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Foodwatch prangert Lebensmittel-Spekulation an

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Foodwatch prangert Lebensmittel-Spekulation an

29.12.2011, 16:13 Uhr | t-online.de - sky mit dapd

Weizen, Mais, Reis (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Weizen, Mais, Reis (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Nächste Runde im Banken-Bashing: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat das Investment in Agrar-Rohstoffe scharf kritisiert. Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen machen sich demnach mit ihren Investments in Agrar-Rohstoffe "mitschuldig an Hungersnöten in den ärmsten Ländern der Welt". Das Problem an der Studie: Sie füttert zwar mit Formulierungen von der "außer Rand und Band geratenen Finanzindustrie" das aktuelle Empörungsbedürfnis im Land. Doch die Untersuchung hat Schwächen – sie ist einseitig und behandelt wichtige Preisfaktoren gar nicht oder nur am Rande.

88-seitige Studie vorgestellt

Foodwatch forderte in Berlin von der Politik Neuregelungen und ein anderes Verhalten der Banken. Hintergrund der Kritik sind Recherchen des Wissenschaftsjournalisten und Buchautors Harald Schumann. Für seinen 88-seitigen Bericht über den Zusammenhang zwischen Spekulationen und Nahrungsmittelpreisen hatte er ein halbes Jahr lang recherchiert.

Nach seinen Ergebnissen gibt es "erdrückende Belege" dafür, dass Spekulationen auf künftige Preise die aktuellen Marktpreise beeinflussen. Vor allem Exchange Traded Funds seien für steigende Preise verantwortlich, da sie vor allem long investiert seien, also auf steigende Preise setzten. Foodwatch schlussfolgerte, dass die Banken von diesen Geschäften profitieren, während Verbraucher unter höheren Preisen leiden würden. Wie sehr Banken angeblich die Lebensmittel-Preise bewegen, konnte auch der Autor nicht konkret beziffern.

Von der Politik forderte Foodwatch Limits für spekulative Warenterminverträge. Außerdem forderte die Verbraucherorganisation, dass sich institutionelle Anleger wie Versicherungen und Stiftungen nicht mehr am Handel mit Rohstoffderivaten beteiligen. Foodwatch sprach sich darüber hinaus für ein generelles Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten auf Rohstoffe aus.

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Verbrauch

Ackermann mal wieder in der Schusslinie Namentlich die Deutsche Bank und Goldman Sachs rief die Organisation zum Verzicht auf Spekulationen im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln auf. Zentrale Zielfigur des Protestes von Foodwatch wurde der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Unter dem Motto "Hände weg vom Acker, Mann!" startete die Verbraucherorganisation eine Aktion, mit der Verbraucher persönlich beim Chef der Deutschen Bank protestieren können.

Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück. Preissteigerungen und Schwankungen bei Agrarrohstoffen seien vorrangig auf Wetterereignisse, die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern, das veränderte Ernährungsverhalten sowie den wachsenden Bedarf an Biodiesel und Wechselkursschwankungen zurückzuführen.

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Commerzbank sieht fundamentale Faktoren am Werk Auch bei der Commerzbank stieß die Untersuchung auf Widerspruch. Tatsächlich seien Indexfonds eher auf der Long-Seite investiert, doch sei das Volumen eher gering, erläuterte Analyst Carsten Fritsch im Gespräch mit t-online.de.

Die wichtigsten Preistreiber im Markt seien schlicht die Erwartungen für Ernten sowie die aktuellen Lagerbestände. Beispielsweise seien bei Mais und Soja zurzeit die Lager recht leer, weil China seine Importe verstärkt habe. "Die neue chinesische Mittelschicht isst immer mehr Fleisch – damit steigt der Bedarf an Futtermitteln", urteilte der Experte. Das Angebot an Mais sinke auch, weil rund 40 Prozent der US-Ernte in die Produktion von Bio-Ethanol fließe.

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Ferner trügen die Notenbanken mit der Inflationspolitik ihren Teil zur Preissteigerung bei. Laut Fritsch müssen auch Lebensmittel auf natürliche Weise teurer werden, wenn sich Öl und Diesel verteuern sowie Düngemittel, Löhne und Land – denn sonst sitze der Produzent auf seinen Kosten, gehe in die Insolvenz und verknappe damit ebenfalls das Angebot an Agro-Rohstoffen.

Einseitige Konzentration auf den Finanzmarkt Tatsächlich ist die Studie inhaltlich einseitig, obwohl sie fairerweise auch Aussagen von Vertretern der Finanzindustrie auflistet. Der Autor konzentriert sich aber fast ausschließlich auf Finanzinvestoren. Allenfalls am Rande streift die Foodwatch-Studie aber die seit zwanzig Jahren andauernde Aufholjagd der Mittelschicht in den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China sowie in den nachrückenden Ländern wie Mexiko oder Nigeria. Dort essen hunderte Millionen von Menschen mehr als zuvor und sie konsumieren mehr Fleisch, was die Nachfrage nach Futtermitteln kräftig steigert.

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Ebenfalls nur kurz geht die Studie auf die globale Bevölkerungsexplosion und die Konvertierung von Ackerfläche in Anbaugebiete für Biodiesel-Pflanzen ein – die damit einher gehende Verknappung von Ackerflächen führt zur Verteuerung von Lebensmitteln. Gleichfalls stiefmütterlich behandelt die Untersuchung die Rolle von Wetter-Einflüssen wie die Taiga-Brände in Russland im vorigen Sommer, die Überschwemmungen in Australien im Winter oder die jüngste Dürre im Süden der USA.

Während die Untersuchung detailliert die Funktionsweise von Terminkontrakten erläutert und mit einer Menge Fakten unterlegt, erwähnt sie außerdem nicht die inflationäre Politik diverser Notenbanken der vergangenen Jahre. Nicht nur die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank haben mit Konjunkturprogrammen für einen Preisschub gesorgt. Vor allem Russland und China haben die Geldmenge drastisch erhöht, was dort seit Jahren die Lebensmittel verteuert und die Menschen zu einer Flucht in Sachwerte wie Edelmetalle, Immobilien oder eben Grund und Boden treibt – was wiederum die Ackerfläche verknappt.


Quelle: t-online.de , dapd

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