03.02.2011, 10:22 Uhr | dpa/tmn / t-online.de/business
Auf deutschen Chefsesseln finden sich nur wenige Frauen. (Foto: imago)
Die obersten Chefetagen deutscher Unternehmen sind immer noch eine Männerdomäne: Frauen besetzen dort nur jeden sechsten Posten (17,0 Prozent). Das hat die Firma Databyte aus Lübeck ermittelt.
Das Unternehmen hatte Daten von rund 1,1 Millionen Führungskräften in Deutschland ausgewertet. Der Frauenanteil sinkt demnach mit dem Alter immer mehr: So ist noch jeder Fünfte (20,4) zwischen 30 und 34 Jahren in der Führungsriege deutscher Unternehmen weiblich. Bei den 45- bis 49-Jährigen ist es nur noch jeder Sechste (16,4). Und noch geringer ist die Frauenquote bei den Geschäftsführern und Vorständen in der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren (15,7).
Nicht wenige in der obersten Führungsriege sind den Daten zufolge bereits im Rentenalter: Fast jeder Achte (12,4) ist 65 Jahre oder älter. Rund die Hälfte aller Chefs (49,7) ist zwischen 40 und 54 Jahre alt. Die größte Gruppe machen die 45- bis 49-Jährigen aus (18,5). Beim Nachwuchs sieht es dagegen mau aus: Nur jeder Sechste (16,3) in der Chefetage ist jünger als 40. Das Durchschnittsalter im Top-Management beträgt 50 Jahre.
Und selbst als Führungskräfte verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Das belegt der Führungskräfte-Monitor 2010 vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. "Die Frauen haben zwar bei der Qualifikation aufgeholt, treten aber auf der Stelle", erläutert Studienautorin Elke Holst.
Das liege unter anderem daran, dass Frauen ihre Karriere anders und weniger gezielt planten, meint Karriereberater Martin Wehrle aus Jork Hamburg gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Frauen finden die Machtspiele der Männer oft albern. [...] Wer aber ein Spiel gewinnen will, muss die Regeln kennen und beachten", so Wehrle. Seiner Ansicht nach machen Frauen den Fehler zu glauben, ihre Leistung spreche für sich. Sie agierten zu zurückhaltend, wenn es um eine Gehaltserhöhung oder Beförderung gehe.
Um ganz nach oben zu können, müssen Frauen außerdem beim Netzwerken dazulernen. "Männer bilden informelle Netzwerke, trinken zusammen Bier und schachern sich Positionen zu", erklärt Wehrle. "Frauen verlassen sich auf den offiziellen Dienstweg und treffen sich viel zu selten nach Feierabend mit Kollegen. Dabei werden viele Positionen inoffiziell vergeben und viele wichtige Beschlüsse schon im Vorfeld von Meetings getroffen."
Eine DIW-Studie zeigt außerdem, dass Frauen ihre Karriere selbst mit zu großer Bescheidenheit boykottieren. Die Untersuchung zeigt, dass das Einkommen, das Frauen für sich als gerecht ansehen, unter dem Einkommen liegt, das Männer real erzielen". Ein Grund dafür sei, dass Frauen häufig in typisch weiblichen Berufen arbeiteten, in denen das Lohnniveau niedriger sei als in Männerberufen. Sie verglichen ihr Gehalt eher mit dem anderer Frauen und akzeptierten so eine niedrigere Bezahlung.
Quelle: dpa-tmn
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