Fiat übernimmt 35 Prozent von US-Autokonzern Chrysler
20.01.2009, 18:18 Uhr | fre/ mmr
Chrysler steht am Rande des Abgrunds. (Bild: ddp)Angesichts der dramatischen Talfahrt auf dem Automarkt steigt der italienische Autobauer Fiat beim notleidenden US-Hersteller Chrysler ein. In einem ersten Schritt soll Fiat 35 Prozent an dem drittgrößten US-Hersteller übernehmen. Die Unternehmen unterzeichneten eine entsprechende vorläufige Vereinbarung, wie Chrysler am Dienstag in Auburn Hills mitteilte.
"Das ist ein erster Schritt", sagte Fiats Vize-Präsident John Elkann in Mailand. "Die Vereinbarung ist gut, viele Dinge sind im Entstehen, und wir können einsteigen." Dieser Weg sei angesichts der gegenwärtigen Marktbedingungen wichtig. Fiat-Chef Sergio Marchionne erläuterte, beide Unternehmen seien durch das Zusammengehen in der Lage, wichtige Märkte zu erschließen. Weltweit würden nur sechs Autokonzerne die beispiellose Krise überleben, Fiat brauche deshalb einen Partner, hatte der 56-Jährige unlängst erklärt. Er stehe vor dem schwierigsten Jahr seines Lebens, meinte er.
Fiat-Aktie vorübergehend ausgesetzt
Beide Hersteller leiden stark unter der weltweiten Talfahrt am Automarkt und der Konjunkturkrise. Das strategische Bündnis soll Fiat und Chrysler gegen die Konkurrenz globaler Wettbewerber wie etwa Toyota und Volkswagen stärken und somit das Überleben sichern. Die am Morgen vom Handel ausgesetzte Fiat-Aktie legte daraufhin an der Mailänder Börse innerhalb der ersten Minuten nach Wiederzulassung deutlich zu.
Chrysler hängt am Tropf des Staates
Die Allianz benötige noch die Zustimmung der US-Regierung, hieß es weiter. Chrysler kann derzeit nur mit Hilfe eines milliardenschweren staatlichen Notkredits überleben. Fiat bezahlt den Anteil den Angaben zufolge nicht mit Bargeld. Stattdessen bekommt Chrysler Zugang zu Fiat-Technologie für den Bau vor allem von Kleinwagen. Im Gegenzug will sich Fiat auch den amerikanischen Markt für seine Klein- und Mittelklassewagen erschließen. Beide Hersteller wollen sich überdies ihre Vertriebsnetze gegenseitig zur Verfügung stellen.
Daimler hält noch 20 Prozent
Chrysler gehört derzeit zu gut 80 Prozent dem US-Finanzinvestor Cerberus. Den restlichen Anteil hält noch der deutsche Daimler-Konzern. Daimler will den Anteil schnellstmöglich verkaufen, wie der Konzern am Dienstag nochmals bekräftigte. Bisher konnte sich Daimler aber mit Cerberus beim Preis nicht einigen. Daimler begrüße jede Initiative, die geeignet sei, die Lage bei Chrysler zu stabilisieren und Arbeitsplätze des Autobauers zu sichern, sagte die Sprecherin.
Fiat stellt seine Technologie zur Verfügung
Fiat bezahlt für den Einstieg bei dem US-Konzern keinen Cent, sondern stellt lediglich seine Technologie zur Verfügung. Ein späterer Ausbau des Fiat-Anteils wurde deshalb nicht ausgeschlossen. Nach Medienberichten ist eine Beteiligung von 55 Prozent angedacht. Fiat und Chrysler führten laut Medienberichten bereits seit dem vergangenen Sommer grundsätzliche Gespräche über eine Kooperationen bei Verkauf und Produktion. Auch bei mehreren anderen Autobauern klopfte Chrysler wegen Partnerschaften an. Chrysler ist außerhalb Nordamerikas bislang nur sehr schwach vertreten - mehr als 90 Prozent seiner Autos verkauft der US-Hersteller auf dem Heimatmarkt.
Fiat bekommt Zugang zum US-Massenmarkt
Zur Fiat-Gruppe gehören neben den Marken Fiat, Alfa und Lancia auch Ferrari und Maserati. Die Italiener sind in den USA bisher nicht mit ihren Massenmodellen vertreten. Chrysler hat umgekehrt bei kleineren Autos kaum etwas zu bieten. Die Amerikaner setzten lange Zeit vor allem auf große und wenig sparsame Wagen. Die Verkaufszahlen brachen bei Chrysler im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent ein. Fiat hat sich angesichts der schwachen Konjunktur auf starke Einbußen 2009 eingestellt, verbunden mit einem Gewinneinbruch. Der Fiat-Verwaltungsrat tagt am Donnerstag.