Frühindikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes, die unlängst deutlich nachgegeben haben. Die Inflationsrisiken seien unterdessen ausgeglichen.
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Weil niedrigere Zinsen besonders den Schuldensündern Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Italien helfen, könnte die Zinssenkung den neuen EZB-Präsidenten als von der Politik gelenkte Figur erscheinen lassen. Besonders in Deutschland könnte jetzt Kritik auf Draghi zukommen. "Die überraschende Zinssenkung zeigt, wie ernst die EZB Anzeichen nimmt, dass sich die Wirtschaft im kommenden Jahr eintrüben könnte," sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er hatte mit einer Zinssenkung frühestens in der Dezembersitzung gerechnet.
"Die Zinssenkung hilft ganz besonders den Immobilienmärkten in Portugal, Irland und Spanien", sagte der Münchner UniCredit-Ökonom Andreas Rees. Auch er glaubt, dass die Inflation im Euroraum in den nächsten Monaten nicht steigen wird.
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Draghi betonte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt die Unabhängigkeit der Währungshüter: "Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es."
Auf dieser Basis will die EZB auch den Aufkauf von Staatsanleihen vorerst fortsetzen. Draghi betonte zwar - wie schon sein Vorgänger Jean-Claude Trichet - das Programm sei vorübergehend und in seinem Umfang begrenzt. Die Sondermaßnahme sei aber damit gerechtfertigt, dass die EZB dadurch ihre Geldpolitik am Laufen halte. "Wir wollen, dass unsere Geldpolitik funktioniert", erklärte der Italiener.
Die EZB hatte unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet wegen gestiegener Risiken für die Preisstabilität den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld zuletzt zwei Schritten von 1,0 auf 1,5 Prozent angehoben. Als sich die Schuldenkrise verschärfte und am Konjunkturhimmel schwarze Wolken aufzogen, legten die Währungshüter in den vergangenen Monaten eine Zinspause ein.
Am Abend will Draghi zum G20-Gipfel nach Cannes reisen, um sich in die Beratungen der Staats- und Regierungschefs über die wieder aufgeflammte Griechenland-Krise einzuschalten.
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Quelle: dpa , t-online.de
Werner schrieb:
am 3. November 2011 um 18:38:25
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EZB Leitzins gesenkt
Mir hat meine Sparkasse Heute geschrieben das der Zinssatz, für mein Hypotheken Darlehen mit flexiblen Zinsen, das
leider aufgrund der Zinsentwicklung meine Zinsrate erhöht wird und das satt..tja der kleine zahlt eben immer drauf.
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Peter § schrieb:
am 3. November 2011 um 18:34:35
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Ein Italiener
Merkwürdig wenn ein Südländer (Italiener) EZB-Präsident wird. Hätten ja gleich nen Griechen nehmen können.
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Mario schrieb:
am 3. November 2011 um 18:27:19
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Zinspolitik
Überschuldung in allen €-Ländern, Inflation, Konjunktur schwächelt und der Leizins ist bei 1%. Es gibt für die EZB keine
großen Spielräume mehr um die Konjunktur anzukrubeln. Die Rahmenparameter erinnern ein wenig an die Lage in den USA. Man hätte in der Boomphase die Zinsen erhöhen müssen. Ging aber nicht weil div. Länder der €-Zone kaum Wachstum hatten. Das Nächste was uns der € bescheren wird ist eine Wachstumskrise.
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