02.02.2012, 12:29 Uhr | dpa-AFX, dapd
Überraschung an der Wall Street: Facebook startet seinen Börsengang einem Zeitungsbericht zufolge mit angezogener Handbremse. Die angepeilten Einnahmen lägen zunächst bei fünf Milliarden Dollar, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Bislang hatten Börsianer zehn Milliarden Dollar erwartet. Die Summe kann sich aber noch ändern.
Facebook dürfte nun umgehend den ersten Schritt auf seinem Weg an die Börse gehen: Nach übereinstimmenden US-Medienberichten wird im Laufe des heutigen Tages die Veröffentlichung des Börsenprospekts erwartet, der die potenziellen Investoren mit den Geschäftszahlen des Unternehmens vertraut macht.
In dem Börsenprospekt stehen auch die erwarteten Einnahmen aus dem Verkauf eines ersten Schwungs an Aktien - die erwähnten fünf Milliarden Dollar. Die Summe ist aber nicht viel mehr als ein Anhaltspunkt. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und falls genügend Nachfrage besteht später den Preis erhöhen.
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Doch selbst mit fünf Milliarden Dollar wäre Facebook immer noch einer der größten Internet-Börsengänge aller Zeiten. Suchmaschinenprimus Google kam bei seinem Börsengang im Jahr 2004 auf Einnahmen von 1,7 Milliarden Dollar. Zusammen mit den Aktien, die bei den Alteigentümern verblieben, lag die Gesamtbewertung damals bei 23 Milliarden Dollar. Bis heute sind daraus 189 Milliarden Dollar geworden.
US-Medien gingen bislang davon aus, dass Facebook beim Börsengang mit 75 bis 100 Milliarden Dollar bewertet wird (57 bis 76 Milliarden Euro). Damit würde der Senkrechtstarter vom Firmenwert her in einer Liga mit dem Autokonzern VW oder dem Industriemulti Siemens spielen.
Einem Zeitungsbericht zufolge könnte es schon bald dazu kommen. Es wäre möglicherweise der größte Börsengang in der Geschichte der USA. zum Video
Von der Vorlage des Börsenprospekts bis zum eigentlichen Gang an die Börse kann es aber noch Monate dauern. In dieser Zeit wirbt die Facebook-Führung um Gründer Mark Zuckerberg bei Investoren für ihr Unternehmen. Hilfe erhält Zuckerberg dabei von der US-Investmentbank Morgan Stanley ; laut US-Medienberichten steht das Wall-Street-Haus endgültig als federführende Bank fest.
Unklar ist nach Informationen des "Wall Street Journal" allerdings noch die Börse, an der Facebook gelistet wird. Infrage kommen die altehrwürdige New York Stock Exchange (NYSE) und die vergleichsweise junge Technologiebörse Nasdaq. Letztere besitzt keinen klassischen Parketthandel. Facebook könnte sich mit der Entscheidung Zeit lassen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eingeweihte Personen. In die Entscheidung fließen etwa die Kosten für eine Listung ein.
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Unterdessen hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar Online-Nutzer davor gewarnt, dem US-Konzern zu viele Daten preiszugeben. "Man soll von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus im Netz präsent sein", mahnte Schaar im Fernsehsender Phoenix mit Blick auf die Funktion "Chronik", die Facebook derzeit auch den gut 20 Millionen deutschen Nutzern aufzwingt. "Damit kann die kulturelle Errungenschaft des Vergebens und Vergessens verschwinden."
Schaar erinnerte zudem daran, dass Facebook bis heute keine Daten löscht: «Es macht sie nur unsichtbar.» Das Netzwerk habe zwar angekündigt, dies zu ändern, aber nach wie vor nicht gehandelt. Der Bundesbeauftragte bedauerte zudem, dass sich der US-Konzern der Diskussion entziehe und deshalb unter anderem nicht an Talkshows im TV teilnehme. Er forderte den Konzern auf, sich Kritik zu stellen.
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Quelle: dapd , dpa-AFX
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