20.10.2010, 10:14 Uhr | AFP / t-online.de/business
Chefs erzählen bei Präsentationen nicht immer die Wahrheit. (Foto: Imago)
Wenn Unternehmenszahlen nicht gerade rosig ausfallen, werden sie in den Chefetagen nicht selten "aufgehübscht" - und in geschönter Form intern und Geschäftspartnern vorgelegt. Doch die Schwindler in den Führungsriegen müssen jetzt fürchten, dass ihre Lügen auffliegen: Anhand zehntausender Präsentationen von Unternehmenszahlen haben Wissenschaftler der Elite-Universität Stanford bestimmte Muster aufgespürt, mit denen Chefs, die nicht bei der Wahrheit bleiben, entlarvt werden können.
Die Studie der Stanford-Wirtschaftsprofessoren David Larcker und Anastasia Zakolyukina zeigt: Führungskräfte in Telefonunternehmen etwa benutzen bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen sehr oft das Wort "Wir" statt "Ich", wenn sie unwahre oder ungenaue Angaben zum Abschneiden des Unternehmens machen. Auf diese Weise entledigten sich die Chefs ein Stück weit der persönlichen Verantwortung für das Vorgetragene, argumentieren die Forscher.
Ein weiteres Zeichen für unwahre Äußerungen sei, wenn Unternehmensverantwortliche bei der Vorlage der Zahlen sehr viele Wörter verwendeten, die sehr stark mit Gefühlen aufgeladen seien. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler die Präsentation der Zahlen der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, wenige Monate vor deren kompletten Zusammenbruch. Lehman-Finanzvorstand Erin Callan habe damals 14 Mal das Wort "großartig", 24 Mal das Wort "stark" und acht Mal das Wort "unglaublich" verwendet. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit falscher Angaben der Studie zufolge, wenn die emotional gefärbten Wörter kaum von tatsächlichen starken Zahlen begleitet seien. Das war etwa bei Lehman der Fall.
Auch die Verwendung von Allgemeinplätzen wie "Jeder von uns weiß" ist demnach ein Zeichen, dass die folgenden Aussagen zweifelhaft sind. Für ihre Forschungsarbeit werteten Larcker und Zakolyukina vor allem die Mitschriften von knapp 30.000 Telefonkonferenzen von Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2007 aus.
Daraus entwickelten die Professoren auf linguistischen Kriterien beruhende Modelle, mit denen der Wahrheitsgehalt einer Präsentation vorhergesagt werden kann. Um zu prüfen, wie gut ihr Modell funktioniert, analysierten sie auch, welche Aussagen und Erwartungen die Unternehmen wenig später wieder korrigieren mussten.
In diesen Fällen unterstellten die Wissenschaftler, dass die Vorstände schon zum Zeitpunkt der Telefonkonferenz wussten, dass die tatsächlichen Zahlen ihrer Firma eigentlich weniger rosig aussehen. Die Forschungsarbeit mit dem Titel "Über das Aufspüren von täuschenden Aussagen in Telefonkonferenzen" ist bisher noch unveröffentlicht. Die Studie soll Analysten helfen, Gefahren für die Anleger auch dann vorauszusehen, wenn Zahlen einer Firma gefälscht worden sind.
Quelle: AFP
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