27.05.2010, 13:17 Uhr | AFP, dpa-AFX
Nach einer Serie von Selbstmorden von Foxconn-Beschäftigten in China greift der weltweit größte Elektronikhersteller zu drastischen Mitteln: Die Beschäftigten erhielten einem Pressebericht zufolge einen Brief, in dem sie sich schriftlich verpflichten müssen, sich nicht selbst zu töten. Gebäude des Unternehmens wurden mit Netzen verhängt, um Todesstürze zu verhindern. Seit Beginn des Jahres haben sich bei dem Hersteller des iPhone bereits zehn Arbeiter das Leben genommen. Arbeitsrechtsorganisationen machen den hohen Druck bei gleichzeitig schlechter Bezahlung verantwortlich. Foxconn produziert unter anderem für Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony oder Nokia.
Die "Southern Metropolis Daily" druckte am Mittwoch ein Foto des Briefes an die Angestellten. "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen", heißt es darin. Die Beschäftigten erlauben mit ihrer Unterschrift dem Unternehmen, sie "zum eigenen Schutz und dem anderer" in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein".
Foxconn-Gründer Terry Gou flog am Mittwoch in seinem Privatjet und begleitet von Journalisten in die Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo das Unternehmen allein 300.000 Menschen beschäftigt. Vom dortigen Werk hatten sich neun Arbeiter in den Tod gestürzt.
Die "South China Morning Post" zitierte am Mittwoch eine 21-jährige Foxconn-Arbeiterin, sie müsse an sechs Tagen pro Woche jeweils zwölf Stunden arbeiten. Die Stimmung im Werk sei "eng und erdrückend", die Angestellten dürften nicht miteinander sprechen. Eine andere Arbeiterin berichtete vom hohen Tempo: Sie müsse täglich tausende von Computerplatinen für elektronische Geräte prüfen. Ihr monatlicher Lohn betrage 2000 Yuan (238 Euro).
Apple erklärte am Mittwoch, es verfolge die Schritte von Foxconn, weitere Selbstmorde zu verhindern. Das Unternehmen fühle sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Bedingungen für die Arbeiter in der Produktion "sicher" seien und dass die Beschäftigten mit Respekt behandelt würden, erklärte eine Sprecherin. Eine Arbeitsrechtsorganisation hatte am Dienstag angekündigt, sie wolle zum Boykott des iPhone aufrufen. Die chinesische Regierung hob die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter hervor und unterstrich die Bedeutung der Ermittlungen. Firmen aus Taiwan seien in China willkommen, sagte Yang Yi, Sprecher des Taiwanbüros des Staatsrates in Peking, fügte aber hinzu: "Wir hoffen auch, dass die Arbeitgeber sich um ihre Beschäftigten kümmern."
In der betroffenen Fabrik in Shenzhen arbeiten 300.000 Menschen. Viele leben auf dem Werksgelände, das wie eine kleine Stadt ist, und fühlen sich dort isoliert. Eine Arbeiterin sagte, sie und ihre Kolleginnen gingen nur selten aus und verbrächten die meiste Zeit mit Internetsurfen. An den Wohnheimen wurden inzwischen Netze aufgehängt, um Sprünge in die Tiefe zu verhindern. (Siehe Foto-Show) Nur wenige Stunden nach Gous Besuch auf dem Fabrikgelände stürzte sich ein weiterer Arbeiter dort in den Tod. Es war damit der zehnte tödliche Zwischenfall und der zwölfte Sturz seit Jahresbeginn. Zwei Mitarbeiter hatten sich bei ihren Selbstmordversuchen schwer verletzt.
Quelle: dpa-AFX , AFP , t-online.de
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