
05.09.2011, 13:01 Uhr | Spiegel Online
Blickt der Finanzsektor in eine düstere Zukunft? (Quelle: AP)
Die Börsen straucheln, der US-Arbeitsmarkt lahmt, es droht eine neue Rezession. Jetzt spüren auch Großbanken die Folgen der Krise: Sie haben viel zu wenig Geld zurückgelegt, kämpfen mit gigantischen Risiken, und nun ermitteln auch noch US-Behörden. Die goldene Ära der Finanzindustrie geht zu Ende.
Es gab einmal eine Zeit, da waren die Investmentbanker die Größten - zumindest fühlten sie sich so. Die Wirtschaft brummte, die Finanzmärkte auch - und die Banken verdienten gigantische Summen. Wenn es doch einmal langweilig wurde, schwatzten die jungen Männer in den dunklen Anzügen den Herren aus der richtigen Wirtschaft eine Fusion oder eine Übernahme auf - jedenfalls irgendetwas, womit sich noch mehr Geld machen ließ. Die Deutsche Bank etwa erwirtschaftete damals zeitweise mehr als 40 Prozent Rendite auf ihr Eigenkapital.
Diese goldenen Zeiten liegen gar nicht so lange zurück. 2007 war für viele große Banken ein Rekordjahr. Und sogar 2010 - als die Krise kurz Pause zu machen schien - fuhren die meisten großen Institute in Europa und den USA wieder gigantische Gewinne ein. Doch mittlerweile ist die Branche in die Krise geraten. Die Gewinne gehen zurück, die Aktienkurse sind seit Wochen im Sturzflug - und die Regulierungsbehörden stellen immer höhere Hürden auf. Der einst glanzvollen Bankenwelt steht eine düstere Zukunft bevor.
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Damit geht es der Finanzindustrie auch nicht mehr besser als dem Rest der Wirtschaft. Weltweit brechen die Aktienkurse ein, der US-Arbeitsmarkt lahmt, Ökonomen fürchten eine neue Rezession. Bisher waren die Finanzinstitute davon noch einigermaßen unbeeindruckt - doch damit scheint es nun vorbei zu sein. Zum Teil wetten Hedgefonds sogar schon gegen deutsche, britische und amerikanische Banken.
Eine ganze Reihe von großen Banken hat massive Stellenstreichungen angekündigt: die britischen Geldinstitute Barclays und HSBC, die Schweizer UBS und Credit Suisse sowie die US-Häuser Goldman Sachs und Bank of America. Wie es aussieht, könnte auch die Deutsche Bank bald in diesen illustren Club aufgenommen werden. Die "Financial Times Deutschland" meldet, dass das größte deutsche Geldhaus im kommenden Jahr womöglich ein Sparprogramm auflegen muss - Stellenabbau inklusive.
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Was ist passiert, dass die glitzernde Bankenwelt so aus den Fugen geraten konnte? Herbert Walter ist einer, der es wissen muss. Bis Ende 2008 war er Chef der Dresdner Bank, die inzwischen mit der Commerzbank fusioniert ist. Heute arbeitet er als selbstständiger Berater für die Branche. "In vielen Geschäftsbereichen, die vom Finanzmarkt abhängen, sinken derzeit die Erträge", sagt Walter. "Um das aufzufangen, müssen die Banken die Kosten drücken."
Die Zeit von Mitte 2009 bis Anfang 2011, als die Banken am Aufschwung an den Finanzmärkten gut verdienten, sieht der Experte als eine Art künstlich herbeigeführtes Zwischenhoch. "Seit Beginn der Finanzkrise wurden die Konjunktur und die Kapitalmärkte massiv von Staaten und Notenbanken gestützt. Es musste jedem klar sein, dass das irgendwann mal ein Ende haben wird. Und dieses Ende rückt definitiv näher."
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Die Liste der Probleme ist lang. In Europa setzt die Eurokrise den Banken zu: Die Staatsanleihen der überschuldeten Länder wie Griechenland, Portugal, Irland oder Italien haben massiv an Wert verloren. Da gerade viele europäische Banken solche Anleihen in ihren Büchern haben, fürchten sie Verluste - und trauen sich teilweise gegenseitig nicht mehr über den Weg.
