Bankenpräsident Müller räumt Fehler der Branche ein
vom Tue Oct 14 08:56:22 CEST 2008 | aktualisiert am Tue Oct 14 17:18:02 CEST 2008 | lgs
Der Präsident des Bankenverbands: Klaus-Peter Müller (Foto: dpa)Der Präsident des Bankenverbands, Klaus-Peter Müller, hat Fehler deutscher Institute im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise eingeräumt. "Keine Frage, wir haben Fehler gemacht, das gestehe ich freimütig ein", sagte er der "Bild"-Zeitung zufolge und fügte hinzu: "Aber von Pauschalverurteilungen halte ich gar nichts." Die große Mehrheit der Banker mache gute Arbeit und habe sich nichts vorzuwerfen. Gleichwohl hätte man nicht zulassen dürfen, "dass Finanzprodukte so kompliziert werden, dass der Kunde sie nicht mehr versteht".
Zudem sei im Zusammenhang mit der Immobilienkrise in den USA vieles nicht richtig geprüft und bewertet worden. Man habe sich zu sehr auf das Urteil der Ratingagenturen verlassen, erklärte Müller, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank ist. In dem von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten 500-Milliarden-Rettungspaket sieht er "das Signal zur Wende". Es werde dazu beitragen, "dass sich die Märkte jetzt beruhigen". Er appellierte an alle Marktteilnehmer, "die Chance der Stabilisierung jetzt beim Schopf zu packen" und nicht alles zu zerreden. Das wäre fatal.
Für die deutsche Wirtschaft besteht nach seinen Worten im kommenden Jahr jedoch die Gefahr einer Rezession: "Wenn die weltweite Nachfrage spürbar nachlässt, wird sich das natürlich auf die deutsche Konjunktur auswirken. Die Gefahr einer Rezession ist da", sagte er dem Blatt zufolge. "Aber wir haben auch sehr gute Jahre hinter uns, und mit einer Abschwächung des Wachstums war ohnehin zu rechnen."
Verbot unverständlicher Finanzprodukte
Der DGB forderte hingegen bereits gestern ein Verbot unverständlicher Finanzprodukte. Darüber hinaus solle "geprüft werden, ob Manager, die sich schuldig gemacht haben, in Zukunft schneller persönlich und finanziell zur Rechenschaft gezogen werden können", sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, dem "Tagesspiegel".