Je nach Anbieter steigen oder fallen die Gaspreise im Januar (Quelle: ddp)Mitten in der Heizperiode beginnen die Gaspreise wieder zu klettern. Nachdem der Gaspreis im Lauf des Jahres um rund 25 Prozent gefallen sei, steige das Preisniveau jetzt erstmals wieder, teilte das Verbraucherportal Verivox mit. Dabei tut sich auf dem Gasmarkt durchaus etwas in beiden Richtungen: Im Januar erhöhen laut Verivox 51 Anbieter ihre Preise um durchschnittlich 5,2 Prozent, 48 Unternehmen senken den Gaspreis um durchschnittlich 5,4 Prozent. Da unter den erhöhenden Anbietern aber mehrere Großversorger sind, müssen mehr als zwei Millionen Haushalte mit steigenden Heizkosten rechnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war Gas 2008 so teuer wie noch nie. Die Versorger hätten 9,4 Prozent mehr kassiert als 2007 und sogar mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren.
Die aktuellen Preisunterschiede zwischen den Gasversorgern erklären sich nach Verivox-Angaben aus der jeweiligen Beschaffungsstrategie. Da der Ölpreis im Lauf des Jahres von rund 30 Dollar auf über 70 Dollar gestiegen ist, haben diejenigen Versorger mit zusätzlichen Kosten zu kämpfen, die sich für langfristige Verträge mit Ölpreisbindung entschieden haben.
Gas am Spotmarkt ist billig
Versorger mit kurzfristigen Beschaffungsstrategien ohne Ölpreisbindung können sich dagegen aktuell günstig an den Spotmärkten eindecken, weil hier das Gas wegen der Wirtschaftskrise billiger geworden ist. Diesen Beschaffungsvorteil könnten die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben, so Verivox.
Ölpreisbindung wird wohl fallen
Dabei nimmt die Bedeutung der Ölpreisbindung für das Gas offenbar ab. "Ich denke, dass die Ölpreisbindung in den nächsten Jahren fallen wird", sagte Holger Krawinkel, der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen in Düsseldorf. Der Markt habe sich verändert. Die Internationale Energieagentur gehe davon aus, dass es zunehmend mehr Gas geben werde. Die Bindung an das knapper werdende Öl sei deshalb auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten. "Die Preise werden sich ein Stück weit voneinander abkoppeln", sagte Krawinkel voraus. Der Gaspreis werde auch dann nicht so stark steigen, wenn die Wirtschaft wieder Tritt fasse.
Keine Gasschwemme
Allerdings sind nicht alle Energieexperten so optimistisch. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt nicht an eine anhaltende Gasschwemme: "Die Nachfrage wird deutlich steigen. Gas ist aus Klimaschutzgründen sehr attraktiv." Sie erwartet einen wachsenden Gasverbrauch in Kraftwerken, aber auch beim Heizen und im Verkehr. Nach Einschätzung von Kemfert wird für die künftige Preisentwicklung in erster Linie die Entwicklung des Wettbewerbs auf dem Gasmarkt ausschlaggebend sein.
Zu wenig Wettbewerb beim Gas
"Der Gasmarkt ist enorm verkrustet und hat viel zu wenig Wettbewerb", erklärte sie. Wenn sich daran nichts ändere, sei ein Preisanstieg wohl unvermeidlich. Doch könnte es auch anders kommen. "Es gibt genügend Gas für die nächsten 40 bis 50 Jahre am Markt. Wenn wir einen funktionierenden Wettbewerb hätten, müssten die Gaspreise nicht steigen", so Kemfert.