10.06.2008, 15:38 Uhr | AFP / T-Online
Gas - diese Flamme kostet demnächst deutlich mehr (Foto: imago) Die dritte Gaspreiswelle in diesem Jahr rollt nach Recherchen des Verbraucherportals Verivox bereits in den nächsten Wochen auf viele deutsche Haushalte zu. Rund 100 der mehr als 700 deutschen Gasversorger planten zu diesem Zeitpunkt eine Erhöhung der Gaspreise um etwa zehn Prozent, berichtete Verivox-Sprecherin Dagmar Ginzel (siehe Tabelle unten). Eine erste Erhöhungswelle habe es mit einem Anstieg von rund 5,8 Prozent bereits im Januar, eine zweite von rund 6,6 Prozent im März gegeben. Im vergangenen Jahr waren die Gaspreise laut Ginzel dagegen als Folge der seinerzeit leicht sinkenden Ölpreise um rund 3,4 Prozent zurückgegangen. Der Gaspreis ist als Folge einer branchenüblichen Vereinbarung mit einer zeitlicher Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt.
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Weitere Gaspreis-Erhöhungen zu erwarten
Kaum sind die neuen Erhöhungen bekannt, schon prognostizieren Experten weitere Steigerungen. Die deutschen Gaskunden können nach den Worten von E.ON-Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg nicht mehr auf Rückkehr zu den günstigen Energiepreisen vergangener Jahre hoffen. Die größte deutsche Ferngas-Gesellschaft kündigte am Dienstag eine Erhöhung der Gaspreise am "untersten Ende im zweistelligen Bereich" an, nannte aber keine genauen Zahlen. Schon für den Herbst erwarten Experten eine weiteren Preisschub. Verbraucherschützer rieten Kunden unterdessen, die Tarife zu vergleichen und zu günstigeren Anbietern zu wechseln.
Glos will Preiserhöhungen überprüfen
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will die Energiekonzerne nun stärker kontrollieren. "Angesichts der angekündigten Preissteigerungen für Gas werden wir sehr genau die Einkaufspreise der Energieunternehmen überprüfen", sagte Glos der "Bild am Sonntag" (BamS). Die Konzerne müssten dem Bundeskartellamt "jeden Cent einer solchen Preiserhöhung erklären".
Preisänderungen der Versorger zum 01.06. und 01.07.08 | |
Berlin (keine Erhöhung) | |
Bremen (keine Erhöhung) | Hamburg (keine Erhöhung) |
Gas bald ein um ein Fünftel teurer?
Die "BamS" berichtete zunächst, 67 Versorger planten zum 1. Juni und 1. Juli Preiserhöhungen um bis zu 19 Prozent. Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gehe jetzt sogar von einem Preisschock im gesamten Gasmarkt aus. Sie erklärte, auch kleinere Stadtwerke würden die Preise für Endverbraucher erhöhen, "da sie in der Regel ihr Gas von einem großen Lieferanten beziehen". Wenn dieser die Preise anhebe, zögen die kleineren nach.
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Teures Öl, teures Gas
"Gas wird zum Jahresende noch um weitere zehn Prozent teurer, falls der Ölpreis auf diesem sehr hohen Niveau bleibt", prognostizierte Kemfert. Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt. Steigen die Ölpreise, so steigen etwa ein halbes Jahr später auch die Gaspreise.
EU-Kommission moniert Wettbewerbsverstöße
Derweil erhebt die EU-Kommission dem Nachrichtenmagazin zufolge Vorwürfe gegen E.ON und RWE wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße auf dem Gasmarkt. Die Brüsseler Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes will demnach in den kommenden Wochen zwei Kartellverfahren zum Abschluss bringen, in denen die deutschen Energiemultis eine wichtige Rolle spielen.
Angebliche Absprachen
So wolle Kroes belegen, dass sich E.ON mit seinem französischen Konkurrenten Gaz de France bei einem gemeinsamen Pipeline-Projekt darüber abgesprochen haben soll, kein Gas in das jeweilige Nachbarland zu liefern. RWE soll dem Bericht zufolge bewusst Kapazitäten und Investitionen im Gasbereich zurückgehalten haben, um den Wettbewerb zu verhindern.
Alte Vereinbarung
Beide Konzerne streiten laut "Spiegel" die Vorwürfe ab. RWE bemüht sich demnach derzeit in intensiven Verhandlungen mit der EU-Wettbewerbskommission, die Vorwürfe auszuräumen. E.ON macht dem Bericht zufolge geltend, dass die monierte Vereinbarung aus dem Jahr 1975 stamme und schon lange aufgehoben worden sei.
E.ON auch wegen Stromnetz in Kartell-Bredouille
Wegen zwei Kartellverfahren im Strommarkt hatte E.ON im Februar überraschend den Verkauf seines Hochspannungsnetzes angekündigt. Der Konzern hatte sich mit der EU-Kommission auf diesen Schritt geeinigt, um so die Einstellung der Verfahren zu erreichen.
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Quelle: t-online.de
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