29.05.2009, 10:15 Uhr | FTD, Daniela Schröder
Alleskleber der Firma Uhu (Foto: Imago)
Der Kleber klebt wirklich alles. Und das vor allem, weil der Apotheker August Fischer den Gestank von Fischleim nicht mehr ertragen wollte. Außerdem hatte er Probleme mit seiner Fabrik.
Eigentlich war die Konkurrenz nicht zu toppen. Wer in den 20er-Jahren Klebstoff meint, sagt Syndetikon. Kein Wunder, der mit Fischleim hergestellte Alleskleber wird seit Jahrzehnten intelligent und ironisch beworben, Gratisextras wie Bastelbögen halten die Verkaufszahlen oben.
"Syndetikon klebt, leimt und kittet alles", den Slogan kennt damals jedes Kind. Dem Apotheker August Fischer im badischen Bühl stinken der fischige Kleber und alle anderen Knochenkleister ganz gewaltig. Klar, sie halten. Aber nicht gut genug, findet Fischer. Auch mit den selbst produzierten Klebstoffen auf Naturbasis ist er unzufrieden. Vor allem aber steht Fischer unter Druck, denn für seine kleine Büroartikelfabrik sieht es duster aus. Der Erste Weltkrieg hat den Familienbetrieb hart getroffen. Die wichtigsten Verkaufsregionen Elsass-Lothringen und das Saarland gehören dem Kriegsgegner Frankreich.
Inflation und Weltwirtschaftskrise verschärfen die Lage, Fischers Firma hält sich kaum mehr über Wasser. Der vom Forschergeist getriebene Chef überträgt seinem ältesten Sohn die Geschäfte und zieht sich ins Labor zurück. Nacht für Nacht experimentiert Fischer senior mit verschiedenen neuen Stoffen. 1932 schließlich gelingt dem ausgebildeten Lebensmittelchemiker der große Wurf. Aus verschiedenen Kunstharzen mixt er einen glasklaren Klebstoff, der schnell und dauerhaft einfach alles verbindet: Papier, Pappe, Leder, Keramik, Porzellan, sogar den damals neuen Kunststoff Bakelit. Außerdem bleibt die Klebestelle elastisch, ist wasserfest und unempfindlich. Ein echter Alleskleber also.
Erfinder und Sohn sind euphorisch: Das wird der Renner, damit ist sogar Syndetikon zu schlagen! Ein Name ist schnell gefunden. Bei Büroartikeln sind gerade Vogelnamen angesagt: Pelikan, Marabu, Greif und Schwan. Hugo Fischer kombiniert Trend mit Heimat und wählt als Wappentier den damals noch im Schwarzwald lebenden Uhu. Kaum sind die ersten Tuben in Handarbeit produziert, schickt der Juniorchef Gratisproben an Tausende Schulen in ganz Deutschland. Die Schüler sind so begeistert, dass 1938 mit "Uhu hart" ein Spezialklebstoff für Modellbaufreunde auf den Markt kommt.
Als beste Werbung entpuppt sich das Luftschiff "Hindenburg". Der Zeppelin wurde mit Uhu gebaut, heißt es, weil im Inneren des Fliegers Klebstoff aus Bühl verwendet worden war. Der Zweite Weltkrieg unterbricht den Höhenflug. Uhu gilt zwar als "kriegswichtig" und darf weiterproduzieren, doch es gibt kaum mehr Rohstoffe. Eine Zeit lang kommt der Klebstoff nur in Tablettenform auf den Markt. In den 50ern aber geht es schnell wieder aufwärts. 1971 endet die Zeit des Familienunternehmens, Fischer & Fischer wird Teil der britischen Beecham-Gruppe. Heute gehört die Uhu GmbH & Co. KG zur niederländischen Bolton Group. Längst steht der schwarz-gelb verpackte Kleber als Synonym für Klebstoff allgemein.
Eine ständig wachsende Produktpalette hat die Erfindung des August Fischer zum Haushaltsklebstoff Nummer eins werden lassen. Dutzende von Spezialklebern sind auf dem Markt; kein Problem, das sich nicht kleben lässt. Zu den Klassikern gehören die Flinke Flasche, der Sekundenkleber und der Uhu Stic. Vor allem aber liegt der Erfolg am eingängigen Werbeslogan. "Im Falle eines Falles klebt Uhu wirklich alles." Dass der Fischleim Syndetikon einst mit fast denselben Worten warb, ist längst vergessen.
Quelle: T-Online
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