
20.02.2012, 19:14 Uhr | Financial Times Deutschland
Nur wenige Experten wie Greg Lippmann, damals bei der Deutschen Bank, sahen den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts voraus. Nun investieren er und andere wieder in die umstrittenen Anleihepakete. Die Talsohle auf dem US-Hypothekenmarkt sei erreicht.
"Schweinereien" und "Mist": Greg Lippmanns Urteil über Finanzprodukte, die auf verbrieften Hypotheken basierten, hätte eindeutiger nicht ausfallen können. Als Händler der Deutschen Bank wettete er 2007 erfolgreich auf einen Wertverlust der Papiere. Seine Warnungen sind in E-Mails überliefert, die in einem Untersuchungsbericht des US-Senats zur Finanzkrise zitiert wurden. Doch inzwischen hat Lippmann seine Meinung geändert: Sein 1,1 Milliarden Dollar schwerer Hedge-Fonds Libremax Capital hat zwei Drittel seines Anlagevermögens in verbrieften Hypotheken investiert.
Gut vier Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise in den USA gewinnen die auf Englisch Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS) genannten Papiere wieder an Beliebtheit. Mit Neu-Emissionen halten sich die Banken allerdings weiter zurück. Bei den jetzt gehandelten Papieren handelt es sich überwiegend um genau jene toxischen Anleihen, die ab 2008 Banken weltweit ins Straucheln brachten.
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Erst letzte Woche ersteigerte die Investmentbank Goldman Sachs bei einer Auktion der New Yorker Zweigstelle der US-Notenbank Fed MBS im Wert von 6,2 Milliarden Dollar. Es war die zweite Versteigerung dieser Art durch die New York Fed, die das Kreditportfolio einst dem strauchelnden Versicherungsriesen AIG abgenommen hatte. Ein erstes Paket im Umfang von sieben Milliarden Dollar ging im Januar an die Schweizer Bank Credit Suisse.
Die Banken gingen mit vergleichbaren Investments schon einmal baden. Bemerkenswert ist aber, dass selbst ausgemachte Skeptiker wie Lippmann in den Markt einsteigen. Er fuhr mit seinen umstrittenen Wetten auf verbriefte US-Hauskredite 2007 und 2008 einen Gewinn von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar ein - und milderte damit die Verluste der Deutschen Bank mit anderen Hypothekenprodukten. Sie kamen dadurch zustande, dass vor der Krise zahlreiche Kredite auch an Schuldner geringer Bonität ausgereicht wurden. Diese sogenannten Subprime-Kredite fielen nach dem Platzen der Immobilienblase massenhaft aus.
Mittlerweile aber glaubt Lippmann, dass auf dem Hypothekenmarkt insgesamt die Talsohle erreicht ist: "Die Produkte sind im Marktvergleich so billig wie lange nicht mehr", schrieb er vergangene Woche in einem Brief an Investoren. "Und was vielleicht noch wichtiger ist: Wir glauben, dass RMBS auch bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage nicht mehr stark an Wert verlieren werden."
Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg wirbt derzeit auch der Hedge-Fonds-Manager Kyle Bass, der mit Wetten gegen Subprime-Kredite 500 Millionen Dollar verdiente, um Investoren für einen auf verbriefte Hypotheken spezialisierten Fonds.

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Zwar geht Lippmann davon aus, dass die Hauspreise bis 2013 um weitere sechs Prozent zurückgehen. Verbriefte Hypotheken gewinnen aber dennoch an Attraktivität - vor allem wegen der hohen Zinsen. Während zehnjährige US-Staatsanleihen derzeit nur eine Rendite von zwei Prozent abwerfen, sind bei RMBS sieben Prozent und mehr drin. Gleichzeitig liegen die Kurse bei rund 50 Prozent des Nennwerts. "Ein Einstieg bei hundert Prozent wäre blöd gewesen, aber bei 50 ergibt es Sinn", zitierte die Financial Times einen Wall-Street-Banker.
Dennoch halten sich viele Investoren noch zurück. Die seit einigen Wochen an den Börsen zu beobachtende Zuversicht könne schnell wieder verfliegen, sagte Paul Norris von der Fondsgesellschaft Dwight Asset Management der "Financial Times". Das würde besonders riskante MBS treffen.
Was bei einer verfrühten Rückkehr in den riskanten Markt passiert, musste John Paulson erleben. Der Hedge-Fonds-Manager, der 2007 mit Wetten gegen verbriefte Hypotheken 15 Milliarden Dollar verdiente, setzt laut Bloomberg-Recherchen seit 2008 wieder auf einen Preisanstieg - zunächst ohne Erfolg: Im vergangenen Jahr büßte sein Credit-Opportunities-Fonds 18 Prozent ein.
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Quelle: Financial Times Deutschland
u.b. schrieb:
am 15. Februar 2012 um 20:00:59
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Das war zu erwarten,
die Gier nach dem schnellen Geld ist einfach zu groß als das es solche Leute lassen könnten.Fakt ist aber auch, das
allen Banken die solche hochbrisanten Anlagen eingehen, bei einem Zusammenbrauch oder einem Scheitern auch selbst zusehen sollten wie sie aus dem Schlamassel wieder raus kommen. Notfalls gehen sie halt daran zu Grunde.
Die Dummheit und Geldgier der Bänker kennt keine Grenzen und durch Rettungsfonds der Regierung werden sie noch ermuntert weiter zu machen, zum nachteil des Volkes.
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