Commerzbank und ING sollen angeblich Töchter verkaufen (Foto: ddp)Die europäischen Großbanken geraten offenbar ins Visier der Europäischen Union – die fordert wegen der enormen Staatsgelder den Verkauf von Tochtergesellschaften: Zum einen will sich laut einem Pressebericht der niederländische Finanzkonzern ING Groep auf Druck aus Brüssel von seiner profitablen Deutschland-Tochter DiBa trennen. Die ING dementierte dies inzwischen. Zum anderen ist die Commerzbank laut einem anderen Bericht bereit, für eine Genehmigung ihrer milliardenschweren Staatshilfen massive Zugeständnisse machen. Diskutiert würden derzeit die Trennung vom gesamten Osteuropa-Geschäft sowie der Verkauf des Immobilienfinanzierers Eurohypo.
Ein Sprecher der ING hat mittlerweile einen Artikel der "Financial Times Deutschland" (FTD) zurückgewiesen. Die FTD hatte berichtet, der Konzern stelle auf Druck der Kommission seine Deutschland-Tochter auf den Prüfstand. Eine Entscheidung, ob die DiBa oder andere Töchter verkauft würden, sei allerdings noch nicht gefallen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. In einer Aufsichtsratssitzung der ING-Sparte ING Direct habe es vergangene Woche geheißen, dass ein Verkauf von ING Direct oder einzelner Teile wie ING-DiBa zumindest derzeit nicht geplant sei. Trotz des Dementis zeigte sich die Börse skeptisch: Der mögliche Verkauf der profitablen Tochter ließ die ING-Aktie um 5,6 Prozent auf fünf Euro fallen.
DiBa schreibt Gewinne
Die ING-DiBa ist mit 6,7 Millionen Kunden die größte Direktbank in Deutschland und hat in den vergangenen Jahren konstant Gewinne abgeworfen. 2008 waren es vor Steuern 412 Millionen Euro. Die Bank ist zur Refinanzierung nicht auf die Kapitalmärkte angewiesen, ihr Einlagevolumen lag Ende 2008 bei 64,4 Milliarden Euro. In Finanzkreisen gilt es der FTD zufolge daher als wahrscheinlich, dass ING die Deutschland-Tochter nur aufgrund massiven Drucks durch die EU-Kommission aufgeben würde.
Zehn Milliarden für die ING
Der ING-Konzern hatte 2008 von den Niederlanden eine zehn Milliarden Euro schwere Finanzspritze erhalten. Später übernahmen die Niederlande eine Abschirmung für Risikopapiere von ING im Nennwert von 27,7 Milliarden Euro. Die EU-Kommission genehmigte diese Unterstützung zwar vorläufig. ING muss jedoch in den kommenden Wochen einen Umstrukturierungsplan vorlegen.
Commerzbank will wohl Töchter verkaufen
Unterdessen berichtete das "Handelsblatt", die Commerzbank würde für eine Genehmigung ihrer milliardenschweren Staatshilfen durch Brüssel massive Zugeständnisse machen. Diskutiert würden derzeit die Trennung vom gesamten Osteuropa-Geschäft sowie der Verkauf des Immobilienfinanzierers Eurohypo, erläutert das Blatt unter Berufung auf Regierungs- und Finanzkreise. Noch vor Ostern sei ein weiteres Gespräch zwischen Bank und EU-Kommission in Brüssel geplant. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme auf Nachfrage der Zeitung ab.
Brüsseler Geld gegen Osteuropa-Geschäft
Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus ringt seit Wochen um die vollständige Freigabe der zweiten Tranche des 18,2 Milliarden Euro schweren Rettungspakets des Bundes. Während die deutsche Regierung die Milliardenhilfe durch die Genehmigung des Sonderfonds SoFFin abgedeckt sieht, vermutet EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes grundsätzliche Probleme im Geschäftsmodell der Commerzbank. Der SoFFin ist allerdings nur als Rettungsinstrument in der Finanzkrise gedacht. Deshalb könnte Kroes die Unterstützung als genehmigungspflichtige Beihilfe werten, für die sie einen Umbau der Bank verlangt.
Gewinne im Osten - Verluste bei Hypotheken
Eine Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts mit 11.000 Mitarbeitern würde die Commerzbank dem "Handelsblatt" zufolge wichtiger Wachstumschancen berauben. 2008 hatte das Segment einen Gewinn von 300 Millionen Euro geliefert. Die Eurohypo fuhr mit 1.900 Beschäftigten hingegen einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro ein. Die Commerzbank-Aktie rutschte in einem schwachen Gesamtmarkt um 3,4 Prozent auf 4,32 Euro ab.