Die US-Institute dagegen kämpfen mit den Klagen und Schadensersatzforderungen der heimischen Behörden: Im Zuge der juristischen Aufarbeitung der US-Immobilienkrise von 2007 und 2008 mussten einige Banken bereits hohe Vergleichzahlungen leisten. Auch gegen die Deutsche Bank und deren US-Töchter laufen diverse Klagen.
All das geht vorüber. Die Kosten werden irgendwann verdaut sein. Was dagegen wohl bleiben wird sind die neuen Regeln, mit denen die Aufseher in aller Welt eine Wiederholung der Finanzkrise verhindern wollen - und mit denen sie die Verdienstmöglichkeiten der Investmentbanken erheblich einschränken.
Den Instituten machen vor allem die steigenden Kapitalanforderungen zu schaffen, die die Bankenaufseher der Welt im neuen Regelwerk Basel III festgehalten haben: In einem Stufenplan müssen die Banken ihr Eigenkapital bis 2019 deutlich erhöhen. Entsprechend wird es schwerer, die hohen Renditen auf dieses Kapital beizubehalten. Zudem müssen als Lehre aus der Krise einige Risiken neu bewertet und entsprechend stärker mit Eigenkapital unterlegt werden. Auch das kostet die Banken Rendite.
Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden die europäischen und amerikanischen Großbanken im Kapitalmarktgeschäft deshalb künftig deutlich weniger Geld verdienen als bisher. Demnach kommen die 13 größten Banken Europas und der USA derzeit auf eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent. Künftig, so schätzen die McKinsey-Experten, werde diese Rendite auf elf bis 14 Prozent sinken.
Schon jetzt haben die ersten Institute Probleme: "Die Investmentbanken bekommen die Regulierung zu spüren", sagt Dirk Schiereck, Finanzexperte an der TU Darmstadt. "Wegen der gestiegenen Kapitalanforderungen schaffen es einige derzeit nicht mehr, große Transaktionen zu stemmen." Ex-Banker Walter sieht gewaltige Kosten auf die Institute zukommen. "Die neuen Regeln und das gestiegene Misstrauen der Märkte zwingen die Banken dazu, mehr langfristiges Eigenkapital und mehr kurzfristige Liquidität vorzuhalten - beides kostet richtig Geld."
Langfristig, da sind sich die Experten einig, wird die Branche deutlich schrumpfen müssen - auch als Folge der Krise: "Es wird Luft aus der Finanzindustrie rausgelassen", sagt Walter. "Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen war in den vergangenen Jahren bei vielen Banken in Europa zu hoch." Gerade in Krisenländern müssten deshalb nun viele Banken ihr Kreditvolumen zurückfahren. "Dabei sinken natürlich auch die Erträge."
Ob die Banken jemals wieder die gigantischen Gewinne von 2007 erreichen werden, hängt auch davon ab, wie stark sie die Kosten drücken können - vor allem die Personalkosten. Der scheidende Bank-Chef Josef Ackermann hat jedenfalls noch ehrgeizige Ziele: Er will sein Abschiedsjahr 2011 mit einem Gewinn von zehn Milliarden Euro vor Steuern beenden - es wäre ein neuer Rekord.
Quelle: Spiegel Online
Toni Schuler schrieb:
am 5. September 2011 um 21:17:06
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Finanzindusdrei
Hoffentlich geht es den größten Verbrechern endlich an den Kragen!!!!
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millima schrieb:
am 5. September 2011 um 09:47:34
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finanzindustrie
tja,gemeinnutz geht vor eigennutz.... hieß es mal, doch wer hält sich noch daran...der werfe den ersten stein! leben und
leben lassen sollte wieder sein,dann würde auch nicht der artikel 1 der verfassung durch hartz 4 mit füßen getreten werden.... doch demokratie ist mehr ,man kann etwas ändern-das erfordert aber teilnahme und wenn ich sehe das die wahlbeteiligung in mcpom wieder nur ca 50% betrug gibt der "elite" recht ...der "pöbel" ist zu dumm .ich melde mich jetzt bei
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Gerhart schrieb:
am 4. September 2011 um 17:53:02
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Banken
wer leiht mir geld zu 0% zinsen.wer leiht mir geld möchte mir ein haus bauen zu0% zinsen.
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