09.02.2011, 14:06 Uhr | Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business
Viele Deutsche haben inzwischen die Lust am Job verloren. (Foto: imago)
In deutschen Unternehmen scheint sich immer mehr Frust auszubreiten: Jeder fünfte Beschäftigte hat bereits innerlich gekündigt, lautet das Ergebnis einer Umfrage des Beratungsunternehmens Gallup. Das kostet die Firmen Milliarden - durch mehr Fehlzeiten und Produktionsausfälle. Experten erklären, warum manchem die Lust am Job vergeht - und was Chefs dagegen tun können.
Laut der Befragung des Gallup Instituts fühlen sich 21 Prozent ihrem Arbeitgeber überhaupt nicht verbunden. Der Großteil (66 Prozent) macht demnach Dienst nach Vorschrift. Und nur jeder Achte (13 Prozent) ist im Job engagiert bei der Sache. Befragt wurden 1920 Arbeitnehmer ab 18 Jahren.
Hochgerechnet auf die erwerbstätige Bevölkerung hätten gut sieben Millionen Menschen keine emotionale Bindung an den Arbeitgeber, erläuterten die Studienautoren. Diese Beschäftigten verhielten sich destruktiv, was zu Lasten der Leistung und Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens gehe.
Die Studie ergab außerdem, dass nur wenige Arbeitnehmer genug Anerkennung vom Chef bekommen: Lediglich jeder Fünfte (19 Prozent) sagt, dass er Lob für gute Arbeit erhält. Ähnlich wenige (22 Prozent) erhalten ein regelmäßiges Feedback über persönliche Fortschritte.
Aber wer mit einer Null-Bock-Haltung seinen Dienst tut, hat erst recht keinen Erfolg im Beruf. Und das senkt die Motivation umso mehr. Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, dürfen Arbeitnehmer ihren Frust nicht einfach herunterschlucken. Besser ist, die Schmollecke zu verlassen und das Gespräch mit dem Chef zu suchen. Denn es macht Mitarbeiter schnell unzufrieden, wenn sie sich zu wenig beachtet fühlen. "Fehlende Anerkennung ist eine der größten Frustursachen überhaupt", betont Motivations-Coach Volker Kitz aus Köln.
"Viele denken: 'Ich racker' mich hier ab, und keiner merkt es", so Kitz. Das drücke auf die Motivation. Im Alltag habe der Chef aber keine Zeit, den Mitarbeitern ständig auf die Schulter zu klopfen. Ratsam sei daher, regelmäßige Termine für Feedback-Gespräche zu vereinbaren. So könnten Mitarbeiter dafür sorgen, dass ihre Leistungen wahrgenommen werden.
Solche Gespräche müssten aber gut vorbereiten werden, rät Kitz. So dürften Arbeitnehmer nicht glauben, dass der Chef von sich aus alle ihre Leistungen im Kopf hat und anspricht. "Viele gehen davon aus: Der Chef sieht das schon, was ich mache", warnt Kitz. Das sei aber ein Denkfehler. "Am besten mache ich also eine Liste mit allem, was ich geleistet habe. Wenn der Chef das dann so vor Augen geführt bekommt, das macht Eindruck", lautet der Rat des Experten.
Oft erwarten Mitarbeiter Kitz zufolge nicht einmal große Lobeshymnen vom Chef. Meist reichten schon kleine Anerkennungen, um Mitarbeiter zu motivieren. Viele wollten einfach nur wahrgenommen werden. Dazu gehöre es zum Beispiel, dass der Chef Mitarbeiter kurz darauf anspricht, wenn sie Überstunden gemacht oder sich um einen schwierigen Kunden gekümmert haben. Das kommt auch der Firma zugute, weil es Mitarbeiter anspornt: "Lob und Anerkennung sind ganz große Motivatoren", erläutert der Coach. Hier hätten viele Chefs noch Nachholbedarf.
Eine Lösung für das Problem ist laut Kitz, den Vorgesetzten selbst auf eigene Leistungen anzusprechen - Mitarbeiter könnten zum Beispiel fragen, ob dem Chef die Präsentation gefallen hat. Das "fishing for compliments" - also dem Betteln um Lob - sollte aber nicht übertrieben werden, meint Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg. Wer den Chef nach jeder Präsentation fragt "Und, wie fanden Sie's?", mache keinen guten Eindruck. "Das wirkt unsicher", erklärt Hofert.
Allerdings müssten Arbeitnehmer realistisch bleiben und dürften nicht zu viele Rückmeldungen vom Vorgesetzten erwarten, rät der Motivationsprofi. Oft sei es nur ein Missverständnis, wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass der Chef sich nicht um sie schert. "Ich habe etwas erledigt und maile das dem Chef, und dann erhalte ich keine Rückmeldung", gibt Kitz ein Beispiel. Das heiße aber nicht, dass er den Angestellten vergessen habe. In so einer Situation sollte man sich vielmehr klarmachen: "Der Chef hat vielleicht 30 oder sogar 300 Mitarbeiter - es geht einfach nicht, dass er allen sofort antwortet."
Quelle: dpa-tmn
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