12.02.2012, 16:51 Uhr | dpa
Nach Fukushima war Deutschland auf französischen Strom angewiesen. Jetzt aber, wo viele wegen des Aus für acht Atommeiler hierzulande Engpässe befürchtet hatten, hilft Deutschland den frierenden Nachbarn aus. Denn die derzeitigen winterlichen Minusgrade haben dort den Stromverbrauch auf Rekordhöhe getrieben.
Die seit Tagen anhaltende Eiseskälte treibt im Nachbarland Frankreich derzeit den Stromverbrauch in Rekordhöhen. Abends, wenn viele Franzosen nach Hause kommen und die zahlreich vorhandenen Stromheizungen anwerfen, werden bis zu 100.500 Megawatt (MW) an Leistung benötigt, wie etwa am 7. Februar geschehen.
Das neue Allzeithoch entspricht der Stromproduktion von mehr als achtzig Atomreaktoren mit 1200 Megawatt Leistung. Zum Vergleich: Deutschland braucht abends lediglich eine Leistung von 50.000 Megawatt - trotz über 15 Millionen Einwohnern mehr. Grund ist die viel geringere Anzahl an Stromheizungen. Wegen der Engpässe war der Strombörsenpreis in Frankreich zuletzt mit 34 Cent je Kilowattstunde fast dreimal so hoch wie in Deutschland.
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Dass die französischen Energieversorger nun ausgerechnet aus der Bundesrepublik Stromhilfe benötigen, ist für die Regierung in Paris, aber auch für deutsche Atomlobbyisten bitter. In Frankreich war Deutschland für die überstürzte Stilllegung von acht Atommeilern etwas belächelt worden. Nach dem GAU in Fukushima führten deutsche Energiemanager Stromimporte aus Frankreich als Beleg dafür an, dass die Energiewende ein Irrsinn sei.
Nun leuchtet auf den Seiten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber fast zu allen Tageszeiten Deutschland gelb - das bedeutet, es gibt einen Exportüberschuss beim Strom. Ein Teil geht stets nach Frankreich, das fast die ganze Zeit blau eingefärbt ist - der Bedarf kann nicht mehr mit eigenen Kraftwerken gedeckt werden, trotz derzeit 55 Atomkraftwerken, die eine Leistung von rund 60 000 Megawatt haben.
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Frankreichs Energieminister Eric Besson betont, dass die aktuelle Lage eine Ausnahmesituation sei. "Über das Jahr gesehen sind wir Stromexporteur", ließ er mitteilen. Die aktuelle Situation ist allerdings auch in anderer Hinsicht trügerisch. Fallen mehrere Kraftwerke aus, könnte sich auch in Deutschland die Lage weiter anspannen, vor allem wenn es zusätzlich Wetterlagen mit wenig Wind und viel Wolken gibt.
Das zeigt, wie volatil die Lage im Zuge der Energiewende ist. Den Großteil der Versorgung decken weiterhin konventionelle Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ab. Trotz fast 50.000 Megawatt an installierter Leistung bei Windkraft- und Solaranlagen liefern diese je nach Wetter teils nur 5000 bis 10.000 MW Strom - auch wenn sie gerade in der Mittagszeit Verbrauchsspitzen abfedern.
RWE-Chef Jürgen Großmann betont: "Niemand kann ein Interesse haben an einem großflächigen Blackout, der einen gigantischen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen würde." Aber Fakt sei, dass man derzeit nur auf Sicht fahre. RWE-Vorstandsmitglied Leonhard Birnbaum vergleicht die derzeitige Situation mit der "Titanic": "Wenn das Schiff über den Nordatlantik mit Volldampf nach New York fährt und dort heil ankommt, ist alles prima." Keiner wisse aber, wie viele Gefahren auf dem Weg gelauert haben - und wenn das Schiff doch gegen einen Eisberg fahre, heiße es: "Das hätte man doch wissen müssen".
Nach Angaben der Bundesregierung gab es im Netz bisher trotz der Unkenrufe keine bedrohliche Situation, weil das n-1-Kriterium nicht unterschritten wurde. Das bedeutet, dass immer noch eine zusätzliche Leitung ausfallen kann, ohne dass es zu Netzproblemen kommt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) macht deutlich: "Wie bei der falschen Prognose höherer Strompreise hat sich auch die Prognose als falsch erwiesen, dass die Netze bei Kälte zusammenbrechen."
Den deutschen Energiekonzernen zufolge ist teilweise auch in Deutschland der Strombörsenpreis auf 16 Cent je Kilowattstunde gestiegen, weil sogar alte Ölkraftwerke Strom produzieren mussten - diese sind besonders teuer und bestimmen den Preis. Das sei ein klares Indiz, dass es im Kraftwerkspark kaum noch Reserven gebe.
Letztlich, und da sind sich ausnahmsweise fast alle einig, müsste vor allem der Weg des Energiesparens weiter verfolgt werden, um die Winter ohne Blackouts zu überstehen. Doch bei der energetischen Gebäudesanierung hakt es gewaltig, statt 1,5 Milliarden Euro stehen wegen Einnahmeausfällen im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten vorerst für 2012 nur 900 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung.
Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) betont, durch eine bessere Dämmung in den Gebäuden könne bis zu 70 Prozent an Energie gespart werden. Doch die Unsicherheit ob der Sanierungsförderung führe bei vielen Bürgern zu Verunsicherung, so Dena-Chef Stephan Kohler. "Sie kaufen eher neue Küchen oder lassen das Bad renovieren."
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Quelle: dpa
Defaclo schrieb:
am 8. Februar 2012 um 20:18:36
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Ach nee
So schnell ändert sich also die Gemengenlage. Wenn DE schon im dunklen Winter weniger Stom braucht dann müsste es ja im hellen
Sommer noch weniger sein. Fehlen im Winter die Stromheizungen sind es im Sommer die fehlenden Klimaanlagen die nix verbrauchen. Ich glaube diesem ganzen Gelaber nicht ein Wort. Kleiner Tipp: Lest mal Börsennachrichten, aus welchem Grund Kurse steigen oder fallen. Der selbe Grund muss dreimal am Tag für unterschiedliche Kursentwicklungen herhalten.
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Antischlacke schrieb:
am 8. Februar 2012 um 20:16:26
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@Bürger
Die energieeffizienteste Wärme wird immer noch mit Erdgas erreicht: 1. Bei Öl sind die Verbrennungsrückstände höher, 2. Bei
Strom wird zwar bei den Endverbrauchern kein Abgas erzeugt, wohl aber in den Kraftwerken, je nach Art der Energiegewinnung, bei der Umwandlung fossiler Energien zu Strom werden nur um die vierzig Prozent des Potenzials genutzt (nur Gas ist wie beschrieben effizienter), also werden sechzig Prozent ungenutzt rausgepustet bzw. landen als Schlacke auf den Deponien.
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Rawe schrieb:
am 8. Februar 2012 um 20:16:15
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@moni
Mw ist nicht MWh Wind und Solar haben tech. Bedingt keine dauererzeugung damit geht deine Rechnung nicht auf. Desweiteren benötigt man
in einem Netz auch Blindleistung ( nicht identisch mit meschlicher Fehlleistung) z.b. Damit Leuchtstoffröhren starten motoren anlaufen. Blinde haben um die erzeungsort nur eine kurze nachweisbarkeit Wind kW liefervuebrigens fast keinen blindleistungsanteil. Also alles ein bisschen komplizierter wie oekos denken.
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