09.07.2007, 06:48 Uhr | dpa / AFP / T-Online
Die 787 bei ihrer Präsentation (Foto: dpa) Seven/Eight/Seven - die amerikanische Kalendierung, übersetzt "Juli/acht/2007" - wurde zum Rollout für ein neues Flugzeug auserkoren: Mit einer aufwendigen Premieren-Feier präsentierte der Flugzeug-Hersteller Boeing am Sonntag in Seattle seinen neuen, mittelgroßen Langstrecken-Jet 787-Spitzname "Dreamliner".
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Verantwortliche und Mitarbeiter begeistert
Unter dem Applaus Tausender begeisterter Fans und in einem Blitzlichtgewitter der Fotografen wurde die 787 im Boeing-Werk Everett rund 40 Kilometer nördlich von Seattle präsentiert. "Meine Damen und Herren, hier ist Ihr Boeing Dreamliner", rief Programmchef Mike Bair ins Publikum. Der als besonders spritsparend geltende Flieger ist mit mehr als 670 Vorbestellungen schon jetzt ein Verkaufsschlager. "Ich habe an den Tragflächen mitgearbeitet", sagte Boeing-Techniker John Bandur, der mit seinem kleinen Sohn zur Vorstellung der Maschine ins Werk gekommen war: "Das ist ein toller Tag." Gemeinsam mit Flugbegleiterinnen der Kunden-Airlines und unter dem Jubel von rund 15.000 Boeing-Angestellen gab Bair zum Schluss der Zeremonie den Startschuss für das Öffnen der Hallentore. Davor rollte das erste Exemplar des neuen Jets. Tausende Mitarbeiter und Ehrengäste strömten aus der Halle, um das Flugzeug zu besichtigen. Weitere rund 25.000 Beschäftigte verfolgten die Premiere in einem eigens angemieteten Football-Stadion in Seattle auf Großleinwänden.
"Die 787 wird das Flugreisen revolutionieren"
Neue Werkstoffe, besonders sparsame Triebwerke - mit der Präsentation der Boeing 787 geht die Konkurrenz zwischen dem US-Hersteller und der EADS-Tochter Airbus in eine neue Runde. Boeing hat sich mit dem neuen Flugzeug viel vorgenommen. "Die 787 wird nicht nur das Flugreisen revolutionieren, sie repräsentiert auch einen neuen Weg beim Flugzeugbau", sagte Boeing-Manager Scott Strode Ende Mai. Strode ist verantwortlich für die Planung und Produktion der 787. Mit einer einzigen Tankfüllung kann der Dreamliner nach Konzernangaben bis zu 15.750 Kilometer zurücklegen: Damit könnte die Maschine beispielsweise einen Flug von New York nach Manila oder von Moskau nach Sao Paulo ohne Schwierigkeiten meistern. Bislang war das nur den größeren Maschinen des Konzerns wie der Boeing 777 oder 747 möglich.
Massenhaft Aufträge in Boeing-Büchern
Bisher hat Boeing mehr als 670 Aufträge für das neue, mittelgroße Langstreckenflugzeug in den Büchern stehen. "Das ist für uns die beste Bestätigung, das wir das richtige Flugzeug zum richtigen Zeitpunkt anbieten", sagte 787-Programmdirektor Mike Bair auf der Luftfahrtmesse in Paris Mitte Juni. Jüngst meldete Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin eine (rabattierte) Bestellung von 25 Dreamlinern in Milliarden-Umfang - mit Option für weitere 25 Jets. Die 787 wird in mehreren Ausführungen gebaut. Mit 200 bis gut 300 Sitzplätzen zielt die 787-Familie vor allem auf Mittel- und Langstrecken mit vergleichsweise geringem Passagieraufkommen. Das können Direktflüge zwischen kleineren Flughäfen sein, aber auch Reisen von einem kleineren Ort zu einem großen Drehkreuz
Umweltdiskussion erhöht Nachfrage
Boeing profitiert beim Verkaufserfolg der 787 von mehreren Faktoren: Einerseits haben viele Fluggesellschaften die wirtschaftliche Krise nach den Terroranschlägen vom 11. September und der Lungenkrankheit SARS überwunden. Andererseits erhöhen die steigenden Kraftstoff-Preise und die Umweltdiskussion den Druck, neues Gerät zu kaufen.
