26.06.2009, 10:55 Uhr | Financial Times Deutschland
Opel: Fiat ist sauer auf Berlin und fühlt sich ausgetrickst (Quelle: dpa)Nach langen Verhandlungen stiegen die Italiener frustriert aus dem Bieterrennen aus. Auch, weil sie im Gegensatz zu Magna keinen kurzfristigen Kredit geben wollten. Doch auch die Österreicher zahlten nicht. Fiat fühlt sich nun hinters Licht geführt - und glaubt weiter an seine Chance.#
Fiat ist offenbar frustriert über den Bieterprozess um Opel: Der Konzern sei verärgert, dass der Investor Magna nun doch nicht jene 300 Millionen Euro zahlen müsse, die zur unmittelbaren Rettung von Opel notwendig waren, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Unter anderem wegen dieser Forderung war Fiat aus den Verhandlungen ausgestiegen.
Kurzfristiger Finanzbedarf
In der vergangenen Woche war ein kurzfristiger Finanzbedarf von 300 Millionen Euro bei Opel aufgetaucht, um den deutschen Autobauer vor der unmittelbar drohenden Insolvenz zu retten. Magna hatte angeboten, diese Summe zu übernehmen.
Auch BAIC noch an Einstieg interessiert
Am vergangenen Dienstag gaben dann jedoch Bund und Länder die erste Finanzspritze aus dem staatlich verbürgen Kredit von 1,5 Milliarden Euro. Dem Vernehmen nach sind Fiat und auch der chinesische Hersteller BAIC dennoch weiter an einem Einstieg bei Opel interessiert.
Übernahme noch nicht abgeschlossen
Denn auch mit Magna scheint noch nicht alles in trockenen Tüchern zu sein. Noch am Dienstag hielt sich der Zulieferer eine Hintertür offen und wollte die Rettung des Traditionsunternehmens nicht garantieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach zuletzt von Magna nur noch als "potenziellem Investor". Denn vieles in der Vereinbarung mit dem Zulieferer sei noch nicht bindend. Magna will nach eigenen Angaben in vier bis fünf Wochen einen Kaufvertrag unterzeichnen.
Berlin weiter offen für Bieter
Am Mittwoch legte die Bundesregierung nochmals nach. Berlin sei auch nach der vorläufigen Einigung mit Magna weiter offen für andere Bieter. Die Verhandlungen mit Magna befänden sich "derzeit nur im Stadium eines Vorvertrages", sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Sowohl für den bisherigen Opel-Mutterkonzern General Motors als auch für die Bundesregierung sei klar, dass der Prozess weiterhin für alle Interessenten offen sei.
Italiener hoffen noch auf Übernahme
Nach Einschätzung der italienischen Regierung hat der Konzern aus Turin dabei noch gute Chancen auf eine Opel-Übernahme. Äußerungen der deutschen Regierung bedeuteten hoffentlich, dass die Entscheidung zugunsten Magnas in einem halben Jahr überprüft werde, sagte Industrieminister Claudio Scajola.