23.03.2011, 09:45 Uhr | sia
Schon bei der Atomkatastrophe in Tschernobyl wurde Putzmeister-Technik genutzt. (Foto: Putzmeister)
Top-Technik aus Baden-Württemberg wird für die Kühlung des japanischen Atomkraftwerks Fukushima eingesetzt. Wir verraten Ihnen, wer dahinter steckt und stellen Ihnen das Erfolgsunternehmen aus dem schwäbischen Aichtal vor.
Die Pumpe aus Deutschland hilft bei der Kühlung des schwer beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Eins. Hersteller des Geräts ist das Unternehmen Putzmeister aus dem baden-württembergischen Aichtal. "Wir haben schon Erfahrungen mit dem Einsatz unserer Pumpen bei der Atomkatastrophe in Tschernobyl in der Ukraine gesammelt", erklärte eine Unternehmenssprecherin. Die Betonpumpe sollte demnach gerade an einen anderen Kunden ausgeliefert werden, wurde dann aber nach Fukushima geschafft.
Als Spezial-Maschinenbauer entwickelt und produziert Putzmeister weltweit hochwertige Maschinen zur Förderung, Verteilung, Aufbereitung, Zwischenlagerung und Verarbeitung von Beton, Mörtel und Dickstoffen. Das Unternehmen beliefert nach eigenen Angaben die Bauindustrie, den Berg- und Tunnelbau und industrielle Großprojekte. Einen weiteren Markt der Firma bilden die Fertigteilindustrie, Kraft- und Klärwerke sowie Müllverbrennungsanlagen.
Die Anfänge des Erfolgsunternehmens liegen im Jahr 1958: Damals gründete Karl Schlecht, der Sohn eines Gipsermeisters, in Filderstadt-Bernhausen südlich von Stuttgart die Firma KS-Maschinenbau zur Herstellung von Verputzmaschinen. 1963 wurde die Firma in Putzmeister-Werke umbenannt. Das heutige Firmengelände in Aichtal wurde 1971 in Betrieb genommen.
Schon 1965 revolutionierte Putzmeister die Putztechnik mit der ersten automatischen Gips-Verputzmaschine der Welt, dem "Gipsomat". Im gleichen Jahr wurde in Aichtal außerdem die Trichterpistole entwickelt - die "Wundertüte" für alle Malerarbeiten im Putzbereich. Seinen ersten Weltrekord konnte das Unternehmen schließlich 1977 verzeichnen: Für den Bau des Frankfurter Fernsehturms lieferte es eine Betonpumpe, die eine Höhendifferenz von 310 Metern überwand.
Stolz ist der Maschinenbauer auch auf die Beteiligung an internationalen Großprojekten, zum Beispiel dem Eurotunnel, der Öresund-Brücke, Olympia-Bauten in Peking, Hochbauten und Fernmeldetürmen in den USA und in China. 2008 wurde zum Rekordjahr für das Unternehmen, das zugleich sein 50-jähriges Bestehen feierte: Putzmeister sorgte dafür, dass der Beton für den höchsten Turm der Welt am persischen Golf, den Burj Khalifa, in spektakuläre Höhen (601 Meter Pumphöhe) gelangte.
Was mit Kränen wegen der schnellen Aushärtung der speziellen Betonrezepturen schlecht möglich gewesen wäre, schafften deren Hochleistungs-Betonpumpen, ein ausgeklügeltes Förderleitungssystem und stationäre Betonverteilermasten. Außerdem präsentierte Putzmeister 2008 seinen M 70-5, den nach eigenen Angaben weltweit größten Betonverteilermast für Autobetonpumpen.
Wie die Eßlinger Zeitung kürzlich meldete, hatte Putzmeister in der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 starke Verluste zu verkraften. Inzwischen sei die Talsohle aber „definitiv durchschritten“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung Norbert Scheuch im Gespräch mit der Zeitung. 2010 sei der Umsatz um 25 Prozent auf 550 Millionen Euro gestiegen.
Für 2011 ist das Unternehmen mit weltweit rund 40 Produktionsstandorten und Niederlassungen optimistisch: Man schreibe wieder schwarze Zahlen, so Scheuch gegenüber der Eßlinger Zeitung. Das Wachstum komme hauptsächlich aus dem außereuropäischen Raum wie Indien, China, dem Mittleren Osten und Südamerika.
In den stark expandierenden Märkten müsse man allerdings vor Ort produzieren. So wachse man zurzeit sehr stark in Indien, in Brasilien baue man ein Werk auf, China laufe hervorragend. Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen dem Blatt zufolge 1104 Mitarbeiter, weltweit 2546.
sia
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