Große Rumpfteile aus Kunststoff
Im Gegensatz zu älteren Flugzeugen sind bei der 787 viele Bauteile aus Verbundwerkstoffen gefertigt. Außerdem arbeitet Boeing noch stärker mit externen Zulieferern zusammen. So werden zum Beispiel große Strukturteile mit speziellen Jumbo-Frachtern aus Italien und Japan nach Seattle geflogen.
Erste 787-Flugtests noch in diesem Sommer
In der Boeing-Produktfamilie ist die 787 mit rund 200 bis gut 300 Plätzen zwischen der kleinen 737 und der größeren 777 angesiedelt. Erster Kunde ist die All Nippon Airways aus Japan, die im Mai 2008 die erste 787 in den Liniendienst stellen will. Mit den Flugtests will Boeing Ende nächsten Monats oder im September beginnen, wie 787-Programmchef Mike Bair am Freitag (06.07.07) sagte.
Konkurrent Airbus musste A350 überarbeiten
Als Boeing das 787-Programm im Frühjahr 2004 offiziell startete, reagierte Airbus noch zurückhaltend. "Die 787 ist eine Kopie der erfolgreichen A330", sagte der damalige Airbus-Chef Noel Forgeard voller Überzeugung auf der Luftfahrtmesse in Berlin. Dann entschloss sich das Unternehmen zum Bau der A350. Kritik der Kunden führte dazu, dass der europäische Hersteller den ersten Entwurf überarbeiten musste. Auf der Luftfahrtmesse in Farnborough präsentierte Airbus im vergangenen Jahr schließlich die A350 XWB - mit breiterem Rumpf.
Segment gilt als äußerst lukrativ
Die harte Konkurrenz im Markt von 787, der größeren 777 sowie der A330, A340 und A350 hat einen einfachen Hintergrund: Beide Hersteller schätzen das Segment als extrem lukrativ ein. Boeing beziffert in seiner aktuellen Marktprognose einen Bedarf von 6200 Jets im Gesamtwert von 1,2 Billionen US-Dollar in den nächsten 20 Jahren. Airbus sieht das Geschäftsfeld ähnlich: Rund 5500 Flugzeuge im Wert von 1,1 Billionen Dollar sollen zwischen 2006 und 2025 ausgeliefert werden.
Boeing 787 und Airbus A350 stehen für technischen Generationswechsel
Die 787 und ebenso der Airbus A350 stehen für einen weiteren technischen Trend im Flugzeugbau: Mittelgroße Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken sind die Regel. Vier Motoren hängen nur noch an den Tragflächen von extrem großen Jets wie Airbus A380 oder Boeing 747. Nischenprodukt bleibt der Airbus A340-500 für extreme Langstrecken. Die Triebwerke sind in den vergangenen Jahren so leistungsfähig und zuverlässig geworden, dass es kaum noch Einschränkungen für Flüge mit zweimotorigen Jets über lange Ozeanrouten oder hohe Gebirge gibt.
Ein Vorteil: niedriger Kerosin-Verbrauch
Auf dem Ruhm des erfolgreichen Verkaufsstarts für die Boeing 787 kann sich der US-Hersteller nicht ausruhen. In den kommenden Monaten muss das Unternehmen nachweisen, dass der Jet die versprochenen fliegerischen Leistungen bringt. Angesichts von mehreren hundert Aufträgen muss der Hersteller die Serienfertigung möglichst schnell und zuverlässig hochfahren. Viele Airlines würden die 787 lieber heute als morgen in Dienst stellen, da das Flugzeug vor allem auch Kraftstoff spart im Vergleich zu älteren Modellen.
Modifizierter Jumbo-Jet kommt
Außerdem stehen die nächsten industriellen Herausforderungen schon auf dem Kalender: Die modifizierte Version des Jumbo-Jets Boeing 747- 8 fordert Kapazität in den Entwicklungsteams. Hier zeigt sich, wie die Entwicklung der 787 auch andere Projekte beeinflusst: Die modernisierte 747 bekommt die neu entwickelten Triebwerke der 787 und fliegt damit ebenfalls wesentlich sparsamer und umweltfreundlicher als die Vorgängermodelle.
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Quelle: t-online.de
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