11.09.2010, 14:10 Uhr | dpa
Das Ehepaar von Brauchitsch (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Der frühere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch und seine Frau Helga sind nach Angaben der Familie freiwillig aus dem Leben geschieden. "Mit fortschreitender Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes haben meine Eltern diesen Schritt in Erwägung gezogen und dann zum für sie geeigneten Zeitpunkt diesen Schritt getan", sagte die Tochter Bettina von Brauchitsch dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Aufgrund ihrer schweren Krankheit wären sie zu dem von ihnen gefassten Entschluss später nicht mehr in der Lage gewesen."
Das Ehepaar war den Angaben zufolge bereits am vergangenen Dienstag in Zürich gestorben, der Tod wurde aber erst am Freitag der Nachrichtenagentur dpa bestätigt. Beide waren 83 Jahre alt und hatten zuletzt sehr zurückgezogen gelebt. In einer Todesanzeige der Familie hieß es am Samstag, Eberhard und Helga von Brauchitsch "haben uns nach langen, mit großer Geduld und Disziplin ertragenen Krankheiten nach 58 Jahren Ehe für immer verlassen".
Von Brauchitsch galt als die zentrale Figur der Flick-Affäre, die Anfang der 80er Jahre die Bundesrepublik erschütterte. Der damalige Generalmanager des Flick-Konzerns hatte rund 26 Millionen D-Mark an Parteien, Stiftungen und zahlreiche Politiker verteilt.
Tochter Bettina von Brauchitsch berichtete, ihre Mutter habe an stark fortgeschrittenem Parkinson gelitten, ihr Vater an einem Emphysem, einer Überblähung der Lunge. "Meine Eltern kannten sich 70 Jahre", sagte sie dem "Focus". "Sie waren fast 60 Jahre verheiratet, haben ihren Lebensweg mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam verlebt und somit für sich entschieden, auch den letzten Weg gemeinsam zu gehen."
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wurde das Ehepaar von der Schweizer Sterbehilfeorganisation "Exit" unterstützt. Der Vizepräsident von "Exit", Bernhard Sutter, wollte sich aus Datenschutzgründen am Samstag nicht zu dem Fall äußern. Grundsätzlich helfe seine Organisation aber nur Schweizer Bürgern "oder Menschen, die in der Schweiz einen Wohnsitz haben", sagte Sutter.
Von Brauchitsch galt als Drahtzieher der Flick-Affäre, die Anfang der 80er Jahre die Bundesrepublik erschütterte. Der damalige Generalmanager des Flick-Konzerns hatte rund 26 Millionen D-Mark an Parteien, Stiftungen und zahlreiche Politiker verteilt. Zu den Empfängern gehörten die FDP-Größen Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs, die zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Lambsdorff musste in der Folge als Wirtschaftsminister zurücktreten.
Hintergrund des Skandals war der Wunsch Flicks, Erlöse aus dem Verkauf einer Beteiligung an Daimler-Benz wieder steuerbegünstigt anlegen zu können. Brauchitsch war bei Flick für die Lobby-Arbeit zuständig, die Geldgeschenke an die Politik nannte er "Landschaftspflege". Die Buchhaltung des Konzerns führte damals die geleisteten Zuwendungen penibel auf und versah sie mit dem Kürzel "wg" und den Namen der Begünstigten.
Wegen Steuerhinterziehung wurde er 1984 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und geriet so ins Abseits. Aber der Manager kam noch einmal zurück: Er betätigte sich als Unternehmensberater und übernahm 1994 den Aufsichtsratsvorsitz beim ostdeutschen Chemiewerk Buna (Schkopau).
Der berufliche Aufstieg des am 28. November 1926 geborenen Berliners begann Mitte der 50er Jahre bei der Lufthansa. Zuvor hatte er in Mainz und Berlin Rechtswissenschaften studiert. Der 1,96 Meter große von Brauchitsch, der aus einer schlesischen Adelsfamilie stammt, besuchte die London School of Economics und die Akademie für Internationales Recht in Den Haag. Die engen Beziehungen zur Familie Flick brachten den sportbegeisterten Manager Mitte der 60er Jahre zur Flick KG, wo er geschäftsführender Gesellschafter wurde.
Von 1971 bis 1973 war er Generalbevollmächtigter des Verlegers und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender im Axel Springer Verlag in Berlin. 1973 folgte von Brauchitsch dem testamentarischen Wunsch des verstorbenen Friedrich Flick, als Gesellschafter in das Imperium am Rhein zurückzukehren. Dort kümmerte er sich fortan um die "Pflege der Bonner Landschaft" und versuchte, mit seinen Kontakten ein günstiges Klima für das Unternehmen zu schaffen. Das führte ihn schnurstracks in die Flick-Affäre. 1982 trennte sich Flick von ihm.
Über die Flick-Affäre äußerte er sich später noch einmal sehr detailliert in seinem Erinnerungsbuch "Der Preis des Schweigens". Darin nannte er die Parteispenden "Schutzgelder", die die Wirtschaft zahlte, um sich vor Repressionen in Form einer wirtschaftsfeindlichen Politik zu schützen. Den permanenten Bitten sämtlicher Parteien und Schatzmeister habe man sich nicht entziehen können.
Um den einstigen Industriekapitän, den der langjährige CSU-Chef Franz-Josef Strauß einmal als "antiquierten frühkapitalistischen Unternehmer" charakterisierte, war es nach dem Ausstieg bei Buna ruhiger geworden. Der Manager, der einst zum inneren Machtkreis der deutschen Wirtschaft gehörte, hatte mehr Zeit für seine Familie. Seit 1952 war er mit einer Ärztin verheiratet; er hatte vier Kinder.
Sein Rat war bis zuletzt gefragt, unter anderem vom Großverleger Hubert Burda, mit dem er 1987 einen Beratervertrag abschloss. Darüber hinaus beriet von Brauchitsch diverse kleine Familienunternehmen. Damit sein Gedächtnis im Alter nicht rostete, lernte er lateinische Texte auswendig, wie er einst einem Wirtschaftsmagazin verriet.
Quelle: dapd , dpa , t-online.de
marlise schrieb:
am 10. September 2010 um 20:39:53
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brauchitsch
Schutzgelder wurden bezahlt,damit die Parteien u.deren fühende Persönlichkeiten sich nicht wirtschaftsfeindlich verhalten.Schon
damals
war es den Politikern egal,ob Arbeitsplätze verloren gehen u.was aus der Wirtschaft wird,die sich den Forderungen angeblich nicht entziehen konnte.Was waren das damals schon nur für Gauner und Memmen.Das sind mafiöse Strukturen u.wir sind eine Bananenrepublik bis heute. Es wird sich sicher auch nichts ändern.,schon gar nicht mit der FDP in der Regierung.
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Uwiiiii schrieb:
am 10. September 2010 um 20:38:10
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Politik
Wann, und ich frage mich wann lassen wir Deutschen uns das nicht mehr von der Politik, EU gefallen ( Ich bin Kein
Ausläderhasser) ABER ES REICHT: )
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Dödel schrieb:
am 10. September 2010 um 20:28:53
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ja, er war der erste...
er war der erste, der spektakulär ertappt wurde, alle anderen haben viel draus gelernt - möglichst viel nach außen
hin abzuschirmen, der sumpf der korrruption ist leider nur noch tiefer geworden - es wird zeit, die ganze lobby-bagage aus dem regierungsviertel zu verteiben und eine bannmeile einzurichten, dann gehts in deutschland auch für die werktätigen wieder aufwärtz
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